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Drachenlord geht in Berufung: Ist Rainer Winkler Täter oder Opfer?

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Von: Kevin Goonewardena, Lisa Klein

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Der „Drachenlord“ Rainer Winkler, wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft geht in Revision, der YouTuber in Berufung – der Prozess weiter.

Nürnberg – Rainer Winkler ist der Internetgemeinde vor allem als YouTuber Drachenlord* bekannt. Als solcher erreichte er eine gewisse Popularität, die sowohl in seinen Videos, als auch seiner Person an sich begründet ist. Aus der Internetgemeinde heraus in die überregionale Presse hat es der YouTuber Drachenlord vor allem durch die seit Jahren laufende Fehde mit seinen Hatern geschafft, Menschen also, die ihn und das was er tut hassen.

Name:Rainer Winkler
Durch YouTube bekannt als:Drachenlord
Auf YouTube aktiv seit:2011
YouTube-Abonnenten:159.000
YouTube Views:14,3 Millionen

Längst haben sich die Auseinandersetzung auch auf seinen Wohnort ausgebreitet. Hunderte sogenannte Haider (Hater) belagern dort teilweise sein Haus, werfen mit Eiern, zünden Böller, beschimpfen den YouTube-Star, drohen ihm Prügel an. Drachengame nennt sich diese reale Heimsuchung des Internetstars und beschäftigt seit Jahren die Behörden. Nun muss Drachenlord zwei Jahre in den Knast.*

Der Drachenlord muss in den Knast – die Höhe der Gefängnisstrafe wird neu verhandelt

Weil er in mehreren Fällen nach gegenseitigen Beschimpfungen handgreiflich wurde, soll der 32-Jährige jetzt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von zwei Jahren verbüßen – so lautete zumindest das erste Urteil der Richterin am Donnerstag, 21. Oktober 2021. Die Haftstrafe soll sich allerdings noch mal verändern, denn der Prozess geht in die zweite Runde. Eigentlich wollte Rainer Winkler direkt nach dem Urteil in Berufung gehen. Doch die Staatsanwaltschaft tritt nach und kam dem Drachenlord zuvor: Die Staatsanwaltschaft geht in Revision*, wie ingame.de am Dienstag, 26. Oktober 2021, berichtet. Das Ziel: Das Strafmaß soll auf zweieinhalb Jahre hochgeschraubt werden.

Der bayerische YouTuber „Drachenlord“ steht erneut vor Gericht.
Der bayerische YouTuber „Drachenlord“ geht in Berufung und fechtet das Urteil einer Haftstrafe von zwei Jahren an. © Daniel Karmann/dpa

Kurz darauf berichtet die Bild, dass Rainer Winkler mit seinem Anwalt auf die Revision reagiert hat und in Berufung gegangen ist. Ein genauer Termin für die Verhandlung ist noch nicht bekannt. Es ist sowohl möglich, dass die Haftstrafe des Drachenlords verkürzt wird, als auch, dass der Gefängnisaufenthalt auf 2 Jahre und sechs Monate verlängert wird. „Dieses Verfahren ist ein trauriges Beispiel dafür, welche Folgen Hass und Mobbing im Internet haben“, sagt die Richterin bei der Urteilsverkündung am Donnerstag, 21. Oktober, in Nürnberg. Der Angeklagte sei Täter und Opfer zugleich.

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YouTuber Drachenlord: „Ich prügel die Scheiße aus euch raus!“

Dem Hass ist Rainer Winkler seit Anbeginn seiner Karriere ausgeliefert. Warum und wann genau das alles anfing lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Bereits 2015 wählte Jemand den Notruf und schickte dem YouTuber Drachenlord so die Feuerwehr ins Haus, während dieser gerade im Livestream war. Auch seine Schwester wurde schon von Unbekannten bedroht.

Ich prügel die Scheiße aus euch raus!

Rainer Winkler aka Drachenlord

Der Startschuss zu den als Drachengame bekannt gewordenen Auseinandersetzungen fiel, als der YouTuber selbst ein heute legendäres Video als Reaktion auf die ständigen Attacken seiner Hater aufnahm. In diesem drohte er „Ich prügel die Scheiße aus euch raus!“ und nannte seine Adresse. Die Einladung sollte nicht ohne Folgen bleiben.

Drachenlord: Wie aus einem YouTube-Video bitterer Ernst wurde

Mehrmals wurde der YouTuber bei den Auseinandersetzungen mit den Haidern handgreiflich. Nun muss er wegen Körperverletzung, Beleidigung und Verleumdung zwei Jahre ins Gefängnis. Unter anderem hat er bei den Drachengames einen Mann mit einer Taschenlampe geschlagen, einen anderen mit einem Backstein beworfen. Das Gericht sah keine andere Möglichkeit als den YouTuber ins Gefängnis zu schicken, denn Winkler war auf Bewährung und hatte gegen seine Auflagen verstoßen.

Demonstration gegen „Drachenlord“
Polizisten stehen am Rand einer Hass-Demo gegen den Youtuber „Drachenlord“. © David Oßwald/NEWS5/dpa/Archivbild

Drachenlord und das Drachengame: Für Richterin trauriges Beispiel von Hass im Internet

„Es kann nicht angehen, dass Leute sich ergötzen, jemand anderen psychisch so fertig zu mache, mit dem Ziel, ihn in den Knast zu bringen und sich hinterher damit zu brüsten, man würde es für das Gemeinwohl machen“, wird die Richterin unter anderem bei RTL zitiert und urteilte: „Das finde ich ekelhaft.“ Digitale Gewalt und Hasskommentare sind leider keine Seltenheit. Diese Strafen können Angreifern bei Hass im Netz drohen.

DIE ZEIT bezeichnete das Drachengame einst als ein „wirrer Filz aus Langeweile, Anonymität, Geltungsdrang, Bösartigkeit, Wut und Geld“ und schloss, es lohne sich hinzuschauen – denn es zeige die Paralleluniversen des Internets. (Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 29. Oktober um 10:45 Uhr aktualisiert.) *24hamburg.de, merkur.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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