Großstadtrevier ganz klein

Davidwache: Kuriose Fakten zu Europas kleinstem Revier

  • Johannes Nuß
    VonJohannes Nuß
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Die Davidwache in St. Pauli ist berühmt. Darüber hinaus hat die kleinste Polizeiwache Europas auch eine bewegende Geschichte.

  • Die Davidwache ist die kleinste Polizeiwache Europa.
  • Polizei-Dienststelle dient als Vorbild für die ARD-Krimiserie „Großstadtrevier“.
  • Die Davidwache liegt direkt an der Partymeile Reeperbahn.

Hamburg – Die Davidwache Hamburg am Spielbudenplatz ist eine der bekanntesten Polizeistationen Deutschlands. „Klein, aber oho“, könnte man wegen ihrer Größe sagen. Denn die Davidwache ist die kleinste Polizeiwache Europas. Nicht einmal einen Quadratkilometer reicht ihr Revier rund um die Reeperbahn im Stadtteil St. Pauli.

Trotz ihrer Berühmtheit und der Lage im Tourismus-Hotspot in der Nähe der Landungsbrücken gibt es keine Führung durch die Wache – „aufgrund des laufenden Polizeibetriebes“, wie es auf der offiziellen Website der Stadt Hamburg heißt. Eine Besichtigung von außen lohnt sich aber trotzdem. Die historische Fassade ist ein tolles Fotomotiv für alle, die authentische Hamburg Bilder wollen. 

Sebastian Born ist seit September 2021 Chef der Davidwache. Seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn lebt er auch als Fußball-Schiedsrichter aus.

Direkt daneben am Spielbudenplatz steht außerdem das St. Pauli Theater. Fußläufig zu erreichen ist die Davidwache von der S-Bahnstation Reeperbahn aus. Dort halten die Linien S1, S2 und S3. Alternativ kann auch die U3 mit der U-Bahn Station St. Pauli genutzt werden. Den kürzesten Weg finden Besucher mit der Bushaltestelle Davidstraße. Wer statt mit der HVV lieber mit dem eigenen Auto fährt, kann in den Reeperbahn-Garagen parken – angeblich ist es mit das sicherste Parkhaus Hamburgs.

Davidwache: St. Paulis großer Filmstar

Die kleinste Wache Deutschlands ist ein großer Filmstar. Bekannt ist die Davidwache Hamburg unter anderem aus:

  • dem Film „Nur eine Nacht“ (1950)
  • dem Film „Polizeirevier Davidswache“ (1964)
  • dem Krimi „Fluchtweg St. Pauli – Großalarm für die Davidswache“ (1971)
  • der ARD-Serie „Großstadtrevier“ (seit 1986)
  • der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ (seit 2007)

Kult ist vor allem das „Großstadtrevier“ . In der Vorabendserie geht es seit mehr als 30 Jahren um „große Haie“ und „kleine Fische“, wie es im Titelsong heißt. Die Kiez-Bullen haben seit der ersten Folge bereits mehr als 400 Einsätze absolviert. Zweifelsfrei eine der beliebtesten Rollen war die des Polizisten Dirk Matthies, der sich vom Polizeiobermeister zum Oberkommissar hocharbeitete. Gespielt wurde die Rolle von Jan Fedder († 64, 2019), der in keinem Hamburg Wiki fehlen darf. Sein Tod bewegte viele Fans der Serie. Wer an der Davidwache fragt: „Hat Jan Fedder hier gearbeitet?“, erhält jedoch ein Nein als Antwort. Denn sowohl für „Notruf Hafenkante“ als auch für das „Großstadtrevier“ war die Station in Hamburg zwar Vorbild, aber kein Drehort.

Jan Fedder: Die Davidwache nimmt Abschied

Dennoch sind Jan Fedder und die Davidwache Hamburg eng verbunden. Im Jahr 2000 erhielt der Schauspieler die Auszeichnung zum Ehrenkommissar der Polizei Hamburg. Nach seinem Tod legte die Polizei an der Davidwache ein Buch aus, in dem Trauernde ihre Kondolenz zur Erinnerung an Jan Fedder bekunden konnten. Bei der Trauerfeier am 14. Januar 2020 trugen Beamte in Uniform seinen Sarg, bevor er mit Polizeieskorte ein letztes Mal durch seinen Kiez St. Pauli und über die Reeperbahn fuhr.

Nach der Trauerfeier für Jan Fedder wurde sein Sarg mit Polizeieskorte durch St. Pauli geleitet.

Mittlerweile ist sogar ein Jan-Fedder-Platz geplant. Der St. Pauli-Bürgerverein hat dafür den Bereich direkt vor der Davidwache vorgeschlagen. Auch das Sankt Pauli-Museum hat sich der Idee angeschlossen. Bei der Politik haben sie damit anscheinend offene Türen eingerannt. Eine Woche nach Fedders Tod kündigte die Regierungskoalition der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte an, die Benennung eines „angemessenen Platzes“ nach Jan Fedder zu beantragen. Zwischenzeitlich hatte der Bürgerverein schon den nächsten Vorschlag: Er wünschte sich für die U-Bahn-Station St. Pauli eine Haltestellen-Ansage mit der Stimme des Verstorbenen.

Einsatz auf der berüchtigten Reeperbahn

Es ist also immer etwas los auf St. Pauli und das bekommen auch die Polizistinnen und Polizisten zu spüren. Über 100 Bedienstete arbeiten aktuell im Polizeikommissariat 15 – kurz PK 15 – in der Davidwache Hamburg. Ein Einsatzschwerpunkt ist die Reeperbahn, wo zwischen Kneipen, Bars und Bordsteinschwalben auch Kriminelle unterwegs sind. Zwar kennt die Partymeile um ihre schillernden Stars wie Olivia Jones keine festen Öffnungszeiten, am meisten ist aber am Wochenende los. Darüber hinaus muss sich die Polizei auf Veranstaltungen wie das Reeperbahn-Festival vorbereiten.

Während also andere feiern, sind in Hamburg die Mitarbeiter der Davidwache fleißig im Einsatz. Sie versuchen zum Beispiel den Drogendealern ihr Geschäft zu vermiesen, die in den Feiernden potenzielle Kundschaft sehen. „Das können wir nicht tolerieren“, sagte der vorherige Leiter der Davidwache, Ansgar Hagen, in einem Interview. Er habe selbst schon gesehen, „wie Kinder zusammen mit ihren Eltern auf dem Weg zur Schule an den Dealern vorbei mussten“. Die Polizei hat deshalb 2016 eine Task Force Drogen eingerichtet. Sein Nachfolger ist Sebastian Born seit September 2021.

Polizeistation im linken Szeneviertel St. Pauli

Dass die Anwohner das Einschreiten der Polizei kritisch beobachten, wie es der ehemalige Davidwache-Boss Ansgar Hagen formuliert, ist kein Wunder. St. Pauli gilt seit jeher als linkes Szeneviertel. Wegen der aus ihrer Sicht rassistischen Kontrollen der Polizei von Innensenator Andy Grote hat sich die Gruppe „Copwatch“ gegründet.

Der Kontakt der Nachbarn mit der Polizei ist aber schon länger belastet. Spätestens seit aufgeflogen ist, dass ein vermeintlicher Angriff auf die Davidwache Hamburg größtenteils erfunden war. Wie es die Polizei dargestellt hatte, sollen rund 40 Linksautonome im Dezember 2013 die Davidwache angegriffen und dabei einen Polizisten schwer verletzt haben.

Wenig später musste sie zugeben, dass die Attacke auf den Polizisten nicht an der Reeperbahn, sondern in 200 Metern Entfernung stattgefunden hatte. Der Täter sei ein Kiez-Besucher gewesen. Trotzdem nutzte die Polizei den angeblichen Angriff, um ein Gefahrengebiet auszurufen, in dem sie ohne Anlass kontrollieren darf.

„Besuch“ von Paul McCartney in der Davidwache

Doch das ist nicht der einzige kuriose Vorfall in der Geschichte der Davidwache Hamburg. Ein Mitglied der Beatles stattete 1960 der Davidwache einen unfreiwilligen Besuch ab. Paul McCartney (*18.06.1942) musste eine Nacht auf der Wache verbringen. Angeblich soll er mit dem Schlagzeuger Pete Best (*24.11.1941) aus Wut auf den Vermieter etwas in seiner Unterkunft angezündet haben.

Insgesamt blickt die Davidwache auf eine über hundertjährige Geschichte zurück. Seit 1914 steht das Klinkergebäude der Polizei Hamburg mit dem großen, weißen Polizei-Schriftzug am Spielbudenplatz. Der Name hat seinen Ursprung in der Lage an der Ecke zur Davidstraße. Offiziell darf sich das Kommissariat aber erst seit 1970 Davidwache nennen. Inzwischen steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Zum 100. Geburtstag hat die kleinste Polizeiwache Europas einen noch kleineren Zwilling bekommen.

Dieser steht im Miniatur Wunderland Hamburg. Wer Hamburg in Modellgröße ansehen will, sollte an eine Reservierung über die Website denken. So lässt sich die Wartezeit vor dem Besuch verkürzen. Per Telefon erreichen Sie das Miniatur Wunderland unter 040 300 6 800. Mit Google Maps lässt sich die Anreise mit dem Auto planen.

Hamburger Polizei wird neu strukturiert

Weil sich die Polizei Hamburg 2003 neu strukturierte und verschiedene Dienststellen zusammenlegte, brauchte die Davidwache wesentlich mehr Platz. Der deshalb errichtete Anbau orientiert sich an der Backsteinoptik des Originalbaus, integriert aber große Glasfronten.

Für die „Verbindung zwischen Alt und Neu“ zeichnete der Hamburger Architekten- und Ingenieurverein die Erweiterung der Davidwache als „Bauwerk des Jahres 2004“ aus. Der charakteristische Altbau bleibt jedoch das prägende Bild, das Einheimische und Reisende mit der Davidwache Hamburg verbinden. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Elias Bartl

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