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Demo auf der Köhlbrandbrücke: Aktivisten ernten scharfe Kritik

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Von: Anika Zuschke

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Zweimal an einem Tag kleben sich Aktivisten von „Aufstand der letzten Generation“ auf die Köhlbrandbrücke in Hamburg. Politiker kritisieren die Aktion scharf.

Hamburg – „Aufstand der letzten Generation“ nennt sich die Initiative von Klimaaktivisten in Deutschland. Sie setzen sich eigenen Angaben zufolge mit ihren Aktionen gegen Lebensmittelverschwendung, für mehr Klimaschutz und eine Bürgermitbestimmung ein. In dem Zuge haben zahlreiche Demonstranten am Montag, 21. Februar 2022, sowohl morgens als auch abends die Köhlbrandbrücke in Hamburg blockiert – und damit stundenlang den Berufsverkehr auf eine Geduldsprobe gestellt. Aus der Politik regnete es für die Aktion von allen Seiten heftige Kritik.

Schrägseilbrücke in Hamburg:Köhlbrandbrücke
Adresse:Köhlbrandbrücke, 21129 Hamburg
Lichte Höhe:55 Meter
Eröffnet:20. September 1974

Aktivisten von „Aufstand der letzten Generation“ ernten für Demo auf Köhlbrandbrücke in Hamburg viel Kritik

In den vergangenen Tagen hatten die Hamburger Polizei und Feuerwehr aufgrund der zahlreichen Stürme in der Hansestadt bereits alle Hände voll zu tun. In Bergedorf und den Marschelanden wurden riesige Wassermassen noch am Montag zur Bedrohung* und in der Innenstadt drohten Dachteile auf die Willy-Brandt-Straße zu stürzen – was für zeitraubendes Stau-Chaos sorgte. Doch diese unvorhergesehene Störung im Straßenverkehr war nicht der einzige Faktor, der am Montag, 21. Februar 2022, Autofahrer auf die Probe stellte.

Am Montagmorgen haben zahlreiche Aktivisten über Stunden hinweg den Berufsverkehr auf der Hamburger Köhlbrandbücke blockiert. Polizeiangaben zufolge versammelten sich dafür mehr als dreißig Demonstranten auf den Fahrbahnen der Brücke, klebten sich dort mit Sekundenkleber und Bauschaum fest und sorgten auf diese Weise für kilometerlange Staus.

Demo in Hamburg: Aktivisten kleben sich zum zweiten Mal an einem Tag auf die Köhlbrandbrücke

Am Montagabend wiederholten die Demonstranten ihre Aktion offenbar: Ersten Informationen der Polizei zufolge kleben seit etwa 18:00 Uhr wieder mindestens 13 Aktivisten auf der Köhlbrandbrücke – trotz ausgesprochener Platzverweise. Infolgedessen musste die Verkehrsader zum zweiten Mal am selben Tag vorübergehend gesperrt werden.

Morgens brauchten die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Stadtreinigung mehr als drei Stunden, um die Menschen von der Fahrbahn zu lösen, die Straße zu reinigen und die Vollsperrung wieder aufzuheben. Erst gegen 11:00 Uhr konnten Autos und Lastwagen die Köhlbrandbrücke wieder befahren. Nähere Angaben zum Verlauf der Aktion am Montagabend gibt es noch nicht.

Vonseiten der Politik erntet Demo von „Aufstand der letzten Generation“ in Hamburg harte Kritik

In der Politik sammelte der „Aufstand der letzten Generation“ damit aber definitiv keine Sympathiepunkte. Im Gegenteil: Auch vonseiten der Grünen müssen sich die Aktivisten harter Kritik stellen. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir von den Grünen warnte beispielsweise davor, mit solchen Aktionen Mehrheiten für den Klimaschutz zu gefährden. „Ich rate dazu, sich wieder darauf zu besinnen, um was es eigentlich geht, sicher nicht darum, denen Steilvorlagen zu geben, die möglichst wenig Klimaschutz wollen“, äußerte Özdemir laut Deutscher Presse-Agentur (dpa).

Auch Grünen-Chef Omid Nouripour kritisierte die Protest-Methoden mit folgenden Worten: „In dem Augenblick, in dem kritische Infrastruktur angegangen wird, in dem Menschen bedroht werden und in dem Ultimaten ausgesprochen werden, hat das mit Demokratie nicht mehr viel zu tun.“ Am vergangenen Sonntag, 20. Februar, haben die Aktivisten nämlich ultimative Zusagen von der Bundesregierung für ein Lebensmittelrettungsgesetz gefordert – und ansonsten mit einer Ausweitung ihrer Aktionen auf Häfen und Flughäfen gedroht.

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Fegebank zeigt „kein Verständnis für Protest mit der Brechstange“

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank von den Grünen ist ebenfalls nicht der Meinung, dass diese Form des Protests der richtige Weg ist. Auf Twitter postete sie: „Kein Verständnis für Protest mit der Brechstange. Wer Klimakrise und Lebensmittelverschwendung bekämpfen will, darf sich und andere nicht in Gefahr bringen. Dem wichtigen und absolut notwendigen Anliegen wird ein Bärendienst erwiesen.“

Klimaaktivisten der Aktion „Aufstand der letzten Generation“ blockieren am Montagmorgen eine Kreuzung am Zollamt Waltershof zur Köhlbrandbrücke und zur Autobahn A7 und zwei Aktivisten, die vor ihrem Schild mit der Aufschrift „Aufstand der letzten Generation“ sitzen.
Initiative „Aufstand der letzten Generation“ erntet von der Politik für ihre Blockade auf der Köhlbrandbrücke heftige Kritik. (24hamburg.de-Montage) © Christian Charisius/dpa

Der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Gunther Bonz, bezeichnet die Demonstrationen laut NDR als „rechtswidrige Aktionen“, weswegen Staatsanwaltschaft und Polizei seiner Meinung nach Verfahren gegen die Blockierer einleiten müssten. Eine ähnliche Sichtweise vertritt auch CDU-Fraktionschef Dennis Thering: „Die Stadt darf sich nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen. SPD und Grüne im Senat müssen endlich aufwachen und handeln“, so der Politiker. Er fordert null Toleranz gegenüber „Blockade-Chaoten“ und ist der Meinung, dass diese wiederholten, gefährlichen Eingriffe in den Straßenverkehr „mit aller Härte des Rechtsstaats unterbunden werden“ müssten.

FDP und AfD kritisieren den „Aufstand der letzten Generation“ auf der Köhlbrandbrücke in Hamburg scharf

Auch AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann erwartet ein hartes Durchgreifen, für ihn sei die Gruppe „ein Fall für den Verfassungsschutz“. „Es darf keinen Kuschelkurs mit grünen Extremisten geben“, wird Nockemann von der dpa zitiert. Für FDP-Landeschef Michael Kruse heilige der Zwecke ebenfalls nicht die Mittel – die Aktivisten täten weder ihrem eigenen Anliegen noch anderen mit ihrer Aktion einen Gefallen, so der Bundestagsabgeordnete.

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„Sie verursachen kilometerlange Staus und damit hohe CO₂-Emissionen. Sie sorgen dafür, dass Lebensmitteltransporte im Stau feststecken, Kühlketten unterbrochen und als Folge Nahrungsmittel weggeworfen werden müssen“, fährt Kruse laut dpa fort. Für Staus auf der Köhlbrandbrücke sorgen derzeit aber nicht nur Aktivisten: An vier Wochenenden in naher Zukunft soll es auf der Verkehrsader aus einem ganz anderen Grund eng werden.

„Aufstand der letzten Generation“ sorgen mit Warnwesten und Plakaten für Sperrung der Köhlbrandbrücke in Hamburg

Die Initiative „Aufstand der letzten Generation“ hat seit Ende Januar deutschlandweit immer wieder Autobahnen und Straßen blockiert, vor allem in Berlin, aber auch in Hamburg, München und anderen Städten. Zu ihrer Blockade auf der Köhlbrandbrücke postete die Gruppe auf Twitter: „Die massiven Störungen im Hafen sind nichts im Vergleich zu Störungen durch Fluten, Dürren, Essensknappheit. Es ist unsere Pflicht, gegen eine todbringende Politik Widerstand zu leisten.“

Auf dazugehörigen Fotos sind mehrere Menschen zu sehen, die mit Warnwesten und Plakaten ausgestattet auf der Straße sitzen. Auf einem der Banner steht der Slogan „Essen retten, Leben retten“. Unabhängig von der Protest-Aktion am Montag besteht momentan die Frage, ob es die Köhlbrandbrücke in Hamburg überhaupt noch lange geben wird. Das Wahrzeichen sollte nämlich ursprünglich für einen neuen Tunnel unter der Elbe abgerissen werden. Nun scheinen Bau und Finanzierung des Projektes aber plözlich in Gefahr zu sein. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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