Was wird aus Zugführern?

Deutsche-Bahn (DB) stellt neue Sensation vor – bald fahren wir ferngesteuert durch Hamburg

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Mega-Sensation bei der Deutschen Bahn (DB). Das Unternehmen stellt die neuen autonom fahrenden S-Bahnen in Hamburg vor. Die Hansestadt ist der erste deutsche Standpunkt, an dem die digital gesteuerten Züge bald ohne Lokführer unterwegs sind.

  • Deutsche Bahn (DB) stellt ferngesteuerte S-Bahn vor.
  • In der Hansestadt Hamburg* startet das Pilotprojekt der Deutschen Bahn.
  • Ab Oktober 2021 rollen vier Hamburger S-Bahnen* ohne Lokführer durch die City.

Hamburg – Zwischen den Haltestellen Berliner Tor und Aumühle sollen ab Oktober 2021 vier digital gesteuerte S-Bahnen hin und her rollen. Das Pilotprojekt der Deutschen Bahn läuft derzeit im S-Bahn-Instandhaltungswerk in Stellingen, das im Jahr 2019 in Betrieb genommen wurde. Das Projekt soll der Digitalisierung der S-Bahn dienen. Das berichtet das „Hamburger Abendblatt“ (hinter Bezahlschranke). Hamburg wird die erste deutsche Stadt sein, in der die digital gesteuerten Züge fahren werden. Die Strecke, auf der die S-Bahnen ohne Lokführer verkehren werden, wurde technisch komplett neu ausgestattet.

Eisenbahnunternehmen:Deutsche Bahn
Kundenservice: 0180 6 996633
Vertrieb: 0180 6 101111
CEO: Richard Lutz (22. März 2017–)
Zentrale: Berlin
Umsatz: 42,7 Milliarden EUR (2017)

Am Donnerstag, 27. August 2020, stellen Verkehrssenator Anjes Tjarks (39, Grüne) und S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke die autonome S-Bahn für Hamburg gemeinsam mit Projektleiter Jan Schröder erstmals vor. „Mit der digitalen S-Bahn haben wir eine intelligente Lösung für mindestens 20 Prozent mehr Kapazität, ohne einen Meter Gleis neu bauen zu müssen“, betont Kay Uwe Arnecke. Der S-Bahn-Chef erklärt die Vorteile der selbstfahrenden Züge für Hamburg: „Das bedeutet zusätzliche Züge, noch klimafreundlicheres Fahren und mehr Stabilität im Betrieb für unsere Fahrgäste.“

Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks testet den digitalen Zug, der eigentlich ohne Lokführer betrieben werden soll.

Deutsche Bahn (DB) stelllt digitale S-Bahn für Hamburg vor: Kostenpunkt 60 Millionen Euro

Das Projekt sei für Forschung und Entwicklung enorm wichtig. 300 Techniker von Siemens Mobility und der Deutschen Bahn würden seit mittlerweile zwei Jahren an dem Projekt der autonomen Züge arbeiten. Dieses deutsche Novum in der Infrastruktur lassen sich die Firma Siemens, die Stadt Hamburg und die Deutsche Bahn einiges kosten. Stolze 60 Millionen Euro verschlingt das Projekt, das die Nachhaltigkeit im Verkehr fördern soll. Die Summe teilen sie sich durch drei. Masken-Verweigerern im HVV* droht übrigens ein dickes Bußgeld, wie 24hamburg.de berichtet.

Und: Die Stadt Hamburg spendiert noch eine Machbarkeitsstudie, die eine stückweise Ausweitung der Digitalisierung auf das gesamte Streckennetz prüft. Kostenpunkt: weitere drei Millionen Euro! Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks von den Grünen betont: „Diese Technik ist eine Lösung, um Wachstum im S-Bahn-Netz und damit auch den Hamburg-Takt zu ermöglichen.“

Deutsche Bahn (DB) stellt digitale S-Bahn für Hamburg vor: bedeutendster technologischer Wandel im Bahnbetrieb

Zuletzt wurde das Stellwerk in Stellingen erbaut, in dem mehr Züge repariert werden können, als derzeit in Hamburg existieren. Zudem planen die Stadt Hamburg und die Deutsche Bahn den Ausbau der S4 bis nach Bad Oldesloe. Die Digitalisierung der S-Bahn sei nun der dritte wichtige Meilenstein in der Entwicklung des privaten öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Jan Schröder, Leiter der Projekts automatisierte S-Bahn in Hamburg betont: „Wir entwickeln hier die Technik des bedeutendsten technologischen Wandel im Bahnbetrieb seit Jahrzehnten.“

Bei dem Vorstellungstermin am Donnerstag, 27. August 2020, präsentiert er dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge auch noch einen 20 Jahre alten Zug, der sich äußerlich auf den ersten Blick kaum verändert habe. Nur ein gelbes Kästchen unter dem Führerstand falle auf. Dabei handele es sich um die sogenannte Balisenantenne sowie zwei seitlich nebeneinander angebrachte größere graue Kästen, der European Train Control System- (ETCS) und der Automatic Train Operation-Rechner (ATO). Nebenbei: Diese Technik könnte HVV-Streiks* minimieren.

Deutsche Bahn (DB) stelllt digitale Züge in Hamburg vor: neue Technik sorgt für mehr Sicherheit auf den Gleisen

Das ETCS ist das in Europa eingesetzte Zugleitsystem, das erstmals um ATO ergänzt wird. Es ermöglicht hochautomatisiertes Fahren. Sinn und Zweck der ganzen Technik: Durch einen ständigen Datenabgleich von Basilenantenne und den zwischen den Schienen angebrachten Ortungsbasilen werden Geschwindigkeit und Position des Zuges genau ermittelt. Notwendige Sicherheitsabstände können so noch viel genauer berechnet werden als bei der seit zirka hundert Jahren eingesetzten Signaltechnik, die blockweise funktioniert.

Deutsche Bahn (DB) stellt digitale Züge für Hamburg vor: Zugführer sollen Jobs behalten

Zudem könnten auf der Strecke in Hamburg nun auch mehr Züge zum Einsatz kommen. Wer sich nun Sorgen um die Arbeitsplätze der Bahnfahrer macht, kann erstmal aufatmen. S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke und Hamburger Verkehrssenator Anjes Tjarks betonen: „Sie sind wichtig, wenn spontan bei Störungen eingegriffen werden muss, und bleiben natürlich an Bord.“

Die langfristig geplante Hochautomatisierung des S-Bahnverkehrs bedeute also keine Abschaffung der Zugführer. Zuletzt machte Verkehrssenator Anjes Tjarks mit einer krassen Ankündigung, die den Autoverkehr in der Hamburger Innenstadt rund um den Jungfernstieg und die Alster* enorm einschränkt, von sich reden, wie 24hamburg.de berichtet. Von der Opposition erntete Tjarks dafür reichlich Kritik. Vom CDU-Abgeordneten David Erkalp (46) gab es etwa Gegenwind, weil dieser aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie einen großen Nachteil für Gastronomen in der neuen Regelung sah. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Ulrich Perrey/dpa

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