Corona-Pandemie

Delta-Variante in Hamburg – wer kümmert sich?

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Der Inzidenzwert Hamburg ist niedrig. Doch über den Köpfen schwebt die Ausbreitung der Delta-Variante. Die Verdachtsfälle mehren sich. Aber was tun die Behörden?

Hamburg – Die Delta-Variante ist weiter auf dem Vormarsch: Nach dem Verdachtsfall in einer Grundschule wächst auch in der Hansestadt Hamburg die Sorge vor einer Ausbreitung der hochaggressiven Coronavirus-Mutante. Kurz vor Beginn der Sommerferien rief die Bundesärztekammer deshalb alle Deutschen eindringlich zur Vorsicht auf. Natürlich sei der Urlaub nach den Belastungen der vergangenen Lockdown-Monate wichtig, sagte Präsident Klaus Reinhardt der Funke Mediengruppe. Aber bei Reisen ins Ausland sollten unbedingt alle gängigen Hygienevorschriften beachtet werden, warnte er.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung: 1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Zuletzt war der Inzidenzwert in Hamburg niedrig und der Hamburger Senat hatte weitgehende Lockerungen im Lockdown beschlossen. Doch die Zahl der zuerst in Indien entdeckte Delta-Mutation steigt an, wenn bislang aber noch auf geringem Niveau. Bislang sind rund 25 Fälle in der Hansestadt registriert worden.

Inzidenzwert: Delta-Variante breitet sich auch auf Hamburger Gebiet aus – Senat warnt vor Panikmacher

Besonders für Aufregung hatte dabei in den vergangenen Tagen ein Corona-Ausbruch in einer Grundschule im Stadtteil Lokstedt gesorgt. Drei erste Klassen mussten in häusliche Quarantäne geschickt werden. Zwar bestätigte sich der Anfangsverdacht nicht, dass sich die Schüler dabei mit der indischen Delta-Variante infiziert haben könnten, wie die Mopo berichtete. Doch der Vorfall lenkte die Debatte auf die Tatsache, dass bald vor allem eine Gruppe dem Virus ungeschützt gegenüber steht: nämlich Kinder und Jugendliche.

Sieht sich mit der Ausbreitung der Delta-Variante konfrontiert: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Denn Studien zeigen: Eine vollständige Impfung schützt ganz ordentlich gegen die indische Delta-Variante, die viel ansteckender als die Alpha-, Beta- oder Gamma-Varianten ist, einen schwereren Krankheitsverlauf verursacht und in Großbritannien mittlerweile für die meisten Neuinfektionen verantwortlich ist. Das Problem jedoch ist: Eine Impfung ist insbesondere für die Heranwachsenden noch nicht in direkter Aussicht.

Bis zum Ende des Sommers sollen zunächst rund 80 Prozent der Erwachsenen in Deutschland vollständig geimpft sein. Derzeit ist der Impfstoff knapp. Dennoch hält Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) das Ziel der Herdenimmunität* noch für machbar, wie er dem Hamburger Abendblatt sagte. Doch was ist dann mit den weiterhin ungeimpften Kindern und Jugendlichen?

Delta-Variante aus Indien: Behörden setzen auf Herdenimmunität durch Impfung

In den vergangenen Tagen mehrten sich die Stimmen, die über eine erneute Aussetzung des Präsenzunterrichts diskutierten. Unter anderem hatte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angedeutet, dass im Herbst wieder verstärkt auf Wechselunterricht* gesetzt werden könnte. Zugleich werden im Angesicht der Delta-Variante und einer befürchteten, vierten Welle die Forderungen immer lauter, alle Schulen mit ausreichend Luftfilteranlagen bis zum Ende der Ferien auszustatten. „Wir müssen unbedingt den Sommer nutzen, um die Schulen sicherzumachen“, appellierte die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock noch am Montag.

Doch während auf Bundesebene die Debatte rasant an Schwung gewinnt, hält sich der Hamburger Senat noch weitgehend zurück. Zwar warnt auch Tschentscher davor, dass die Pandemie noch nicht vorüber ist und die Monate „September und Oktober noch einmal schwierig“ werden können. Doch lautstarke Forderungen an den Bund werden erst einmal nicht laut.

Auf eine direkte Anfrage der Wochenzeitung „Die Zeit“, wie sich die Stadt den gegen die Ausbreitung der Delta-Variante wappne, antwortete ein Senatssprecher zögerlich. Man beobachte das Geschehen und behalte sich einige Maßnahme vor, hieß es.

Zugleich verwies er darauf, dass die Entwicklung noch nicht so gefährlich sei wie im Vergleich zu Großbritannien, wo es traditionell mehr familiäre Bindungen nach Indien gebe. Dennoch rief der Sprecher dazu auf, bei Reisen vorsichtig zu sein. Denn gerade dadurch würde die Virus-Ausbreitung über Ländergrenzen hinweg befeuert. Wo genau die Delta-Risikogebiete für Urlauber* sind, zeigt die Übersicht von kreiszeitung.de. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Imago/Christian Ohde & Kay Nietfeld/dpa

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