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Elbvertiefung im Hamburger Hafen sorgt für Zoff: Umweltschützer wollen jetzt klagen

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Von: Kevin Goonewardena

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Umweltverbände fordern die Einstellung der Baggerarbeiten in der Elbe. Andernfalls drohen sie mit Klage. Die Hintergründe des Ärgers.

Hamburg – Rund zwei Jahrzehnte hatten Planungen, verschiedene Gerichtsprozesse und anschließend der Aushub gedauert: S eit Frühjahr 2022 ist die umstrittene Elbvertiefung offiziell abgeschlossen. Doch gebaggert wird in der Fahrrinne zwischen Elbmündung und dem Hamburger Hafen noch immer. Das Bündnis Lebendige Tideelbe fordert nun den sofortigen Stopp aller Arbeiten – und droht andernfalls mit Klage.

Vorherige Äußerungen des Bundesverkehrsministeriums und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (GDWS), wonach höhere Tiefgänge nach der jetzigen Elbvertiefung zeitweise zurückgenommen werden müssen – die neu geschaffenen Kapazitäten also nicht vollumfänglich zu jeder Zeit genutzt werden können – nimmt die Initiative als Eingeständnis, dass die Elbvertiefung gescheitert ist.

Name:Elbe
Länge:1.094 km
Quelle:Riesenbgebirge (Tschechien)
Mündung:Nordsee (Cuxhaven)
Schiffbar:730 km (ab Pardubice, Tschechien bis zur Mündung)
Schiffbar für Seeschiffe:110 km (bis Hamburg)

Elbvertiefung: Baggern für die XXL-Pötte im Hamburger Hafen –

Die sogenannte neunte Elbvertiefung sollte es künftig Containerschiffen mit einem tidenunabhängigen Tiefgang von 13,5 Metern möglich machen, den Hamburger Hafen problemlos anzulaufen. Schiffen, wie etwa der Ever Ace, dem größten (nach möglicher Menge Container, die aufgenommen werden können) Containerschiff der Welt, mit einer Länge von 400, und einer Breite von 61 Metern. 23.000 Standardcontainer kann das Schiff der taiwanesischen Reederei Evergreen Marine transportieren – voll beladen kann es Hamburg allerdings bisher nicht anlaufen.

An der Elbvertiefung beteiligte Schiffe TSHD Shoalway und Taccola auf der Hamburger Elbe
Die Elbvertiefung ist eigentlich abgeschlossen, doch wegen massiver Schlickprobleme infolge der Arbeiten, muss jetzt nachgebessert werden. Wenn die Spezialschiffe, wie hier im Jahr 2021 im Einsatz sind, hat das auch gravierende Folgen auf die Schiffahrt. Hier im Hintergrund die CMA CGM Champs-Elysses. (Archivbild) © Chris Emil Janssen / Imago

Zwar haben vor Jahren schon Experten das Erreichen des Gipfels bei einer Kapazität der Schiffe von 20.000 TEU-Containern prognostiziert – bisher jedoch ist von einer Abflaute nichts mehr zu spüren. Um den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren, wird in der Hansestadt Hamburg die Fahrrinne also immer weiter und weiter vertieft – mit gravierenden Folgen für die Umwelt. Zum Vergleich: Europas größter Hafen Rotterdam hat einen Tiefgang von 26 Metern, der zweitgrößte europäische Hafen, Antwerpen in Belgien, kann derzeit von Schiffen mit einem maximalen Tiefgang von 15,5 Metern angelaufen werden.

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Elbvertiefung: Behörden können dauerhaften vergrößerten Tiefgang nicht gewährleisten

Nun aber haben die Behörden einräumen müssen, dass der ursprünglich vorgesehene bis zu 1,9 Meter (je nach Schiffsklasse) größere Tiefgang gar nicht vollumfänglich und dauerhaft zur Verfügung steht. Das berichten unter anderem das Hamburger Abendblatt und der Norddeutsche Rundfunk. Der Bund spricht jetzt aber nur noch von einer maximalen, um 0,90 Meter erweiterten Tiefe. Grund hierfür sind die Schlickprobleme – entstandenen durch die jüngste Vertiefung der Elbe. Und diese sind gravierender als zunächst gedacht.

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Das mussten auch die Hamburger Behörden jetzt einräumen. Deswegen müssen jetzt erneut Bagger anrücken. Die nötgen Arbeiten sollen zudem intensiviert werden. Für den Zeitraum von bis zu zwei Jahren wären dann lediglich 20 bis 90 Zentimeter größere Tiefgänge erlaubt, heißt es. Gegen die erneuten Baggerarbeiten will das Bündnis Lebendige Tideelbe nun gerichtlich vorgehen.

Elbvertiefung: Kosten, Fischsterben, Folgen für Wirtschaft und Anwohner – was Umweltschützer kritisieren

In einem am Sonntag, 9. Oktober 2022, verbreiteten Statement warnen die Umweltverbände, die sich in dem Bündnis zusammen geschlossen haben, vor einem weiteren Sterben der Fische in der Elbe. Die Kritik an der Elbvertiefung umfasst dabei keinesfalls nur Aspekte des Natur- und Umweltschutzes. Auch die Zunahme des Schiffsverkehrs als Folge der bisherigen Erweiterungen für die Anwohner und die Kosten der Vertiefung und jene für den Erhalt des Status Quo (das sogenannte „Nachbaggern“) für die Steuerzahler werden von den Kritikern der Maßnahme angeführt.

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Wirtschaftliche Folgen bringt die Argumentation ebenfalls vor. Etwa die, die eine Vertiefung beziehungsweise weitere Baggerarbeiten für den Fischfang sowohl auf der Elbe, als auch im Mündungsgebiet hätten. Umwelt- und Naturschutz-Aspekte betreffen die Zerstörung des Lebensraums für Pflanzen und Tiere direkt, aber auch die Verknappung des Schlicks in der Nordsee, etwa vor Helgoland. Auch die steigende Sauerstoffarmut im Elbstrom macht den Naturschützern seit Jahren Sorgen – bereits in der Vergangenheit warnten sie vor einem Massensterben bei Fischen.

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