Task-Force rüstet auf

Dealer-App EncroChat: Hamburg hackt illegale Drogenchats

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Hamburg will den Drogen-Sumpf trocken legen und stockt das Personal bei Gericht und Polizei auf. Im Kampf gegen die Kriminalität winken Millioneneinnahmen.

Hamburg – Schlechte Zeiten für Drogen- und Waffenschmuggler: Nach der Sicherstellung illegaler Daten aus dem EncroChat stockt die Hansestadt Hamburg das Personal bei Polizei und Gerichten massiv auf. Aus Sicht von Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) ist die verstärkte Jagd auf die organisierte Kriminalität ein lohnendes Geschäft für die Stadt. Man habe die „Chance, Millionen an kriminell erworbenem Vermögen für die Staatskasse abzuschöpfen“, twitterte der SPD-Politiker am Mittwoch. Auch die Opposition zeigte sich zufrieden.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Senator für Inneres und Sicherheit:Andy Grote (SPD)

Bei EncroChat* handelt es sich um eine Plattform, über die tausende illegale Tätigkeiten, insbesondere Drogenhandel und Waffengeschäfte abgewickelt worden sind, die auch immer wieder den Zoll im Hamburger Hafen beschäftigen. Im vergangenen Jahr hatten französische Ermittler jedoch Handys, Apps und verschlüsselte Chats geknackt und über Europol die Daten den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt. Die Staatsanwaltschaft in Hamburg erhielt knapp 3000 Datensätze mit 294.000 Lichtbildern.

Gehackte Encrochat-Daten: Hamburger Polizei macht Jagd auf Drogendealer und Waffenschmuggler

Die Auswertung der Daten und die eingeleiteten Ermittlungen saugen nun erhebliche Personalressourcen in der Hamburger Justiz auf. Deshalb schafft der Hamburger Senat nun 52 zusätzliche Stellen. Der Hauptteil liegt bei der Staatsanwaltschaft und den Gerichten. Aber auch die Hamburger Polizei soll neue Kollegen bekommen, vor allem IT-Spezialisten. Bislang arbeiten laut Senatsangaben 71 Personen in der Sonderkommission „BAO HHammer“ an der Verfolgung der Kriminellen.

Mit IT-Spezialisten und Einsatzkräften jagt Hamburg jetzt verstärkt nach Drogen- und Waffenschmugglern. (24hamburg.de-Montage)

Der Personalaufbau kostet die Stadt den Angaben zufolge neun Millionen Euro. Doch laut Dressel ist das Geld gut investiert. Bislang leiteten die Ermittlungsbehörden mehr als 100 Verfahren ein und führten über 220 Durchsuchungen durch. Dabei seien schon 40 Millionen Euro aus Drogen- und Waffengeschäften beschlagnahmt worden und dem Hamburger Haushalt zugeflossen. Und das sei erst der Anfang, betonte der Finanzsenator.

Vor diesem Hintergrund muss der Senat auch nicht mit reflexhafter Kritik der Opposition rechnen. Im Gegenteil. Angesichts der zu erwartenden zusätzlichen Verfahren und den Millioneneinnahmen sei das Handeln des Senats „unerlässlich“, teilte der justizpolitische Sprecher der CDU, Richard Seelmaecker, mit.

Illegale Drogenchats: Senat stellt mehr Personal – Justiz beschlagnahmt 40 Millionen Euro

Tatsächlich stehen die Beamten weiterhin vor einem großen Berg an Ermittlungen. Die Dimension sei wirklich „atemberaubend“, betonte Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne). Ihren Angaben zufolge stellen sich die Gerichte auf eine Steigerung der Waffen- und Drogenverfahren um 25 Prozent ein.

Im Landeskriminalamt (LKA) sei jedenfalls ein „Jagdfieber“ ausgebrochen, berichtete auch Innensenator Andy Grote (SPD) dem NDR. Denn zum ersten Mal hätten die Beamten die einzigartige Chance, nicht nur die Kleinkriminellen zu verhaften*, sondern auch gegen die Hintermänner des organisierten Verbrechens vorzugehen. „Man kann sagen: Wir stehen jetzt wirklich am Teich mit den großen Fischen“, frohlockte der Senator. Die Netze seien ausgeworfen. Man müsse sie jetzt nur noch an Land ziehen. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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