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„Es läuft bombastisch“: Hamburgs Tourismus im Höhenflug – bleibt das auch so?

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Von: Christian Einfeldt

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Nach Jahren der Pandemie feiert Hamburgs Tourismusbranche wieder Erfolge. Das Statistikamt Nord belegt die Entwicklung, die dennoch infrage gestellt werden könnte.

Hamburg – Nach eigenen Angaben der Metropolregion Hamburg generieren die Hansestadt Hamburg und die Gebiete im direkten Einzugsgebiet einen Umsatz von insgesamt 11 Milliarden Euro. Tourismus gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadt. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie füllen sich in Hamburg nun auch endlich wieder die beliebten Plätze. Ob am Hamburger Hafen oder auf der Reeperbahn – „es läuft bombastisch. Die Nachfrage ist höher als vor Corona“, sagt beispielsweise Sebastian Drechsler vom Miniatur Wunderland dem Hamburger Abendblatt.

Für die Hamburger Tourismusbranche gibt es wieder allerhand zu tun. Nach leidgeplagten Jahren kündigen sich endlich wieder erfreulichere Zeiten an. Doch bleibt es auch auf Dauer so?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Hamburgs Tourismusbranche ist voller Tatendrang – und verbucht wieder Erfolge

Der Tourismus boomt in Hamburg. „Wir haben richtig gut zu tun“ – so viel, dass man der Nachfrage am Wochenende nur schwer gerecht werden könne, sagt auch Hubert Neubacher, Geschäftsführer der Barkassen-Meyer Touristik GmbH & Co. KG, dem Abendblatt. Nur an wenig anderen Berufsfeldern hat die Corona-Pandemie so gezehrt wie an der Tourismus-Branche. Spürbar sind die Auswirkungen bis heute: In Hamburg geht Restaurants etwa das Personal aus und Gäste müssen ihr Essen jetzt selbst abholen.

Menschen gehen entlang der Hamburger Hafenpromenade.
Tourismus in Hamburg: Nach Jahren der Corona-Pandemie verbucht die Branche wieder Erfolge. (Symbolbild) © IMAGO / Hanno Bode

Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, lasse sich jetzt allerdings wieder ein Trend in Richtung bessere Zeiten nachvollziehen. Das Statistikamt Nord verweist etwa auf 1,374 Millionen Übernachtungen, die Hamburg alleine im April 2022 verbuchen konnte. Ein Vergleich mit den Jahren vor Corona zeigt, was Drechsler vom Miniatur Wunderland mit dem aktuell „bombastischen“ Zustand der Hamburger Tourismusbranche meint: Im April 2019 waren es lediglich 1,345 Millionen Übernachtungen. Die Sehenswürdigkeiten rund um Hamburger Michel, Hamburger Fischmarkt oder Elbphilharmonie locken Touristinnen und Touristen wieder an. Gut möglich, dass Hamburg sogar ein Rekord-Jahr bevorsteht. Doch wie lange hat der Aufschwung Bestand?

Hamburger Tourismusbranche: Sehenswürdigkeiten und Großveranstaltungen locken in die Hansestadt

Ein erneuter Einsturz des Hamburger Tourismus erscheint angesichts aller positiven Meldungen, fast schon unvorstellbar. Wäre nur jeder Monat so gut wie der Juni 2022, könne die Branche schnell in „Goldgräberstimmung“ geraten, sagt der Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Niklas Kaiser von Rosenburg. Gründe für den Anstieg des Tourismus gibt es reichlich. Dem Abendblatt nennt er zwei: „Die Menschen haben Nachholbedarf, und natürlich ist Hamburg auch für einen Kurztrip eine attraktive Destination“.

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Neben den vielen Sehenswürdigkeiten wurden seitens der Besucherinnen und Besucher die Großveranstaltungen als Highlights auserkoren. Konkret steht der Schlagermove 2022 auf St. Pauli kurz bevor, genauso wie für Mitte September die Feierlichkeiten zum Hafengeburtstag angesetzt sind. Auch die vom NABU stark kritisierten Harley Days sorgten in Hamburg für großen Andrang.

Tourismus in Hamburg: Experte warnt vor „Goldgräberstimmung“ und nimmt Stadt in die Pflicht

Die Stimmung in der Branche ist gut. Die Hoffnung kehrt nach Hamburg zurück – mit ihr jedoch auch die Angst vor einem potenziellem Einbruch in den kommenden Monaten. Geht es nach Kaiser von Rosenburg, könne der Branche etwa noch die bereits zitierte „Goldgräberstimmung“ zum Verhängnis werden. „Eine große Nachfrage sollte nicht dafür sorgen, dass Drei-Sterne-Häuser bei Großveranstaltungen wie dem anstehenden Schlagermove Mondpreise von um die 400 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer verlangen“, beschreibt er seine Sorgen im Gespräch mit dem Abendblatt.

Wenn dieser Rückgang der Dienstreisen bleibt, haben wir ab Herbst bis in den März hinein ein großes Pro­blem.

Niklas Kaiser von Rosenburg, Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, im Abendblatt

Wucherpreise und Abzocke könnten alte Ängste wecken – doch noch einen anderen Aspekt dürfe man nicht außer Acht lassen: Touristinnen und Touristen besuchen derzeit zwar massenhaft die Stadt. Die Anzahl der Geschäftsreisenden bleibt jedoch weiterhin unter dem Wert vor der Corona-Pandemie. „Wenn dieser Rückgang der Dienstreisen bleibt, haben wir ab Herbst bis in den März hinein ein großes Pro­blem“, mahnt Kaiser von Rosenburg.

Für eine Lösung des Problems nimmt er nun die Stadt in die Pflicht: „Die Stadt muss neue Messen für Hamburg akquirieren und das neue CCH offensiver bewerben, um mehr internationale Kongresse für Hamburg zu gewinnen.“ Jetzt, wo die Sanierungsarbeiten des CCH endlich abgeschlossen sind, können Gäste jedenfalls problemlos empfangen werden.

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