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Dramatischer Appell: Kraftwerk Moorburg soll reaktiviert werden – „unverzüglich“

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Von: Kevin Goonewardena

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Angesichts der Energie-Krise soll das Hamburger Kohle-Kraftwerk Moorburg wieder ans Netz. Doch Hamburg erteilt dem Vorschlag eine Absage.

Hamburg – „Kohle wird eine entscheidende Rolle spielen“, ist sich Olaf Lies (SPD), niedersächsische Umwelt- und Energieminister, angesichts der drohenden Energieknappheit und des angedachten Verzichts in Deutschland auf russisches Gas sicher. Das sagte der Minister am Rande einer Konferenz mit Amtskollegen am Dienstag vergangener Woche. Der Chef des Energiekonzerns RWE rechnet gar mit jahrelang anhaltenden hohen Strom und Gaspreisen. Die temporär verstärkte Rückbesinnung auf Kohle als Energieträger könnte zu einer Renaissance des umstrittenen Hamburger Kraftwerks Moorburg führen.

Name:Kohlekraftwerk Moorburg (Abk.: KKW Moorburg, KW Moorburg)
Betreiber:Vattenfall
Energieträger:Steinkohle
Inbetriebnahme:28. Februar 2015
Stilllegung:7. Juli 2021

Kraftwerk Moorburg: Stilllegung durch Vattenfall nach gerade mal sechs Jahren Betrieb

Das Kraftwerk im Bezirk Harburg war erst im Jahre 2015 eröffnet worden und wurde bereits sechs Jahre später wieder stillgelegt. Bereits die Planungen des ab 2007 errichteten Kraftwerks waren von teils heftiger Kritik aus Teilen der Hamburgischen Bürgerschaft, Anwohnern und Umweltverbänden begleitet worden. Das Kraftwerk entwickelte sich für Vattenfall zu einem politischen und juristischen Desaster. Einer der Kritikpunkte war die kolportierte Emission jährlich von 8,5 Millionen Tonnen CO2. Aber auch Auswirkungen auf die angrenzende Flora und Fauna wurden befürchtet. Die ursprünglich geplanten Kosten von 1,7 Milliarden Euro hatten sich zur fertigstellung auf rund 3 Milliarden erhöht.

Aktuell befinden sich die Blöcke Moorburg A und Moorburg B im Rückbau, allerdings gibt es auch Ideen einer anderweitigen Nutzung zur Energiegewinnung. So berichtet unter anderem der NDR davon, dass das Kraftwerk ab 2026 als Wasserstoff-Anlage in Betrieb gehen könnte. Oder eben als Kohlekraftwerk zumindest vorübergehend reaktiviert werden könne.

Kohlekraftwerk Moorburg, Hamburg, Deutschland
Qualmt nicht mehr: Das Kohlekraftwerk Moorburg im Süden Hamburgs ist lediglich sechs Jahre in Betrieb gewesen. Nun wird eien Reaktivierung der stillgelegten Anlage gefordert, die sich bereits im Rückbau befindet. © Siegfried Kuttig / imageBROKER / Imago

Moorburg: Verband fordert Wiederinbetriebnahme von Kraftwerk

Am Sonntag veröffentlichten nun verschiedene Hamburger Verbände aus der Immobilienbranche eine gemeinsame Erklärung, in der sie zumindest ein Nachdenken über eine Wiederaufnahme der Kohlestrom-Produktion in Moorburg fordern. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. In dem Schreiben des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), des Grundeigentümer-Verbands Hamburg, des BFW Landesverband Nord und des Immobilienverbands Deutschland heißt es, dass in der aktuellen Situation keine Zeit sei für ideologische Debatte.

Und weiter: „Angesichts der dramatischen Situation infolge des sich abzeichnenden Mangels an Erdgas ist es unverzichtbar, darüber nachzudenken, eines der modernsten Kohlekraftwerke Deutschlands unverzüglich wieder in Betrieb zu nehmen, sollte das möglich sein.“ Aus der Sicht der Verbände könne das Kohlekraftwerk ein wichtiger Baustein in der Energieversorgung von Privathaushalten und Gewerbebetrieben in Hamburg sein.

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Kraftwerk Moorburg: Umweltsenator gegen Reaktivierung

Zwar hat das schwedische Unternehmen Vattenfall vor kurzem sogar den Rückbau des Kraftwerkes Moorburg aufgrund des Ukraine-Kriegs unterbrochen, doch die Umweltbehörde von Jens Kerstan (Grüne) hält an der Stilllegung Moorburgs fest. Das hatte Kerstan in der vergangenen Wochen Zusammenhang mit dem Appell an die Hamburger Bevölkerung, Gas zu sparen, noch einmal bekräftigt. Den Leitfaden dafür gibt der sogenannte Notfall-Plan Gas des Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) vor, der ebenfalls in der vergangenen Woche vorgestellt wurde.

Kraftwerk Moorburg: Auch Vattenfall gegen Inbetriebnahme

Auch der Betreiber Vattenfall selbst ist gegen eine Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks Moorburg, wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) am Montag berichtete. Eine Sprecherin des Konzerns erteilte gegenüber der DPA diesbezüglichen Forderungen eine Absage. „Als Kohlekraftwerk darf es nach den geltenden Regularien nicht mehr betrieben werden und es wäre technisch und wirtschaftlich auch nicht vernünftig darstellbar“, sagte die Sprecherin. Vattenfall bereite weiter den Rückbau des Kraftwerks im Hamburger Hafen vor und gehe davon aus, noch in diesem Jahr die Rückbauleistungen zu beauftragen, heißt es weiter.

Die 90 Beschäftigten im Kraftwerk hätten bereits damit begonnen, die Systeme zu entleeren. „Technisch wird die Anlage in einen für Mensch und Umwelt gefahrlosen Zustand gebracht.“ Zudem seien bereits Ersatz- und Reserveteile des Kraftwerks sowie Großkomponenten von Turbine, Generator, Transformatoren und Messeinrichtungen verkauft worden. Vattenfall sei darauf eingestellt, den Standort für einen Wasserstoff-Elektrolyseur und ein temporäres LNG-Terminal zu übertragen. (mit Material der dpa)

TRANSPARENZHINWEIS: Der Artikel wurde nach Veröffentlichung um neue Informationen ergänzt.

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