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„Eindeutiges Votum“: „Oben ohne“ für alle in Eimsbüttels Schwimmbädern

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Von: Christian Einfeldt

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Hamburg erlaubt das oberkörperfreie Baden – auch für Frauen und nicht-binäre Menschen. Grundlage ist ein „eindeutiges Votum“ der Eimsbütteler Bezirksversammlung.

Hamburg – Göttingen hatte es als erste Stadt Deutschlands vorgemacht: Auch Frauen dürfen dort seit dem 1. Mai 2022 „oben ohne“ baden. Den Anstoß dieser Debatte brachte Medienberichten zufolge folgender Vorfall: Ein Mensch, der sich im Schwimmbad der niedersächsischen Stadt weder als Mann, noch als Frau identifiziert, wurde des Platzes verwiesen. Die Person tat genau das, was in Hamburger Bädern jetzt ungestraft bleiben könnte: Sie badete „oben ohne“.

Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, macht es zumindest Eimsbüttel bald möglich. Auf den Antrag der Hamburger SPD, „oben ohne“ in Freibäder erlauben zu dürfen, folgt nun ein „eindeutiges Votum“.

Hamburger Stadtteil:Eimsbüttel
Fläche:3,2 km²
Bevölkerungsdichte:17.870 Einwohner/km²
Bezirk:Eimsbüttel

Hamburger Bezirksversammlung: SPD setzt oberkörperfreies Schwimmen in Eimsbüttel durch

Frauen und nicht-binäre Menschen dürfen jetzt das, was Männer schon immer durften: In Hamburgs Schwimmbädern „oben ohne“ baden. In der Vergangenheit flammte die Debatte immer wieder auf – national wie international. Im vergangenen Jahr schlug etwa in Frankreich ein Diskurs hohe Wellen. Wenig später setzte sich auch Hamburg mit dem Tragen von Burkini, Bikini und „oben ohne“ in Schwimmbädern auseinander. Gegenüber der Hamburger Morgenpost sprach sich ein Sprecher der Bäderland GmbH, Betreiber von mehreren Hamburger Schwimmbädern, im November 2022 gegen eine Anpassung der Badeordnung aus. Nicht allen Menschen wurde es gestattet „oben ohne“ schwimmen zu dürfen.

Eine Frau schwimmt.
Hamburg erlaubt das oberkörperfreie Baden – auch für Frauen und nicht-binäre Menschen. (Symbolbild) © Axel Heimken/dpa

Dass sich das bald ändern könnte, sieht Michael Dietel noch heute kritisch. Gegenüber der „Mopo“ sagt der Bäderland-Pressesprecher: „Kinder werden dann mit Nacktheit konfrontiert, obwohl sie in dem Alter noch gar nicht wissen, wie sie das einordnen sollen“. Zudem würde man mit Durchführung des Beschlusses Frauen einer „größeren Angriffsfläche“ aussetzen, sagt Dietel.

SPD-Politikerin Paulina Reineke-Rügge hingegen appelliert: Keine Badeordnung – oder eben das oberkörperfreie Schwimmen –, könne schuldig gemacht werden, sollte es in Schwimmbädern zu Übergriffen kommen. Laut des Hamburger Abendblattes war das Votum in der Eimsbütteler Bezirksversammlung trotz aller Kritik „eindeutig“: Hamburg kann also „oben ohne“ in Eimsbüttel für alle möglich machen – ein Zeichen der Gleichberechtigung, das polarisiert.

„Oben-Ohne“ in Hamburg: „Nun geht es darum, endlich Klarheit zu schaffen“

Schon seit längerem beschäftigt sich die Politik mit der Fragestellung, ob jedem Menschen gestattet werden soll, potenziell „oben ohne“ schwimmen zu können. Göttingen, Berlin oder Siegen haben die Frage schon mit „ja“ beantwortet. Hamburg-Eimsbüttel kann sich dem jetzt also anschließen.

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Medial war es besonders Reineke-Rügge, die sich rund um jene Belange eingesetzt hatte. Die Bezirksversammlung des Hamburger Stadtteils Eimsbüttel unterstützte am Mittwoch, 20. Juli 2022, das Vorhaben der Politikerin. Zumindest auf politischer Grundlage steht dem oberkörperfreien Baden also nichts mehr im Wege. „Wir freuen uns über das eindeutige Votum der Eimsbütteler Politik. Nun geht es darum, die Badeordnung anzupassen und endlich Klarheit zu schaffen“, sagt die SPD-Politikerin.

Frauen und nicht-binäre Menschen „oben ohne“ ins Schwimmbad: Diese Hürde gibt es noch

Auch wenn Hamburgs Politik entschieden hat – „das Hausrecht liegt bei den Bädern“, so Reinecke-Rügge. Konkret bedeutet das, dass Schwimmbädern „nur“ eine Empfehlung ausgesprochen wird: Der Beschluss der Bezirksversammlung erlaubt zwar „oben ohne“ für alle Menschen, Schwimmbäder können eine Umsetzung dennoch untersagen. „Wir wünschen uns natürlich, dass dem gesellschaftlichen Wunsch entsprochen wird“, sagt Paulina Reineke-Rügge. Einen Starttermin fürs „Oben ohne“-Schwimmen in Eimsbüttels Schwimmbädern gibt es übrigens nicht.

Wer denn möchte, könne direkt „oben ohne“ baden – eben sofern die Schwimmbäder einwilligen.

Bäderland: „Niemand wird des Bades verwiesen, weil er oben ohne schwimmt“

Der städtische Schwimmbad-Betreiber Bäderland steht hinter zwei Schwimmeinrichtungen im Bezirk – den Bädern Bondenwald und Kaifu. Wird das oberkörperfreie Schwimmen jetzt auch dort, nachdem das Veto der Bezirksvertretung eindeutig war, möglich sein? Bäderland-Sprecher Michael Dietel sagte diesbezüglich dem Abendblatt „Oben ohne zu schwimmen war auch bislang nicht ausdrücklich verboten. Im Prinzip ist es bei uns jedem freigestellt, so zu schwimmen, wie er oder sie es möchte.“

Niemand wird des Bades verwiesen, weil er oben ohne schwimmt

Bäderland-Sprecher Michael Dietel gegenüber dem Hamburger Abendblatt

An oberster Stelle stehe allerdings die Sicherheit der Badegäste. Es sei zwar völlig in Ordnung, wenn eine Frau „oben ohne“ schwimmen gehe, „ab dem Moment jedoch, in dem Diskussionen entstehen, wird es kritisch. Denn dann wird die Aufsichtskraft gebunden, die dann nicht mehr die Sicherheit der Badegäste im Blick haben kann.“ Man werde, sollte es Beschwerden geben, versuchen, eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten leben könnten.

Die bisher gültige Badeordnung in der von „üblicher Badebekleidung“ die Rede ist, soll allerdings nicht hinsichtlich einer Formulierung, die mehr Spielraum lässt, geändert werden. Dietel begründet das damit, dass das Verständnis von dem, was üblich ist ein „dynamischer Prozess“ sei und zukünftig etwas anderes als aktuell oder in der Vergangenheit gemeint werden sein könnte.

Transparenzhinweis: Der Text wurde am Montag, 25. Juli 2022 um neue Informationen ergänzt.

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