1,68 Milliarden Überstunden in Deutschland

UN-Studie schockiert: Zu viel Arbeit tötet 745.000 Menschen im Jahr

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Im Jahr sterben 745.000 Menschen, weil sie zu viel arbeiten. Laut einer aktuellen UN-Studie gefährden dauerhaft mehr als 55 Arbeits-Stunden pro Woche die Gesundheit.

Hamburg – Die Hansestadt Hamburg* war schon immer eine Arbeiterstadt. Dafür steht auch heute noch der Hamburger Hafen*. Hier wird angepackt, geackert, Geld verdient. Doch wie eine aktuelle Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zeigt, macht zu viel Arbeit die Menschen krank. Besonders erschreckend: die Ergebnisse der Studie zeigen, dass rund 745.000 Menschen jährlich wegen zu viel Arbeit sogar sterben.

Organisation:Weltgesundheitsorganisation
Gründung:7. April 1948
Hauptsitz:Genf, Schweiz
Budget:8,482 Milliarden USD (2020-2021)

UN-Studie beweist: Zu viel Arbeit macht krank – 745.000 Menschen sterben an Schlaganfall und Herzerkrankungen

Hunderttausende Menschen sterben demnach im Jahr an einem Schlaganfall oder einer Herzerkrankung. Auslöser waren in diesen Fällen zu lange Arbeitszeiten. Die Studie zeigt, wer dauerhaft mehr als 55 Stunden arbeitet, hat ein deutlich erhöhtes Risiko tödlich zu erkranken. Im Jahr 2016 sollen laut Studie 398.000 Menschen an einem Schlaganfall und 347.000 Menschen an einer koronaren Herzerkrankung gestorben sein – ausgelöst von zu viel Arbeit.

UN-Studie mit erschreckendem Ergebnis: 745.000 Menschen sterben an zu viel Arbeit. (24hamburg.de-Montage)

Seit 2000 habe sich die Zahl von Todesfällen durch Herzerkrankungen im Zusammenhang mit Arbeitszeiten um rund 40 Prozent erhöht, heißt es in der Studie. Die Zahl der durch zu lange Arbeitszeiten ausgelösten Schlaganfälle stieg um 19 Prozent. Die WHO stellte klar, dass Überarbeitung „der führende Risikofaktor für Berufskrankheiten“ sei. Insgesamt gingen im Jahr 2016 durch die Folgen der Überarbeitung weltweit etwa 23 Millionen gesunde Lebensjahre verloren.

Studie von WHO und ILO: Hunderttausende Tote durch Überarbeitung – Umfragen in 154 Ländern

Besonders in der Corona*-Krise könnte sich die Situation noch verschärfen. Grund dafür ist auch das Arbeiten aus dem Homeoffice. Da „die Grenzen zwischen Zuhause und Arbeit oft verschwimmen“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Kein Job sei es wert, dass „man einen Schlaganfall oder eine Herzerkrankung riskiert“, appellierte er an die Menschen. Klare Arbeitsgrenzen, vereinbart zwischen Arbeitnehmer und Chef, seien deshalb zwingend notwendig und einzuhalten.

Veröffentlicht wurde die Studie in der Fachzeitschrift „Environment International“. Untersucht wurde speziell der Zusammenhang von verlorenen Lebensjahren und längeren Arbeitszeiten. Insgesamt wurden Menschen in 154 Ländern zu ihren Arbeitszeiten befragt. Die Umfragen wurden dann mit Studien über Schlaganfälle und Herzkrankheiten abgeglichen, an denen insgesamt 1,6 Millionen Menschen teilgenommen haben.

UN-Studie: Tot durch zu viel Arbeit – so viele Überstunden fallen in Deutschland jährlich an

In Europa sei die Belastung gemäß der UN-Studie geringer als im Rest der Welt, das liege vor allem an Arbeitsschutzgesetzen. Allerdings gibt es auch in Deutschland teilweise große Arbeitsbelastungen. Besonders die Corona-Pandemie könnte die Situation hierzulande noch verschärfen. Studien zeigten bereits, dass psychische Krankheiten während Corona stark zugenommen haben*.

Während die Corona-Krise bei einigen Menschen dazu geführt hat, dass weniger oder gar nicht gearbeitet wurde, mussten andere Menschen noch viel mehr arbeiten. Wie das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung berichtet, fielen im vergangenen Jahr, trotz Corona und Kurzarbeit, 1,68 Milliarden Überstunden in Deutschland an. Laut DGB-Index, bei welchem Beschäftige deutschlandweit zu ihrer Arbeit befragt werden, gehen schon mehr als 48 Stunden Arbeit pro Woche mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einher.

Arbeitsbedingter Stress sei außerdem einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders Menschen in Kurzarbeit berichten davon, dass sie in verkürzter Zeit dieselbe Arbeitsleistung zu verrichten hatten. 48 Prozent der Befragten fühlten sich deshalb auf der Arbeit sehr gehetzt. Mehr als 35 Prozent berichteten außerdem, nach der Arbeit nicht abschalten zu können. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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