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„Dort werden sie nur ausgenutzt“: Warum in Hamburgs Kitas Erzieher fehlen

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Von: Tomasz Gralla

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Der Mangel an Erziehern in den Kitas macht sich auch in Hamburg bemerkbar. Verdi sprich von „Ausnutzung“ des Personals. Was sind die Lösungsvorschläge?

Hamburg – Die Coronavirus-Pandemie hat die Situation um Erzieher, die von Beginn an alles andere als rosig war, nur noch verschärft. Zwar mögen in dieser Zeit die Missstände und der Mangel an Fachpersonen nicht so stark aufgefallen sein wie in der Alten- und Gesundheitspflege, doch das soll die Lage in den Kitas und Schulen keineswegs beschönigen.

Die Zahl der zu betreuenden Kinder wird immer größer, die Zahl der pädagogisch ausgebildeten Fachkräfte nicht. Ein Problem, das mit der Zeit wächst und von dem die Gewerkschaft Verdi verlangt, dass es so schnell wie möglich gelöst wird.

Stadt:Hamburg
Einwohner:rund 1,841 Millionen
Fläche:755,2 km²
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Anzahl der Kitas:184

Gewerkschaft Verdi reagiert alarmiert: Erzieher-Mangel an Hamburger Kitas spitzt sich zu

Wie im Rest der Republik ist auch ein Hamburg ein „Fachkräftemangel im umkämpften Hamburger Markt ein Thema“, wie Katrin Geyer, Pressesprecherin der Vereinigung der Kindertagesstätten der Stadt Hamburg, der Mopo bestätigt. Zwar sind in der Elbmetropole aktuell nur rund 133 von etwa 7000 Stellen unbesetzt, aber die Lage könnte sich in den kommenden Jahren zuspitzen.

Warum? Weil der Job wenig attraktiv und schlecht bezahlt ist. „Die Beschäftigten dort stehen wahnsinnig unter Druck“, verrät Sieglinde Frieß, stellvertretende Landesleiterin von Verdi Hamburg, der Mopo. Und Corona habe die Arbeit mit Kita-Kindern nicht erleichtert. Denn jetzt, wo die Kitas endlich wieder öffnen, müsse auf den Abstand zwischen den Kindern geachtet werden. Eine bei Kleinkindern kaum zu bewältigende Aufgabe. Auch Drogen wie vor einer Kita in Altona verschärfen die Lage.

Eine verzweifelte junge Kita-Betreuerin und spielende Kinder in einem Turnsaal
Hamburger Kitas leiden unter Erziehermangel. Diese sind oft völlig überfordert. (24hamburg.de-Montage) © James Arthur Gekiere/imago

„Es sind immer weniger dazu bereit, sich auf die Stellen zu bewerben“, beobachtet Frieß laut Mopo und fügt hinzu: „Sie merken, dort werden sie ausgenutzt, es gibt zu wenig Leute, permanenten Druck und viel zu wenig Geld.“

Kitas in Hamburg: Fachkräftemangel nicht nur in der Hansestadt, sondern in ganz Deutschland akut

Doch nicht nur in Hamburg ist der Erzieher-Mangel spürbar. Auch die Nachbarn in Schleswig-Holstein müssen zusehen, wie sie mit 852 unbesetzten Kita-Stellen zurechtkommen. Kritisch ist die Lage auch in Baden-Württemberg, wo in 90 Prozent der Kitas aufgrund von Personalmangel die Kinder nicht angemessen betreut werden können, wie der SWR schreibt. Für den Vorsitzenden des Verband Bildung und Erziehung in Baden-Württemberg nicht überraschend, herrsche ein Erzieher-Mangel doch schon seit Jahren. Ein Mangel, gegen den nichts unternommen wurde.

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Nicht nur an Kitas, auch an Schulen, wo in Hamburg noch immer die Maskenpflicht herrscht, Hochschulen und Jugendämtern fehlen in ganz Deutschland Lehrkräfte, Erzieher und Sozialpädagogen, beklagt der Berliner Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

„Wir brauchen kleinere Lerngruppen, eine verlässliche Vertretungsreserve von zehn Prozent an den Schulen, einen besseren Personalschlüssel im Ganztag und in den Kitas, weniger Fälle pro Sozialarbeiter und Sozialarbeiterin im Jugendamt“, so Erdmann. Paradoxerweise verschärfen diese Forderungen nur noch das Problem um den Mangel an Erziehern.

Zu wenig Kita-Kräfte in Hamburg: Wie man den Erzieher-Mangel in den Griff bekommen kann

Die Qualität der Betreuung soll auch an den Kitas in Hamburg verbessert werden. Wie? Durch kleinere Gruppen von Kindern. Doch das erfordert noch mehr Personal – von dem es allerdings einen Mangel gibt. Um die Verbesserung des Betreuungsschlüssels umzusetzen, müssen attraktive Anreize für den Beruf geschaffen werden. Doch an konkreten Vorschlägen mangelt es diesbezüglich.

Währenddessen identifiziert die Sozialbehörde den Grund für den Fachkräftemangel in Hamburg: das Bevölkerungs-Wachstum in der Stadt. „Es gibt insgesamt mehr Hamburgerinnen und Hamburg, mehr Kinder, die betreut werden, aus diesem Grund auch mehr Einrichtungen, und infolgedessen mehr Fachkräfte“, zitiert die Mopo Behörden-Sprecher Martin Helfrich. Eine nichtssagende Stellungnahme, die weder Kinder, Eltern noch Erzieher oder Gewerkschaften auch nur einen Schritt nach vorne bringt. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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