Infektionen übersehen

Drosten kritisiert Bundesnotbremse: Lasche Maßnahmen – Schnelltests unzuverlässig

  • Joanna Abou Boutros
    vonJoanna Abou Boutros
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40 bis 60 Prozent der Corona-Infektionen werden bei Schnelltests nicht gefunden, sagt Christian Drosten. Die Notbremse hält er für zu schwach.

Berlin/Hamburg – Antigen-Schnelltests sind nicht so sicher wie gedacht. Das erklärte Christian Drosten in dem NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Praktische Erfahrungen in Diagnose-Laboren hätten gezeigt, dass Schnelltests Infektionen mit dem Coronavirus auch in der hochansteckenden Phase oft nicht nachweisen können. „Die Schnelltests schlagen erst am Tag eins nach Symptom-Beginn an, da ist man aber schon drei Tage lang infektiös“, sagte der Virologe.

Drosten: 40 bis 60 Prozent Infektionen werden bei Schnelltests übersehen

Vor allem bei Freizeitaktivitäten bergen Schnelltests ein Risiko. Wer mit einem falsch-negativen Testergebnis unterwegs ist, könne andere infizieren. Der Corona-Experte erklärt, zwischen 40 und 60 Prozent der Infektionen werden bei Schnelltests „übersehen“. Dennoch seien die Testungen sinnvoll, beispielsweise in den Schulen. Auch die Testpflicht am Arbeitsplatz sei ein erster wichtiger Schritt.

Kritisiert Corona-Maßnahmen: Virologe Christian Drosten hält die Bundes-Notbremse für nicht ausreichend. (24hamburg-Montage)

Drosten kritisiert im Podcast zudem die Corona-Notbremse, die am Dienstag im Bundeskabinett beschlossen wurde. Die Beschränkungen seien nicht ausreichend, um die Lage in den Krankenhäusern zu entschärfen. „Ich erwarte nicht, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann“, sagt Drosten. „Ich denke, dass man da in allernächster Zeit nochmal anders reagieren muss.“

Über die Bundes-Notbremse entscheidet der Bundestag in der kommenden Woche. Sie soll in Kraft treten, sobald Kreise und kreisfreie Städte die 7-Tage-Inzidenz von 100 überschreiten. Bürger müssen sich auf einheitliche Ausgangsbeschränkungen und Laden-Schließungen einstellen.  * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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