Urteil gesprochen

Ex-Polizistin gesteht: „Milliarden-Mike“ gab mir Geld gegen Infos

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Im Prozess vor dem Hamburger Landgericht sagte eine Ex-Beamtin aus, dem legendären Betrüger Mike Wappler („Millarden-Mike“) Polizei-Infos beschafft zu haben.

Hamburg – Tränenbeichte vor Gericht: Die zierliche Frau weint, als sie im Hamburger Landgericht gesteht, dem Betrüger Mike Wappler, besser bekannt als „Millarden-Mike“, vertrauliche Polizei-Informationen gegen Geld weitergegeben zu haben.

Gericht in Hamburg: Landgericht Hamburg
Adresse:Sievekingplatz 1 und 3, 20355 Hamburg
Leitung: Bernd Lübbe (seit 14. April 2021)
Bekannte Verfahren: Prozess um die gefälschten Hitler-Tagebücher, Vorwurf der Rechtsbeugung gegen Ronald Schill, Prozess um ehemaligen SS-Mann Bruno Dey wegen Beihilfe zu Mord in mindestens 5230 Fällen

Laut Anklage soll die 45-jährige Stefanie H. – damals noch Beamtin bei der Berliner Polizei – zwischen Februar 2018 und April 2019 in zehn Fällen interne Daten aus dem Polizei-Computer beschafft und Wappler zugespielt haben. Mittlerweile wurde H. bei der Berliner Polizei entlassen. Sie ist wegen Bestechlichkeit angeklagt.

Polizistin gab „Millarden-Mike“ Infos: „Ich war spielsüchtig“

„Millarden-Mike“ (65) habe ihr für die Informationen bis zu 500 Euro geboten. Neun Fälle gab die Frau nun zu, dafür habe ihr Wappler aber nur 400 Euro gezahlt. Sie sei aufgrund ihrer Spielsucht nach der Geburt ihres zweiten Kindes in finanzielle Not geraten, sagte H. vor Gericht. In ihrer schwierigen Lage habe sie sich über Facebook an eine Reihe Prominenter gewandt – darunter auch „Milliarden-Mike“.

Geschlechtsverkehr ein Thema: „Millarden-Mike“ und die 45-jährige Polizistin im Hamburger Landgericht. (24hamburg.de-Montage)

Der Betrüger gab zu Protokoll: „Es tut mir von Herzen leid, dass sie heute hier sitzen muss. Die Auskünfte hätte ich auch an anderer Stelle bekommen, normalerweise brauche ich solche Informationen gar nicht. Sie hat mich angeschrieben: Ich bin Polizistin… Ich habe gedacht, sie will mich verarschen.“

Polizistin gesteht Bestechlichkeit: Geschlechtsverkehr ein Thema

Bei den weitergegebenen Daten soll es sich unter anderem um Informationen zu einem prominenten Freund Wapplers gehandelt haben. Auch, ob gegen ihn ein Haftbefehl vorliege oder ob der Führerschein seiner Frau noch gültig sei, wollte der 65-Jährige wissen.

Ich wollte sie ein bisschen verarschen.

„Milliarden-Mike“ vor Gericht

Auch Geschlechtsverkehr sei ein Thema gewesen, so Stefanie H. „Millarden-Mike“ soll der Polizistin 100.000 Euro geboten haben. Wappler: „Ich wollte sie ein bisschen verarschen. Mehr war das nicht.“ Mike Wappler ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Betrug und saß bereits insgesamt 28 Jahre im Knast. Derzeit muss er sich vor dem Hamburger Landgericht wegen Bestechung verantworten.

Der Hamburger Kriminelle sitzt bereits wegen Betrugs in Berlin in Haft. Das Landgericht Hamburg hatte ihn Ende 2019 zu einer Strafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Wegen Bestechung kommen nach dem Urteil von Montag nun weitere neun Monate hinzu. Das Landgericht Hamburg hat die Berliner Polizistin zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Wegen Bestechlichkeit.

Prozess gegen „Milliarden-Mike“: Aufsehenerregende Fälle aus Hamburger Gerichtssälen

Vor Hamburgs Gerichten werden immer wieder aufsehenerregende Fälle verhandelt. So etwa beim Prozess um den toten Zivilfahnder im Einsatz. In einem Nachbarschaftsstreit ging es um die Frage, ob ein Mann seinen Nachbarn totfahren wollte. Der Prozess um den 187 Strassenbande-Rapper Gzuz sorgte ebenfalls für Schlagzeilen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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