Ziel von E-Scootern verfehlt

Elektroroller in Hamburg: Sind strengere Regeln und Parkflächen nötig?

Elektroroller oder auch E-Scooter waren bei ihrer Einführung vor zwei Jahren ein großes Streitthema. Bilanz: Sie haben ihr Ziel verfehlt und sorgen für Ärger.

Hamburg – Seit zwei Jahren gibt es E-Scooter in Hamburg, die immer wieder ein Thema zur Debatte sind. Bei der Einführung der Elektroroller gab es bereits Diskussionen um Platz, Verkehrssicherheit, Kosten und Umwelt – das hat sich nicht geändert. Tatsächlich ziehen Politiker und Bürger ein eher negatives Fazit: Die Roller sind viel im Weg, behindern andere Verkehrsteilnehmer* und sie ersetzen nicht wie erhofft den Autoverkehr. Nun wird über mögliche Verbesserungen gesprochen. Es ist zum Beispiel von ausgewiesenen Parkflächen die Rede.

Auch in Kopenhagen hat man nach zu vielen Unfällen und Beschwerden schon zu härtere Mitteln in Sachen Elektroroller* gegriffen. In Hamburg kam es erst kürzlich wieder zu einem Unfall. Ein E-Scooterfahrer prallte mit einem Smart zusammen und wurde lebensgefährlich verletzt.

Hamburg Fläche:755,2 km²
Hamburg Einwohner:1.900.000
Gegründet:500 n. Chr.
Anzahl E-Scooter in Hamburg9000

Elektroroller als Hindernis – Autoverkehr bleibt gleich, dazu kommen herumliegende Roller

Ganze 9000 E-Scooter sind aktuell in der Stadt Hamburg im Umlauf. Mit den Firmen Bird, Lime, Bolt, VOI, Tier und Dialog-Scooter gibt es sechs verschiedene Anbieter, die in der Hansestadt Elektroroller vermieten, die ursprünglich einmal zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermuntern sollten.

Nun ist aber der Trend, dass die Roller nicht etwa den Autoverkehr einschränken, sondern eher die öffentlichen Verkehrsmittel. Dirk Lau, der Verbandssprecher des Fahrradclub ADFC, erklärt laut dem „Hamburger Abendblatt“: „Bislang helfen sie nicht, den privaten Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren, sondern werden für Strecken genutzt, die sonst zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus zurückgelegt worden wären.“ Auch die Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer ist ein großes Thema, wenn es um E-Scooter geht.

Elektroroller sind ein großes Ärgernis für viele Bürger. Ausgewiesene Parkflächen könnten das ändern. (24hamburg.de-Montage)

Heike Sudmann, Bürgerschaftsbeauftragte der Linken, kritisiert: „Ich sehe noch keinen Nachweis, dass E-Roller zur Verkehrswende beitragen. Bewiesen ist, dass rumstehende und -liegende E-Roller ein großes Ärgernis sind. Nicht bewiesen ist, dass sie nennenswert Autofahrten ersetzen. Mehr als eine Akten­tasche lässt sich mit den Dingern ja auch nicht transportieren.“ Stattdessen sind die Roller ein Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer, Fußgänger und vor allem für Behinderte.

Hamburg sucht nach Lösungen für E-Scooter-Streit – Parkflächen, Aufklärung oder Polizei?

Nun sucht die Politik nach Lösungen, die von allen Seiten laut gefordert werden. Heike Sudmann fordert verpflichtende Abstellflächen für E-Roller. Auch Dirk Lau schlägt ähnliche Modelle vor: „Das Parken auf Gehwegen sollte verboten, das Abstellen der Scooter stadtweit nur noch auf ausgewiesenen Flächen auf der Fahrbahn oder auf umgewidmeten Kfz-Parkplätzen erlaubt werden.“

Außerdem fordert er eine konsequentere Aufklärung von Elektrorollerfahrern über rücksichtsvolles und verkehrsgerechtes Verhalten auf den Straßen sowie Kontrollen und Ahndungen durch die Polizei. Die Kostenverantwortung für E-Scooter-Parkplätze sehen sowohl Sudmann als auch Lau bei den Anbietern. Die Polizei Hamburg hat bisher folgende Regeln für sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge aufgestellt:

  • Die Geräte müssen Bremsen, Beleuchtungsanlage und Reflektoren, Schallzeichen, Lenk- oder Haltestange besitzen.
  • Sie dürfen nur zwischen 6 und 20 km/h fahren.
  • Das Mindestalter für die Nutzung ist 14 Jahre.
  • Ein Führerschein ist nicht erforderlich, aber eine Betriebserlaubnis ist Pflicht.
  • E-Scooter und Elektroroller sind versicherungspflichtig. Das muss durch eine Versicherungsplakette gekennzeichnet sein.
  • Es besteht keine Helmpflicht, aber das Tragen eines Helms wird empfohlen.
  • Elektrorollerfahrer müssen die Radwege benutzen. Nur wenn keine vorhanden sind, darf auf die Fahrbahn ausgewichen werden.
  • Gehwege und Fußgängerzonen dürfen nicht verwendet werden, auch nicht mit ausgeschaltetem Motor.
  • Wer einen Elektroroller fährt, darf weder Fußgänger noch Fahrradfahrer behindern oder gefährden.
  • Fahren über Rot, das Nutzen von Handys beim Fahren und das Fahren unter Alkoholeinfluss sind wie bei Autofahrern rechtswidrig. Es gelten die Promillegrenzen wie beim normalen PKW oder Roller.

Dennis Krämer, Sprecher der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende merkt allerdings an, dass E-Roller rechtlich wie Fahrräder angesehen werden und deswegen für Sonderparkplätze mit Nutzungsgebühren die rechtliche Grundlage fehlt. Dennoch weiß auch die Behörde, dass die E-Scooter noch keinen Beitrag zu Mobilitätswende liefern und will handeln.

Krämer erklärt laut dem „Hamburger Abendblatt“: „Hamburg setzt sich auf Bundesebene dafür ein, das Auf- und Abstellen der E-Scooter stärker zu reglementieren. Hamburg prüft fortlaufend die Einrichtung neuer Abstellflächen für E-Scooter, wie sie bereits im Stadtteil Sternschanze oder an verschiedenen Standorten im Bezirk Mitte umgesetzt worden sind.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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