Neue Gefahr?

Doppelansteckung mit zwei Corona-Varianten: Forscher warnen vor tödlicher Gefahr

  • Susanne Kröber
    VonSusanne Kröber
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Sorgte die Ko-Infektion mit zwei Coronavirus-Varianten bei einer 90-jährigen Belgierin für eine dramatische Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes?

Aktuell ist mit der Lambda-Variante eine neue Mutation des Coronavirus auf dem Vormarsch. Doch nun gibt es besorgniserregende Nachrichten aus Belgien: Dort ist eine 90-jährige Frau gestorben, die nicht mit einer, sondern mit zwei Varianten des Coronavirus infiziert war. Der Europäische Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten hat nun eine Studie vorgestellt, die sich mit solchen Fällen von Doppelinfektionen beschäftigt.

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Bereits Anfang März wurde die 90-jährige, nicht geimpfte Frau in ein Krankenhaus in Aalst eingeliefert, nachdem sie mehrfach gestürzt war. Zuvor lebte sie allein und wurde von einem Pflegedienst betreut. Am Tag ihrer Einlieferung wurde sie positiv auf das Coronavirus getestet. Zunächst sei der Sauerstoffgehalt ihres Blutes noch gut gewesen, habe sich dann aber rapide verschlechtert, fünf Tage später verstarb die Belgierin.

Ko-Infektion mit Coronavirus-Varianten ein „unterschätztes Phänomen“

Medizinische Tests ergaben schließlich, dass die Verstorbene sowohl mit der Alpha- als auch mit der Beta-Variante des Coronavirus infiziert gewesen war. „Beide Varianten zirkulierten zu der Zeit in Belgien, daher ist es wahrscheinlich, dass die Dame mit verschiedenen Viren von zwei verschiedenen Personen ko-infiziert war“, erklärte die Leiterin der Studie, Molekularbiologin Anne Vankeerberghen vom OLV-Krankenhaus in Aalst.

Eine 90-jährige Belgierin wurde positiv auf zwei Varianten des Coronavirus getestet - wird die Gefahr der Doppelansteckung unterschätzt?

Laut Vankeerberghen sei es schwer zu sagen, ob die Ko-Infektion dafür verantwortlich war, dass sich der Gesundheitszustand der Patientin so schnell verschlechtert habe. Bisher habe es zwar noch keine weiteren veröffentlichten Fälle solcher Doppelansteckungen gegeben, was aber auch an der begrenzten Testkapazität läge. „Das weltweite Auftreten dieses Phänomens wird wahrscheinlich unterschätzt, da nur begrenzt auf besorgniserregende Varianten getestet wird. Wachsam gegenüber Ko-Infektionen zu sein, ist ausschlaggebend“, so Vankeerberghen laut Bloomberg. Gerade jetzt, da Experten vor einer rasanten Ausbreitung der Delta-Variante warnen.

Wie gefährlich ist eine Doppelansteckung mit verschiedenen Coronavirus-Varianten?

Wissenschaftler aus Brasilien hatten bereits im Januar 2021 von zwei Menschen berichtet, die sich gleichzeitig mit verschiedenen Stämmen des Coronavirus angesteckt hatten. Beide Infizierte erholten sich im Gegensatz zur belgischen Patientin von ihrer Doppelansteckung. Genau wie die Studie von Anne Vankeerberghen wurde aber auch diese Untersuchung bisher noch nicht in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht.

Lawrence Young, Virologe und Professor für molekulare Onkologie an der Universität von Warwick, hält es für wenig überraschend, dass sich Menschen mit mehr als einem Virusstamm infizieren. „Diese Studie unterstreicht die Notwendigkeit von weiteren Forschungsarbeiten, um festzustellen, ob Infektionen mit mehreren bedenklichen Varianten den klinischen Verlauf von Covid-19 beeinflussen, und ob das in irgendeiner Weise die Wirksamkeit der Impfungen beeinträchtigt.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / BELGA / Laurie Dieffembacq

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