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Dreifachmord in Dänischenhagen: Prozess startet mit neuen Details

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Von: Kevin Goonewardena

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Im vergangenen Sommer fanden drei Menschen in Schleswig-Holstein im Kugelhagel den Tod. Darunter ein bekannter Kite-Surfer. Nun startet der Prozess.

Kiel – In der Gemeinde Dänischenhagen in Schleswig-Holstein* heißen die Ortschaften Kuhholzberg, Rabendorf oder Lehmkaten, es gibt eine Kirche, die beiden Jahrhunderte alten Gaststätten „Zur Linde“ und „Zur Eiche“ und mehrere Gutshöfe aus dem 17. Jahrhundert. Eins der Wahrzeichen des verschlafenen Nests im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist die Friedens- und Erinnerungseiche, 1872 zum Gedenken an den Deutsch-Französischen Krieg gepflanzt.. Doch am 19. Mai 2021 brachte sie drei Menschen keinen Frieden. Nun beginnt der Prozess in Kiel. Was war passiert? 

Name:Dänischenhagen
Kreis:Rendsburg-Eckernförde
Fläche:15,71 km²
Bevölkerung:3846 (31. Dezember 2020)

Dreifachmord Dänischenhagen: Opfer sterben im Kugelhagel der Uzi

Hartmut F. aus der Nachbargemeinde Westensee gilt als gewalttätig, seine Ehefrau verlässt ihn wegen seiner fortwährenden Gewaltexzesse und lebt fortan getrennt von dem 48-jährigen Zahntechniker. An diesem 10. Mai des vergangenen Jahres soll F. seiner Frau unbemerkt gefolgt sein und sie zusammen mit ihrem neuen Freund Tobias H. (53) vor dessen Haus in Dänischenhagen niedergestreckt haben. Beide starben im Kugelhagel der Uzi, die Hartmut F. laut Staatsanwaltschaft für seine Tat verwendet haben soll. 25 Schüsse gab der Tatverdächtige laut Ermittlern auf seine Opfer ab, dann floh der Tatverdächtige in seinem weißen SUV.

Einsatzkräfte der Polizei sperren die Zuwegung zum Rosenweg ab. Die Polizei hat in Dänischenhagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) nach Schüssen in einem Haus in einem Wohngebiet zwei leblose Personen entdeckt.
Schleswig-Holsteinische Idylle, wie sie wohl trügerischer nicht sein könnte. In Dänischenhagen tötete der mutmaßliche Mörder Hartmut F. seine Frau und ihren neuen Freund Tobias H. © Axel Heimken/dpa

Dreifachmord Dänischenhagen: Opfer Tobias H. bekannter Kite-Surfer

Im Internet finden sich Fotos, auf denen Tobias H. wie der Hollywood-Schauspieler Owen Wilson aussieht. Lange, blonde Haare, Basecap, Sonnenbrille. Ein Sunnyboy und damit erfüllt er jedes Klischee, denn Tobias H. war einer in der Szene bekannter Kite-Surfer. H. leitete seine eigene Sportfirma, seine Tochter und ihr Freund machten ihn erst kurz zuvor zum Opa.  Der Kindsvater ist selbst Kite-Surfer, ein Star, Mitglied im Red Bull-Team, 6-facher Deutscher Meister. Mehr als 110.000 Menschen folgen ihm bei Instagram.

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Dreifachmord Dänischenhagen: Tatverdächtiger soll in Kiel weiteren Mann getötet haben

Auf seiner Flucht soll Hartmut F. im nahgelegenen Kiel einen weiteren Mann erschossen haben, dessen Leiche am darauffolgenden Tag in einer Wohnung in Kiel-Hasseldieksdamm entdeckt wurde. Aus dem Doppelmord ist nun ein Dreifachmord geworden, der unter dem Namen Dreifachmord Dänischenhagen bundesweit für Schlagzeilen sorgte.* Das dritte Opfer soll aus dem Umfeld Hartmut Fs. stammen. Laut Staatsanwaltschaft soll F. den Mann „für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich gemacht haben.“ F.s Auto war am Tag der vermeintlichen Tat in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gesichtet worden, gefunden wurden der Wagen und dessen Besitzer damals von einem Großaufgebot der Polizei allerdings nicht.

Dreifachmord Dänischenhagen: Die Prozessdetails

Nun beginnt am kommenden Mittwoch in Kiel das Verfahren gegen F., der sich am Abend des 11. Mai 2021 selbst der Polizei stellte und die Taten einräumte. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, hat das Schwurgericht elf Verhandlungstage im Fall des Dreifachmords von Dänischenhagen angesetzt. Mit Hilfe von 30 geladenen Zeugen, Vertretern der Gerichtsmedizin und einem psychiatrischen Sachverständigen, soll Licht ins Dunkel gebracht, Motive und Tathergang geklärt werden, schreibt die Agentur in einer Mitteilung.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem dem 48-jährigen vor aus niederen Beweggründen, nämlich aus Eifersucht gehandelt zu haben. In einer Mitteilung heißt es, dass der Mann die Frau „wegen der Trennung und ihren neuen Bekannten wegen einer Beziehung zu ihr bestrafen“ wollte. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft. Sollte eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, ist auch eine Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren unwahrscheinlich. Das Urteil im Prozess des Dreifachmords wird für Ende März erwartet.

Das Gericht hat sieben Nebenkläger zugelassen, darunter die Mutter der getöteten Ehefrau. Das Opfer und Hartmut F. hinterlassen vier gemeinsame minderjährige Kinder.

Dreifachmord Dänischenhagen: Tatwaffe demontiert und in Nord-Ostsee-Kanal entsorgt

Die Tatwaffe, gaben die Ermittler bekannt, soll ein Bekannter F.s demontiert haben und deren Einzelteile unter anderem im Nord-Ostsee-Kanal entsorgt haben. Wegen des unerlaubten Besitzes der Maschinenpistole vom Typ Uzi, ist F. auch wegen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz angeklagt. (Mit Material der dpa) *24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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