Rassismus-Vorwürfe

Edeka: Hamburgerin (16) wird wegen Kopftuch aus Supermarkt geschmissen – Shitstorm folgt

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Eine 16-jährige Hamburgerin möchte sich in einer Edeka-Filiale um einen Nebenjob bewerben. Da sie ein Kopftuch trägt, sträubt sich der Supermarkt-Leiter ihr die Stelle zu geben. Nun muss er für diese diskriminierende Aktion rechtliche Konsequenzen fürchten.

  • Hamburg-Langenhorn: Schülerin wird Aushilfsjob wegen ihres Kopftuchs verweigert.
  • Dafür rechnete die 16-Jährige auf Instagram mit der Supermarkt-Kette ab.
  • Jetzt erhält sie für den Vorfall eine Entschädigung, der Filialleiter muss Konsequenzen tragen.

Hamburg-Langenhorn – Die 16-jährige Schülerin Miriam bewarb sich im Juni in einer Edeka-Filiale im Hamburger Stadtteil Langenhorn gemeinsam mit ihren zwei Freundinnen auf einen Aushilfsjob. Dabei wurde sie beim Vorstellungsgespräch von dem zuständigen Filialleiter wegen ihres Kopftuchs diskriminiert.

UnternehmenEdeka
ZentraleHamburg
Kundenservice0800 3335211
Umsatz59,2 Milliarden USD (2017)
CEOMarkus Mosa (1. Mai 2008–)
Gründung1898, Berlin
TochterunternehmenScheck-In

Edeka: Hamburgerin wird Opfer von Diskriminierung wegen ihres Kopftuchs - Filialleiter verweigert ihr Job

„Dann hat er mit dem Finger auf mich gezeigt und gesagt: Entweder du setzt dein Kopftuch ab oder du kannst hier nicht arbeiten“, erzählt Miriam von dem Gespräch in einem Video auf ihrem Instagram-Kanal. Dabei hätte der Edeka-Filialleiter sie „angewidert“ angeschaut und mit seinem Finger auf ihr Äußeres verwiesen.

Die 16-jährige Miriam aus Hamburg macht ihrem Ärger Luft: Wegen ihres Kopftuchs verweigerte ihre eine Edeka-Filiale den Aushilfsjob. (24hamburg.de-Montage)

Erst hätten Miriam und ihre Freundinnen geglaubt, dass es sich bei der Äußerung um einen „schlechten Witz“ handelte. „Ich hätte mir das nie vorstellen können, dass ich als Schülerin mit 16 Jahren von einem Geschäftsführer so dreckig fertig gemacht werde“, meint sie. Schließlich verließen die drei Freundinnen den Edeka-Supermarkt. Miriam musste danach weinen, erzählt sie.

Mit ihrem Video sorgte Miriam aus Hamburg für sehr viel Aufsehen im Internet - mittlerweile wurde es um die 1,5 Millionen mal geklickt (Stand 23. Juli 2020). Wie die Mopo berichtet, habe sich die Supermarktkette Edeka nach der Veröffentlichung des Vorfalls in den sozialen Medien bei Miriam entschuldigt. Für die Schülerin reichte das aber nicht aus, sie ging rechtlich gegen die Diskriminierung vor.

Edeka: Rassismus-Vorfall in Hamburger Filiale - rechtliche Konsequenzen für Marktleiter, Entschädigung für Miriam

Auf Nachfrage der Mopo erzählte Miriams Anwalt, Yalçın Tekinoğlu, wie das Verfahren verlief: „Es hat zwischen Edeka und der Geschädigten eine außergerichtliche Vereinbarung gegeben. Über deren genauen Inhalt soll Stillschweigen bewahrt werden“. Der Marktleiter musste seine Filiale in Hamburg-Langenhorn aufgeben - der Edeka-Supermarkt trägt mittlerweile sogar schon einen neuen Namen.

Darüber hinaus habe sich der Filialleiter in einem persönlichen Gespräch bei Miriam für sein Verhalten entschuldigt. Auch ein Konzernleiter war bei dem Gespräch anwesend, dieser habe ebenfalls entschuldigende Worte geäußert.

Nach Angaben des Anwalts soll Miriam eine Entschädigung in fünfstelliger Höhe erhalten haben. „Miriam ist aber vor allem nicht die Entschädigung wichtig, sie wollte ein Zeichen setzen“, erzählt Yalçın Tekinoğlu. „Niemand soll in einem Beruf mit Kundenkontakt wegen seiner Hautfarbe, Kleidung oder anderen Merkmalen diskriminiert werden.“

In letzter Zeit wurden vermehrt Rassismus-Vorfälle in Hamburg öffentlich gemacht. 24hamburg.de berichte über die Hamburgerin Hilal, die als Muslima und YouTuberin Morddrohungen von einem Rassisten erhielt. Auch rassistische Polizeigewalt in Hamburg ist immer wieder Thema: so wurde Anfang Juni beispielsweise ein Video öffentlich gemacht, das zeigt, wie Hamburger Polizisten auf einen schwarzen Mann einschlagen*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Instagram/mxriam.jbg/dpa/Paul Zinken/picture alliance

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