Gender-Debatte im Straßenverkehr

Eimsbüttel im Gender-Wahn? Jetzt sollen Frauen auf die Straßenschilder

  • Christian Einfeldt
    vonChristian Einfeldt
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In Hamburg fordern SPD, FDP und Linke eine optische Änderung der Hamburger Straßenverkehrsordnung: Gibt es in Eimsbüttel bald genderneutrale Verkehrsschilder?

Hamburg – Seit eh und je sind auf Verkehrsschildern nicht nur in Hamburg ausschließlich männliche Figuren abgebildet. Wird ausgerechnet Eimsbüttel der erste Ort Deutschlands sein, wo auch „weibliche Straßenschilder“ auf die Gefahren des Stadtverkehrs hinweisen? Geht es nach der SPD, FDP und Linken könnte dies im beschaulichen Eimsbüttel bald schon zum Alltag gehören. So forderten die Fraktionen am vergangenen Donnerstag, dem 27. Mai, in einer Bezirksversammlung eine Änderung der Straßenschilder. Erhält das Gendern nun tatsächlich Einzug in die Hamburger Straßenverkehrsordnung?

Stadt:Hamburg
Bezirk:Eimsbüttel
Fläche:3,2 km²
Einwohner:58.004 (Stand: 2019)

Vorbild ist Genf: Eimsbüttel fordert gendergerechte Verkehrsschilder

Die Gender-Debatte wird aktuell sehr kontrovers geführt. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Deutschen die gendergerechte Sprache ablehnt*. Doch wie auch Katharina Fegebank, die die Gendersprache in Hamburgs Behörden fordert*, möchte sich auch der Stadtteil Eimsbüttel für die Gleichberechtigung aller Geschlechter einsetzen.

Den Stein ins Rollen für diese Überlegung brachte die Stadt Genf. 2020 hatte sie eine Initiative ins Leben gerufen, die die aktuelle Gender-Debatte auch im Straßenverkehr darstellen sollte. Nicht nur männliche Figuren sollten auf den Verkehrsschilder zu sehen sein.

Vielmehr wurde eine gleichberechtigte Symbolisierung aller Geschlechter gefordert. Seitdem sorgen in Genf auch weibliche Figuren sowie gleichgeschlechtliche Paare und ältere Menschen für Sicherheit im Straßenverkehr.

Hamburger Bezirksversammlung: „Kleiner Schritt für einen gesellschaftlichen Wandel“

Wie die Grünen, die kürzlich eine Gender-Polizei forderten*, möchte nun auch Eimsbüttel die Gleichberechtigung vorantreiben. Für die Fraktionen der Bezirksversammlung gebe es „keinen Grund, weshalb nicht auch Frauen auf Verkehrszeichen abgebildet werden können“. Das große Vorhaben ist für die Partien klar: „Ziel des Projekts ist es, die Sichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum zu erhöhen.“ Schließlich gebe es in Deutschland viele „neutrale Abbildungen, die jedoch als männlich erkennbar sind“.

Eine Änderung der Straßenverkehrsschilder würde ihren Beitrag zur Gender-Debatte leisten und so „einen kleinen Schritt für einen gesellschaftlichen Wandel“ vollbringen, heißt es im entsprechenden Antrag der Parteien. Ob eine Einführung gendergerechter Verkehrszeichen ähnlich große Kritik hervorruft, wie die rosa Ü-Eier von Ferrero*, bleibt abzuwarten.

In Genf sind sie bereits eingeführt – gibt es bald auch in Hamburg-Eimsbüttel gendersensible Verkehrsschilder?

Gendersensible Schilder in Eimsbüttel: Hamburger Bezirk aktiviert die Innenbehörde

Doch bevor es überhaupt zur Realisierung kommen kann, gibt es noch ein großes Hindernis: Eine Bezirksversammlung kann nicht ohne Weiteres die Verkehrsschilder von heute auf morgen ändern. Aktuell ist es also noch fraglich, ob die Stadt Hamburg das Projekt als Beitrag zur Gleichberechtigung aller Geschlechter überhaupt durchwinken wird.

Gegenwind aus der Politik könnte es jedenfalls genug geben. Erst kürzlich kam die Meldung auf, dass der Hamburger CDU-Chef Gendern per Gesetz verbieten lassen möchte. Die Bezirksversammlung gelang es jedoch bereits, die Hamburger Innenbehörde zu aktivieren.

Die soll nun den Senat überzeugen, um im Zuge einer bundesweiten Initiative eine Änderung der Straßenverkehrsordnung in die Wege leiten zu können. Bis auch Frauen in Eimsbüttel von den Straßenschildern grüßen könnten, ist es also noch ein weiter Weg. *24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Martial Trezzini/dpa/KEYSTONE

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