Städtebauliches Monster für 700 Millionen Euro

Elbtower in Hamburg: Experten befinden Projekt als ökologische Katastrophe

  • Fabian Raddatz
    VonFabian Raddatz
    schließen

Es ist DAS Mega-Projekt der kommenden Jahre. An Hamburgs Hafen soll der Elbtower entstehen. Das 245-Meter-Monster steht aber im Kreuzfeuer der Kritik.

Hamburg – Robert de Niro will unbedingt rein. Die Hotelgruppe des Hollywood-Starts zählt neben der Hamburg Commercial Bank zu den ersten Mietern des neuen Giganten an der Elbe. 245 Meter hoch soll er werden, 700 Millionen Euro kosten – und in vier Jahren stehen: der Elbtower in der Hafencity, Hamburgs neuer Vorzeige-Büro- und Hotelturm an der Elbe.

Hamburger Stadtteil:Hafencity
Fläche:240 ha
Einwohner:4925 (31. Dez. 2019)
Markante Bauten:Elbphilharmonie, Speicherstadt

Doch der Prachtbau in bester Lage, an den Elbbrücken und in Blickweite der Elbphilharmonie, ruft auch viele Kritiker auf den Plan. Dieter Läpple (80), Professor in Ruhestand, hält sich nicht zurück. Im NDR bezeichnet er den Elbtower als „ökologische Katastrophe“. Der Megabau bräuchte zu viel CO2 aufgrund der Massen an Beton. Niedrigere Bürogebäude seien da effektiver.

Kritiker: Elbtower in der Hafencity treibt die Mieten hoch

Journalist Dirk Meyhöfer wird noch direkter. Alle Befürworter würden den Größenwahn einfach abnicken – wie in der Muppetshow. Frei nach dem Motto: Endlich zeigt Hamburg Frankfurt, wie groß es ist. Der 64-stöckige Wolkenkratzer sei ein „städtebauliches Monster“, das den Stadtteilen drumherum schade.

Ein Kritikpunkt, der bereits bei einer Sitzung der Stadtentwicklung aufkam: Mit seiner schieren Größe würde der Elbtower zu viel Schatten für die Anwohner in Rothenburgsort bringen – und die Mieten in den angrenzenden Gebieten hochtreiben. Überhaupt: Der Mega-Turm erschlage schlicht die Silhouette der Stadt Hamburg.

Hamburgs Elbtower: Der „höchste Puff Deutschlands“?

CDU-Bezirksabgeordnete Gunter Böttcher befürchtete damals sogar, dass der Elbtower der „höchste Puff Deutschlands“ werden könnte. Denn Bordelle seien im Bauplan grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Das hat die Verwaltung aber mittlerweile geändert – und der Möglichkeit mittlerweile einen Riegel vorgeschoben.

So soll er mal aussehen: Der Elbtower in Hamburgs Hafencity. Mit seinen 245 Meter wäre es das dritthöchste Gebäude Deutschlands

Einer der Bau-Befürworter, Chef der städtischen Hafencity GmbH Jürgen Bruns-Berentelg, stellt sich gegen die Kritiker: Der Elbtower am Hamburger Hafen sei noch in vielen Jahren ein Vorbild für saubere Energie. Er schaffe ein Gelenk zwischen Hafencity und Grasbrook. Und: Im benachbarten Hammerbrook würde der Turm keinesfalls die Mieten hochtreiben.

Elbtower soll die Hafencity abschließen

Auch Torben Vogelgesang, Hamburg-Chef des Bauherren Signa Real Estate, verteidigt das Projekt: Hamburg hätte derzeit nicht Büros in über 65 Metern Höhe zu bieten. Die Nachfrage sei deshalb sehr hoch. Und das Sockelgeschoss im Elbtower sollen später alle nutzen können, versprach er.

Der Büro- und Hotelturm soll den Abschluss der Hamburger Hafencity bilden – und neben Elbphilharmonie und Speicherstadt ein weiteres bauliches Highlight am Hamburger Hafen bieten. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Signa Chipperfield Architects/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare