Von wegen Bernstein

Hamburg: Angler entdeckt Höllen-Stein an Elbe – dann beginnt das Bangen um seinen brennenden Finger

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
    schließen

Ein Angler entdeckt an der Hamburger Elbe einen vermeintlich wertvollen Bernstein. Doch der Fund stellt sich als brandgefährlich heraus.

  • Angler findet vermeintlichen Bernstein in der Elbe*.
  • Hamburg*: Der Stein enthält Phosphor.
  • Das chemische Element entzündet sich selbst und wird 1.300 Grad heiß.

Hamburg – Was für ein Horror-Fund an der Elbe. Ein Mann wollte am Freitag, 4. September 2020, mit einem entspannten Angelausflug ins Wochenende starten. Doch stattdessen musste er später um seinen Finger bangen: Er hatte hochentzündliches Phosphor berührt. Was war passiert?

Chemisches Element:Phosphor
Symbol: P
Atommasse:30,973762 u
Ordnungszahl: 15
Elektronen pro Schale: 2, 8, 5
Elektronegativität: 2,19

Am Ufer der Süderelbe in Hamburg hatte er einen äußerlich schönen Stein, der optisch einem Bernstein ähnelte, entdeckt. Doch wenig später entzündete sich der besondere Brocken, den der Angler für ein seltenes Schmuckstück hielt, in seiner Hand. Die dramatische Folge: Übelste Verbrennungen am Finger und ein komplett verkokelter Pullover.

Hamburg: Angler an der Elbe warnt andere auf Facebook vor gefährlichen Phosphor-Steinen

Diesen Schock wollte der Angel-Fan dann wohl erst mal auf Facebook verarbeiten, indem er seine „Kollegen“ warnte: „****ACHTUNG ACHTUNG *****“, steigt er in seinen Post auf der Facebook-Seite Raubfischangler ein. „An alle norddeutschen Kollegen aus dem Raum Hamburg, bitte achtet darauf, an der Elbe KEINE Steine mitzunehmen! Heute gab es wieder einen schlimmen Unfall, denn zwischen den Steinen befinden sich immer wieder Stücke von Phosphor!!“

Mit diesen schweren Verbrennungen am Finger hatte der Angler an der Elbe nicht gerechnet als er den Fake-Bernstein mitnahm. (24hamburg.de-Montage)

Weiter weist der aufgebrachte Angler nun darauf hin, dass Phosphor Bernstein zum Verwechseln ähnlich sehe und sich sehr leicht entflamme. Seine Bitte, den Beitrag zu teilen, um Freunde und Familie vor den fürchterlichen Schmerzen und Verbrennungen zu schützen, verleiht er mit den angehängten Fotos immensen Nachdruck.

Hamburg: Angler verbrennt sich Finger an vermeintlichem Bernstein – Fotos schockieren

Die Bilder zeigen den Stein und die schweren Verbrennungen, die der Mann an der Hand erlitten hat. Der Finger wirkt vergilbt und angeschwollen – ähnlich wie bei einer Brandblase. Zudem zeigt der Mann, auf welcher Höhe des Elbufers er den Horror-Fund gemacht hat: Der Stein muss zwischen der Brücke des 17. Juni und dem Wassersport-Verein Süderelbe von 1921 e.V. gelegen haben. Des Weiteren zeigt die Bildstrecke ein komplett verkokeltes Sweatshirt am Elbufer liegend. Von dem Pullover steigt sogar weißer Rauch hoch. Doch was hat es mit dem Höllen-Stein auf sich?

Verbrennungen durch Phosphor zerstören das Gewebe viel stärker als herkömmliche Brandwunden, da Phosphor sich tief in die Haut einbrennt und durch das Fettgewebe bis in die Muskulatur durchdringt. Als Sofortmaßnahme wird Betroffenen geraten, sofort einen Notarzt zu rufen. Etwaige Kleidung solle man in kaltem Wasser ausziehen. Wunden müssen in der Regel sogar durch Hauttranaplantationen geschlossen werden.

Phosphor-Vergiftung bei Kleinkindern: Das sind die Symptome

Weißer Phosphor kann nicht nur zu Verbrennungen der Haut durch Berührungen führen, sondern auch zu schwerwiegenden Vergiftungen. Verschluckt etwa ein Kleinkind einen phosphorhaltigen Stein, kann es zu Störungen in Magen und Darm, Leberschäden, Stoffwechselstörungen oder Schäden an Herz und Niere kommen. Demnach ist bei im Sand spielenden Kindern besondere Vorsicht geboten! 24hamburg.de berichtet auch über das rätselhafte Fischsterben in der Elbe.

Horror-Stein Phosphor: Löschen mit Wasser unmöglich – Sand oder Feuerlöscher notwendig

Verbrennungen durch Phosphor sind leider keine Seltenheit. Immer wieder glauben Menschen, einen Bernstein zu entdecken, haben es in Wirklichkeit allerdings mit Phosphor zu tun. Ist der Felsbrocken dann erst mal in der Jackentasche gelandet, kann er sich leicht entzünden. Die Feuerwehr rät daher dazu, Steine nur in feuerfesten Gefäßen aufzubewahren. Denn: Wenn Phosphor trocknet, verbindet er sich mit Sauerstoff und entzündet sich bei einer Außentemperatur zwischen 20 und 40 Grad Celsius. Die Phosphorflamme selbst kann allerdings bis zu 1300 Grad heiß werden. Löschen lässt sie sich nur mit Sand oder speziellen Feuerlöschern. Wasser kann in diesem Fall keine Abhilfe mehr schaffen! Hoppla! Dieses Tier hatte sich neulich in die Ostsee verirrt, wie 24hamburg.de berichtet.

Doch wieso tauchen in der Elbe immer wieder Spuren der gefährlichen Chemikalie Phosphor auf? Wie „NDR“ wissen will, stamme das weiße Gestein noch aus Brandbomben des Zweiten Weltkrieges, die über der Ostsee abgefeuert wurden. Einzelne Überreste werden bis heute an die Strände gespült. Experten schätzen im Norddeutschen Rundfunk (NDR) *, dass bis zu 1,3 Millionen Tonnen phosphorhaltige Munition auf dem Grund der Nordsee und 300.000 weitere Tonnen in der Ostsee liegen. Mittlerweile seien viele Stahlmäntel der Geschosse auf dem Meeresgrund durchgerostet. Die Überreste werden an die Küsten gespült. Noch müssen Besucher der Elbe also immer wieder mit den brandgefährlichen Fake-Bernsteinen rechnen. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa, Raubfischangler/Facebook

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare