1. 24hamburg
  2. Hamburg

Deutschlandpremiere: Hamburg testet fahrerlose LKW für den Hafen

Erstellt:

Von: Steffen Maas

Kommentare

Automatisierte und autonome Transportfahrten von der Autobahn bis zum Hamburger Hafen. Das soll in Hamburg bald mit selbstfahrenden LKW möglich sein.

Hamburg – Immer mehr Waren, die transportiert werden müssen, aber immer weniger Fahrer, die die LKW fahren wollen: Die zentrale Herausforderung der ganzen Logistikbranche ist schnell erklärt und schwer zu lösen. Eine mögliche Lösung will die Stadt Hamburg erproben, indem in einem vierjährigen Pilotprojekt selbstfahrende LKW auf die Straße geschickt werden. Weil die Hansestadt mit der digitalen Infrastruktur und der „Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren“ die perfekten Voraussetzungen dafür bietet, kommen die Robo-LKW hier bald in einer deutschlandweiten Premiere auf die Straße.

Name:Hamburger Hafen
Gegründet:7. Mai 1189
Umgeschlagene Container:8,7 Millionen (2021)
Umgeschlagenes Stückgut:1,2 Millionen Tonnen (2021)

Hamburger Hafen: Autonome LKW sollen logistische Herausforderung lösen

Ganz praxisnah sollen die Lkw in der vierjährigen Erprobung dann autonome Transportfahrten von der Autobahn bis zum Terminalgelände des Hamburger Hafens unternehmen. Der Pressesprecher der Hamburger Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, Dennis Krämer, freut sich daher, dass der Pilot in der Hansestadt Hamburg an den Start geht: „Hoher Warenumschlag, aber eine rückläufige Personalsituation – das sind natürlich genau die Herausforderungen, die wir in Hamburg haben.“

Nachrichten aus Hamburg direkt aufs Handy – ganz einfach via Telegram

Weil zudem mit dem Hamburger Hafen, dem ITS-Weltkongress und der Teststrecke die (digitale) Infrastruktur vorhanden ist, erscheint die Hansestadt als perfektes Versuchslabor. Das sieht wohl auch die Europäische Union so, die das Pilotprojekt mit 23 Millionen Euro zu 80 Prozent bezuschusst. Führerlose Transportmittel sind den Hamburger Bürgerinnen und Bürgern außerdem nicht völlig fremd: Auf den Gleisen verkehrt bereits jetzt schon eine S-Bahn, die ohne Lokführer auskommt.

Autonome Lastwagen: Ganz ohne Fahrer voraussichtlich erst ab 2024

Doch ehe den Verkehrsteilnehmenden auf Hamburgs Straßen LKW mit gespenstisch leeren Cockpits entgegenkommen, wird es wohl noch etwas dauern. Zunächst sollen sich sogenannte Sicherheitsfahrer in den Fahrerkabinen aufhalten, die zwar nicht fahren, aber im Notfall eingreifen könnten.

Langzeitbelichtung des Verkehrs in der Stadt und eine Funk-Sendeeinheit
Mithilfe von Funk-Sendeeinheiten, die auf der Strecke bereits existieren, sollen bald automatisierte LKW durch Hamburg düsen. (Symbolbild) © Felix Kästle/Marcus Brandt/dpa/Montage

Wirklich ganz allein würden die Lastwagen „frühestens 2024“ fahren, versucht sich Pressesprecher Krämer vorsichtig an einer Prognose. Man müsse nun zuerst die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Funk-LKW sicher und legal auf den Straßen rollen könnten. Das wäre immerhin noch früher als die „Robo-Taxis“, die Volkswagen in Hamburg für das Jahr 2025 angekündigt hatte.

Korridor von Autobahn bis zum Hamburger Hafen: Genaue Streckenführung noch nicht geklärt

In der Gänze ein „sehr komplexes Verfahren“ mit vielen beweglichen Teilen und einer Vielzahl an Partnern, unterstreicht Krämer, weswegen auch der Projekt-Fahrplan alles andere als in Stein gemeißelt ist. Und auch die finale Streckenführung ist noch nicht geklärt: Hier müsse man abstecken, wo für Praxis und Forschung der größtmögliche Erkenntnisgewinn möglich sei, während zudem maximale Kontrolle und Sicherheit gewährleistet werden könne. Klar ist, dass ein Korridor entsteht, der von der Autobahn bis aufs Hafengelände ans Terminal führt.

Was ist das MODI-Projekt?

Im Rahmen des MODI-Projektes sollen Lösungen und Potenziale der höchsten Automatisierungsstufe (also: Fahrten ohne, dass sich ein Fahrer im Cockpit befindet) getestet werden. Insgesamt 29 Partner wollen so die Umsetzung von Lösungen für autonome Straßenverkehre erproben.

In Hamburg sind dafür die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, der „Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer“ sowie die „Hamburg Verkehrsanlagen GmbH“ involviert. Sie sind für inhaltliche Projektaufgaben wie Genehmigungsprozesse rund um rechtliche und technische Hürden zuständig. Operativ koordinieren die Hochbahn-Tochter „New Mobility Solutions GmbH“ und die „Hamburg Port Authority“ das Projekt.

Ähnliche Tests unterstützt die Europäische Union zudem rund um den Autobahnkorridor von Rotterdam in den Niederlanden bis Moss in Norwegen – damit wird der Terminalbetrieb zusammen mit Hamburg und Göteborg in vier verschiedenen nordeuropäischen Häfen unterstützt. Die Mittel dazu kommen aus dem EU-Rahmenprogramm „Horizont Europa“, Europas größtem Finanzierungsprogramm für die Forschung. Die Hoffnung ist, durch den automatisierten Verkehr einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der europäischen Logistik- und Transportketten zu leisten.

Auch interessant

Kommentare