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Heftige Corona-These: Uni widerspricht eigenem Professor

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Ist ein Laborunfall die Schuld am Coronavirus? Das sagt Hamburgs Uni-Professor Roland Wiesendanger. Neben Wissenschaftlern distanziert sich auch die Uni Hamburg. 

Update von Sonntag, 21. Februar 2021, 14:15 Uhr: Hamburg – Nachdem sie zunächst geschwiegen hatte, äußert sich nun auch die Universität Hamburg zur Studie des Hamburger Nanowissenschaftlers Professor Roland Wiesendanger, die dieser zum Ursprung des Coronavirus veröffentlicht hat. Das Dekanat der MIN (Institut für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften)-Fakultät und die interdisziplinäre Corona-Task-Force der Uni Hamburg beziehen dabei klar Stellung.

Wie das MIN-Dekanat mitteilt, will es das Wort „Studie“, so wie es die Uni-Pressestelle bei Wiesendangers Untersuchung tat, nicht nutzen. Das Papier des Wissenschaftlers habe keinen „Peer-Review-Prozess durchlaufen und ist daher eher als nicht wissenschaftlicher Aufsatz oder Meinungsäußerung zu bezeichnen.“ Da die Studie über die offiziellen Kanäle der Universität Hamburg verbreitet wurde, erwecke es den Anschein, dass es sich um fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse handelt. Das aber sei nicht so und würde intern für Befremden sorgen, teilt das Dekanat mit.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Ein Großteil der Wissenschaftler der Fakultät würde sich daher „von den indizienbasierten Aussagen distanzieren“. Die sogenannte „Coronavirus Structural Task Force“ der Uni Hamburg geht derweil noch deutlicher auf Abstand von der Studie, bezeichnet sie als „reichlich verworrene Medienrecherche“ und erklärt, dass das Problem sei, „dass sie anscheinend vom Autor alleine verfasst und nicht begutachtet wurde“. Uni-Präsident Professor Dieter Lenzen äußert sich unterdessen weiterhin nicht zu Wiesendangers Werk.

Steile Corona-These: Laborunfall aus Wuhan – so sieht‘s Wiesendanger

Update von Freitag, 19. Februar 2021, 20.17 Uhr: Hamburg – Die umstrittene Untersuchung zum Ursprung des Coronavirus des Nanowissenschaftlers Professor Roland Wiesendanger von der Universität Hamburg stößt in der Wissenschaftswelt auf immer größere Ablehnung. Unter anderem ging die Wissenschaftsbehörde am Freitag auf vorsichtige Distanz zu den am Vortag veröffentlichten Ergebnissen. „Wissenschaftsfreiheit ist ein unverrückbares Gut. Gleichwohl gilt für alle Form wissenschaftlicher Forschung, dass bei unklarer oder unsicherer Datenlage Zurückhaltung in der Bewertung angebracht ist“, teilte ein Sprecher von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) der Deutschen Presseagentur (dpa) mit.

Ein Wissenschaftler arbeitet mit einer Pipette in einem Labor.
Wurde das Coronavirus bei einem Laborunfall freigesetzt? Eine Hamburger Studie behauptet das. (24hamburg.de-Montage) © Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

Wie berichtet, hatte die Studie am Vortag für Furore gesorgt. So kommt der Nanowissenschaftler Wiesendanger in seinem Papier zu dem Schluss, dass sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der Pandemie sprechen. Dafür wertete er ein Jahr lang verschiedene Quellen aus.

Hamburger Corona-Studie: Wissenschaftswelt schweigt zur Laborunfall-Theorie

Während in den sozialen Netzwerken viele User wegen der Methodik schnell mit Empörung reagierten, halten sich Wissenschaftskreise bei der Bewertung der Studie auffällig zurück, die auch im Widerspruch zu Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO stehen. Weder beim Hochschulrat der Universität, noch beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) oder beim Bernhard-Nocht-Institut wollte man die Arbeit kommentieren.

Katahrina Fegebank (Grüne) redet auf einem Podium ihrer Partei.
Will die Corona-Studie lieber nicht bewerten: Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). (24hamburg.de-Montage). © Georg Wendt/dpa/picture alliance

Wiesendanger selber zeigte sich unbeeindruckt von dem Schweigen. Es sei ihm vollkommen klar gewesen im Vorfeld, so teilte er am Freitag mit, was auf ihn zukomme. So liefert die Studie auch genug Stoff für Verschwörungstheoretiker. Er halte es trotzdem für wichtig, dass das Thema in internationalen Fachkreisen stärker diskutiert werde, so Wiesendanger.

Stammt Corona aus einem Laborunfall? Hamburger Professor legt umstrittene Studie vor

Erstmeldung von Donnerstag, 18. Februar 2021, 13.48 Uhr: Hamburg – Eine Untersuchung lässt aufhorchen: Laut einer Studie eines Hamburger Forschers könnte das Coronavirus aus einem Laborunfall in Wuhan (China) stammen. In seiner Analyse komme der hochdekorierte Nanowissenschaftler Prof. Dr. Roland Wiesendanger zu dem Ergebnis, dass sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien für diese Theorie spreche, teilte die Universität am Donnerstag mit, die das Papier am Mittag veröffentlichte.

Die Arbeit befeuerte umgehend eine internationale Debatte neu, die seit geraumer Zeit um diese Theorie kreist. Es werden immer wieder auch Zweifel laut an der Studie, wie auch msl24.de berichtet.

Physikern an der Universität Hamburg:Roland Wiesendanger
Geboren:5. Oktober 1961 in Basel
Fachegebiet:Rastertunnelmikroskopie
Auszeichnung:ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats

Nach Angaben der Universität in der Hansestadt Hamburg wurde die Studie von Januar bis Dezember 2020 durchgeführt. Dafür wertete Wiesendanger verschiedene Quellen aus. Dies seien „wissenschaftliche Literatur, Artikel in Print- und Online-Medien sowie persönliche Kommunikation mit internationalen Kolleginnen und Kollegen“, hieß es in der Pressemitteilung der Uni. Einschränkend wurde jedoch betont, dass die Studie „keine hochwissenschaftlichen Beweise, wohl aber zahlreiche und schwerwiegende Indizien“ liefern könnten. Insgesamt sechs Punkte listet die Universität auf, die die Schlussfolgerung von Wiesendanger unterstreichen sollen. Hier der Überblick:

Coronavirus als Laborunfall: Diese sechs Punkte sprechen für die Theorie

Die Theorie, dass der Ursprung der Pandemie auf einen Laborunfall zurückgeht, ist nicht neu. Sie wurde bereits international diskutiert, zum Teil dabei aber auch verworfen. Jedoch erfreut sie sich insbesondere bei Verschwörungstheoretikern* und Querdenkern* einer großen Beliebtheit. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass der Hamburger Wissenschaftler ein Sympathisant dieser Bewegung ist. Im Gegenteil. Er gilt mit seinen Arbeiten als renommiertes Aushängeschild der Universität.

Professor Roland Wiesendanger steht in seinem Uni-Labor.
Sorgt mit einer Corona-Studie für Aufsehen: Hamburgs Physik-Professor Roland Wiesendanger. (24hamburg.de-Montage) © Universität Hamburg

Wiesendanger ist jedoch kein Virologe. Sein Fachgebiet sind die Nanowissenschaften. Mit der sogenannten „spinauflösenden Rastertunnelmikroskopie“ legte er wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die weit über Hamburg hinaus Beachtung fanden und mit denen er bereits als Kandidat für den Physik-Nobelpreis gehandelt wurde.

Ursprung des Virus: Weltgesundheitsorganisation kommt zu anderem Ergebnis

Dennoch zweifeln einige seine Expertise auf dem Feld der Coronaforschung jetzt massiv an. Bei Twitter fanden sich viele Skeptiker und bezeichneten die Studie als halbgar. „Ein Physiker und Experte für Raster-EM, ohne kriminalistische Erfahrung, dafür mit einigen Konjunktiven in der Argumentation“, schrieb etwa ein Nutzer. Und weiter: „Das heißt nicht, dass er nicht recht hat, aber für bare Münze sollte man es nicht gleich nehmen.“ Das wirke auf den ersten Blick erst einmal alles „durchwachsen“, schrieb eine andere Userin.

Unterstützung bekommen die Skeptiker dieser Theorie auch durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die die Pandemie weltweit untersucht und die Laborunfall-Theorie* zuletzt als „höchst unwahrscheinlich“ bezeichnete. Ein Expertenteam aus 17 Fachleuten hatte zuvor vor Ort in Wuhan umfangreiche Analysen vorgenommen. „Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einschleppung über eine Zwischenwirtsspezies der wahrscheinlichste Weg ist, der weitere Studien und gezieltere Forschung erfordert“, sagte danach der Forschungsleiter Peter Ben Embarek. 

Dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht abgeschlossen sind, das betont Wiesendanger auch. Zunächst hat er seine Studie über einen Pre-Server in Wissenschaftskreisen verteilt. Er versteht seinen Beitrag ausschließlich als weiteren Denkanstoß bei der Aufarbeitung der Pandemie. Er wolle mit der Veröffentlichung eine breit angelegte Diskussion anregen, insbesondere im Hinblick auf die ethischen Aspekte der sogenannten „gain-of-function“-Forschung, welche Krankheitserreger für Menschen ansteckender, gefährlicher und tödlicher macht. „Die Pandemie wird uns noch auf Jahre beschäftigten“, warnte der Wissenschaftler. Nur wenn man den Ursprung genau kenne, könne man daraus Vorkehrungen für die Zukunft treffen, so Wiesendanger. *24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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