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Denkmalschützer kritisieren Hauptbahnhof-Pläne: „Desolate Situation“

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Von: Kevin Goonewardena

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Der Hamburger Hauptbahnhof gilt als chronisch überlastet. Nun wurden die Pläne für eine Erweiterung vorgestellt. Kritik kommt vom Denkmalverein.

Hamburg – Am Dienstag hatte die Deutsche Bahn ihre Pläne für die Erweiterung des Hamburger Hauptbahnhofes vorgestellt. Jener ist nach der Anzahl Reisender schon lange Deutschlands größter Bahnhof, noch vor Berlin, München oder Frankfurt am Main. Rund 537.000 Fahrgäste frequentierten den Hamburger Hauptbahnhof vor Beginn der Corona-Pandemie täglich (2019), in Europa weist nur der Bahnhof Paris Gare du Nord höhere Fahrgastzahlen auf. Die Notwendigkeit eines erhöhten Platzbedarfs ist zwar unstrittig, doch Kritik an dem nun vorgestellten Siegerentwurf der Bahn ließ dennoch nicht lange auf sich warten. Nun meldete sich der Hamburger Denkmalverein mahnend zu Wort.

Name:Hamburg Hauptbahnhof
Eröffnung:1906
Gleise:12 (8 fern- und Regionalbahn, 4 S-Bahn-Gleise)
Zugabfahrten (ohne S-Bahn, täglich):mehr als 800
Anzahl Reisender (täglich):537.000 (2019)

Hauptbahnhof Hamburg: Kritik an Verbauung ‚historischer Südseite‘

Die Erweiterung des Bahnhofs soll in Form einer neu zu bauenden Halle stattfinden, die auf der Südseite in Richtung Museum, für Kunst&Gewerbe (MK&G) vorgesehen ist. Der Entwurf sieht unter anderem ein riesiges gläsernes Dach vor, dass das alte, denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude und den Neubau miteinander verbinden soll und dabei die Steintorbrücke überspannen wird. Der Denkmalverein Hamburg mahnte, so berichtete es die Mopo, dass das Gebäude „wichtige Sicht- und Straßenachsen“ zerstören würde und „die historische Südfassade des Gebäudes“ verbaue. Die Kritik richte sich dabei nicht gegen den Entwurf selbst, sondern gegen die Vorgaben der deutschen Bahn, betonte die Geschäftsführerin des Denkmalverreins, Kristina Sassenscheidt, gegenüber der Zeitung.

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Hauptbahnhof Hamburg: Historische Chance vertan

Bei den Vorgaben zur Gestaltung der Erweiterung des Hauptbahnhofs sieht der Verein eine historische Chance vertan. „Der Hauptbahnhof und der umgebende Stadtraum wurde über die letzten Jahrzehnte verbaut und vernachlässigt und ist in einer desolaten Situation“, so sieht es auch Sassenscheidt, dass dieser aufgewertet werden müsse, stehe deshalb außer Frage. Doch die Bahn hätte „im Sinn der Stadtgesellschaft“, so sieht es die Denkmalverein-Geschäftsführerin „das ursprüngliche Erscheinungsbild des Bahnhofs“ wieder herstellen müssen, anstatt es „noch stärker zuzubauen“.

Zumal für die benötigten neuen Gleiszugänge an dieser Stelle auch keine Halle nötig sei, so der Verein. Stattdessen könnte der öffentliche Raum dort mit mehr Gründ aufgewertet und der Verkehr reduziert werden.

Die geplante Erweiterung des Hamburger Hauptbahnhofs aus Blickrichtung Hachmannplatz.
Die geplante Erweiterung des Hamburger Hauptbahnhofs aus Blickrichtung Hachmannplatz. Der Bau, so kritisiert der Denkmalverein Hamburg, verstelle die Sicht auf die historische Südseite. Für mehr Gleiszugänge sei dieser zudem auch gar nicht nötig. © bof architekten & hutterreimann landschaftsarchitektur

Hauptbahnhof Hamburg: Beugt sich Stadt kommerziellen Interessen?

Der Neubau soll auch 15.000 Quadratmetern neue Büro- und Gewerbeflächen beinhalten. Der Denkmalverein sieht in den Plänen „rein wirtschaftliche Interessen der Bahn.“

„Hamburg sollte eines seiner verkehrsgeschichtlich wichtigsten Baudenkmäler und prägnantesten Stadtbilder nicht leichtfertig den wirtschaftlichen Interessen eines einzelnen Unternehmens opfern

Kathrin Sassenscheidt, Geschäftsführerin Denkmalverein Hamburg

Hauptbahnhof Hamburg: Bahn kontert Kritik an Erweiterung – auch Denkmalschutzamt einverstanden

Die Bahn weist die Kritik wenig überraschend zurück. Ein Konzernsprecher erklärte „Die südliche Bahnhofserweiterung dient der dringend erforderlichen Kapazitätserweiterung des Hauptbahnhofs.“ Dabei sei „die Wirtschaftlichkeit der Konzepte“, so der Sprecher des Staatskonzerns gegenüber der Mopo „nur einer von vielen Aspekten, die bedacht werden.“ Der Denkmalschutz sei zudem bei den Entwürfen bedacht worden.

Auch das städtische Denkmalschutzamt äußerte sich positiv. Zwar sei es richtig, dass aus der ferne die Sichtachse auf die Südseite des historischen Bahnhofsgebäudes verdeckt werde. Aus der Nähe bleibe die Sicht allerdings bestehen, wie auch aus anderen Richtungen. „Somit trägt der Siegerentwurf dazu bei, dass der Hauptbahnhof als stadtbildprägendes Gebäude mit seiner hohen technikgeschichtlichen und künstlerischen Bedeutung erhalten bleibt“, so das Denkmalschutzamt. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDDIA.

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