Auch Hamburg betroffen

Ausgedachte Tests abgerechnet: So betrügen die Corona-Testcenter

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Immer wieder bereichern sich Menschen finanziell an der Corona-Pandemie. Nun betrifft es sogar die Testzentren. Hamburg mit dabei. Worum geht es?

Hamburg – Langzeitfolgen für Erkrankte, finanzieller Ruin, soziale Entfremdung – die Coronavirus-Krise bringt abseits der hohen Mortalitätsrate viele Konsequenzen mit sich. Kaum vorstellbar, dass sich Menschen in solch einer Ausnahmesituation am Leid anderer ergötzen und sogar noch auf Pandemie-Profit aus sind. Nach ominösen Maskendeals und falschen Hilfsgelder-Beantragungen stehen nun die Corona-Testzentren am Pranger.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Vorwahl:040

Corona-Testzentren kassieren ab – und melden nie erfolgte Corona-Tests

Recherchen vom WDR, dem NDR sowie der „Süddeutschen Zeitung“ haben ergeben, dass einige Anbieter hunderte Test abrechnen ließen, die nie durchgeführt wurden. Es seien Kontrollmechanismen, die allerorts fehlen – auch in den Testzentren der Hansestadt Hamburg.

Geld verdienen durch Corona-Tests, die nie stattgefunden haben? Wie Recherchen verschiedener Medien ergeben haben, soll dies in Corona-Testzentren vorgekommen sein. (24hamburg.de-Montage)

Es liest sich perplex, schließlich wird Deutschland nicht zuletzt im europäischen Ausland mit seiner strengen und strikten Bürokratie verbunden. Diese hätte im Fall der erfundenen Corona-Tests helfen können. Deren Anbieter können bei der Kassenärztlichen Vereinigung bis zu 18 Euro für einen einzelnen Test abrechnen lassen. Eine Summe, die sich aus sechs Euro an Materialkosten sowie 12 Euro für die Testdurchführung ergibt.

Zahlen drastisch verändert – Corona-Testzentren scheffeln Kohle mit fiktiven Corona-Tests

Die genannten Medien wissen im Rahmen ihrer Recherchearbeit mit konkreten Betrugs-Beispielen zu arbeiten. Eines stellt das Corona-Testzentrum in Münster von Anbieter „MediCan“ dar. Stichprobenartig wurde kontrolliert, wie viele Menschen das Gebäude zum Testen an einem Tag aufsuchen. Die Zählung ergab rund 100 Personen.

Doch „MediCan“ sollte am Ende des Tages 422 durchgeführte Corona-Tests an das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen melden. In Kölner Testzentrum wurden über den Tag verteilt knapp 80 Menschen gezählt – gemeldet wurden jedoch mehr als zehnmal so viele Tests, nämlich 977 Stück. In anderen Bundesländern besteht nicht einmal die Pflicht zur Meldung. Nur am Monatsende erhalten die Kassenärztlichen Vereinigungen die konkreten Zahlen.

Hamburg: Gesundheitsbehörde erfragt Testungen in mehr als 330 Corona-Testzentren – Daten sind anonymisiert

Und in Hamburg? In der Hansestadt fragt die Gesundheitsbehörde die täglichen Testungen bei den über 330 Testzentren ab. Doch sind die oftmals privat betriebenen Teststationen nicht dazu verpflichtet, entsprechende Corona-Test-Zahlen aus Hamburg zu übermitteln. Es sei aber sowieso nicht exakt prüfbar, ob die gemeldeten Zahlen der Realität entsprechen.

Denn gemäß der Test-Verordnung vom Bundesgesundheitsministeriums sind die Daten anonymisiert. Der Nachweis, ob sich real existierende Personen ein Stäbchen in die Nase gesteckt haben, kann also nicht ohne Weiteres erbracht werden. Beim Aufbau der Testzentren wäre Schnelligkeit „dem Aufbau von Verwaltungsstrukturen, die der Kontrolle dienen“, vorausgegangen.

Kassenärztliche Vereinigung Hamburg weist Zuständigkeit für Abrechnung von Corona-Tests von sich

Das betont Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Die Kassenärztliche Vereinigung würde ohnehin die „Plausibilitätserklärung“ hinsichtlich der Abrechnungen für Corona-Tests übernehmen. Ein Corona-Testzentrum hat mittlerweile sogar der Tierpark Hagenbeck. Die Kassenärztlichen Vereinigung in Hamburg vertritt einen ganz eigenen Standpunkt.

„Wir haben keinen gesetzlichen Auftrag, die Richtigkeit der gemachten Angaben zu überprüfen“, wird Verantwortung hinsichtlich dieser Prüfungen von sich gewiesen. Ausschließlich formale Aspekte werden überprüft, heißt es gegenüber der „Hamburger Morgenpost“. Dementsprechend sind weder der Gesundheitsbehörde noch der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg Betrugsfälle in der Hansestadt bekannt. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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