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Trotz Krise: Hamburger Schulen kündigen wieder Lehrer vor den Sommerferien

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Von: Bona Hyun

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Hamburger Schulen kündigen viele befristete Lehrkräfte vor den Sommerferien. Das Schlimme: Diese bekommen während der Ferien dann auch kein Gehalt.

Hamburg – Während viele Schüler und Schülerinnen in Hamburg freudig in die großen Ferien starten, zittern viele Lehrkräfte vor dem langen Sommerloch. Auswertungen ergaben nämlich, dass viele Lehrer vor den Sommerferien gekündigt werden und die Ferien nicht mitbezahlt bekommen. Denn viele Vertretungsverträge werden von den meisten Hamburger Schulleitungen auf befristete Zeit abgeschlossen.

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Hamburger Schulen entlassen viele Lehrer vor Sommerferien – Verträge laufen vor Ferien aus

290 Pädagogen mussten sich während der vergangenen Sommerferien arbeitslos melden. Das ergab eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit im November 2021 – ein Anstieg der Betroffenen im Vergleich zu 2017. Die Arbeitslosigkeit der Lehrkräfte während der Sommerferien sei „sehr ausgeprägt“, so die Bundesagentur für Arbeit – eine Zahl für das Jahr 2022 liegt der Schulbehörde noch nicht vor. Besonders betroffen sind Lehrerinnen unter 35 Jahren. Die meisten Lehrer und Lehrerinnen mit befristeten Verträgen in Hamburg werden kurz vor den Sommerferien entlassen, wie das Hamburger Abendblatt berichtet.

Ein Lehrer steht in der Schule an der Tafel
Hamburger Schulen entlassen oft Lehrkräfte vor der Sommerpause. Diese bekommen die Ferien dann nicht mitbezahlt. (Symbolbild) © Daniel Karmann/dpa

Vielen Eltern bereitet aktuell Sorgen, ob die Schule nach den Sommerferien wegen Corona erneut schließen muss. Die Hamburger Schulbehörde wird dafür in den nächsten Wochen Vorbereitungen treffen. Schulsenator Ties Rabe hält „Schulschließungen für Wahnsinn“ und will eine erneute Schließung mit allen Mitteln verhindern. Sollte der Schulbetrieb auch nach der Sommerpause weitergehen, bleiben die kalten Klassenzimmer durch die Energiekrise in Hamburg für den Schulsenator eine weitere Sorge.

Entlassene Lehrer an Hamburger Schulen bekommen Sommerferien nicht mitbezahlt

Bei vielen Lehrkräften läuft der Arbeitsvertrag zum Start der Sommerferien aus. Danach müssen viele Lehrer damit rechnen, dass ihr Arbeitsverhältnis ausläuft und sie in den Ferien auch kein Geld bekommen. Gerade Verträge von Vertretungslehrern laufen nur bis zu den Ferien. Besteht der schulische Vertretungsbedarf für einen kürzeren Zeitraum als ein Jahr, könnten die Sommerferien aus rechtlichen Gründen nicht einbezogen werden, heißt es. In den Sommerferien werde kein Unterricht erteilt, weshalb niemand mit dem Grund der Unterrichtsvertretung einstellt werden kann, so Behördensprecher Peter Albrecht gegenüber dem Abendblatt.

Lehrkräfte mit Vertretungsverträgen vom 1. Juni bis 1. April bekommen die Sommerferien nicht mitbezahlt. Die Schulen seien nicht verpflichtet, möglichst lange Verträge abzuschließen. „Vor allem bei den gestückelten Krankheitsvertretungen, aber auch für Beschäftigte, die immer wieder an unterschiedlichen Schulen unterjährige Fristverträge erhalten, ist dieses Vorgehen nicht akzeptabel“, kritisierte hingegen Sven Quiring, Vorsitz der Gewerkschaft GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Hamburg.

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Vor Sommerferien entlassen – Hamburger Schulen greifen bei Lehrern oft auf befristete Verträge zurück

Der Senat will daran arbeiten, Lehrkräfte dauerhaft zu beschäftigen. Hamburger Schulen schließen in der Regel unbefristete Verträge zwischen Lehrkräften oder pädagogisch therapeutischem Fachpersonal ab. Bei einer vorübergehend freien Stelle, wie während Erziehungszeiten, Mutterschutz oder Krankheitsausfällen, gehen Schulleitungen aber oft befristete Arbeitsverhältnisse ein. Durch Corona und den Ukraine-Krieg wurde die Anzahl der befristeten Stellen erhöht. Im Verglich zum Jahr 2021 hat sich die Anzahl befristeter Verträge dem Abendblatt zufolge um 80 Prozent erhöht.

Um den Schülerinnen und Schülern nach der Coronapandemie zu helfen, wird nun eine Verlängerung um ein weiteres Schuljahr diskutiert. Vielleicht ermöglicht das, ja dem einen oder anderen Lehrer den Wechsel in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

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