Eltern besorgt

Hamburg: Schnelltest-Stopp an Schulen – zig Millionen Euro verfeuert

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Hamburg steckt im Lockdown. Doch für einige Kinder sind die Schulen offen – dank vieler Schnelltests. Nun gibt es Aufregung um giftige Substanzen. Was ist dran?

Update vom Mittwoch, 21. April 2021, 21:42 Uhr: Hamburg – Aufregung um Schnelltests an Hamburger Schulen: Nach einem Medienbericht enthalten die Corona-Tests des koreanischen Herstellers SD Biosensor eine giftige Substanz in der Reagenzflüssigkeit. Die Gesundheitsbehörde bestätigte der „Welt“ grundsätzlich den Kauf von rund zwei Millionen Testkits im Wert von fast 10 Millionen Euro. Doch zugleich versuchte ein Sprecher, die Besorgnis vieler Eltern zu beruhigen.

Plädiert für vorsichtige Schul-Öffnung: Senator Ties Rabe (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Bei einem normalen Gebrauch kämen die Schüler nicht mit der Substanz in Berührung, sagte der Sprecher dem „Hamburger Abendblatt“. Lediglich der Tupfer, mit dem der Abstrich in der Nase vorgenommen werde, müsse nach dem Entnehmen der Probe in die Flüssigkeit getaucht werden, in dem der giftige Stoff enthalten sei. Der Hersteller des Tests, der von der Firma Roche vertrieben wird, verwies auf die Warnhinweise im Beipackzettel. In den Schulen sollten Kinder unter 18 Jahren den Test unter Aufsicht eines Erwachsenen machen.

Ein Sprecher der Schulbehörde sagte, dass die Tests durch mehrere Institute als medizinische Produkte zugelassen und als unbedenklich klassifiziert seien. Man werde die angeschafften Produkte auch einsetzen. Die Selbsttests flankieren in Hamburg eine vorsichtige Öffnungsstrategie für die Schulen im strengen Corona-Lockdown.

Selbsttests an Hamburgs Schulen: Mindert das die Gefahr für Kinder?

Update von Montag, 22. März 2021, 15:57 Uhr: Hamburg – Mit flächendeckenden Massentests soll jetzt der Schulalltag abgesichert werden. Seit dem heutigen Montag, 22. März 2021, soll jede Schülerin und jeder Schüler in der Hansestadt sowie das komplette Schulpersonal drei Mal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. Das kündigte Schulsenator Ties Rabe an.

Seinen Angaben zufolge wurden an die Bildungseinrichtungen 480.000 Testkits geliefert. Dadurch könne die Sicherheit in den Schulen massiv erhöht werden, sagte Rabe in einem Gespräch mit der ARD. Die Handhabung, die Rabe bereits vor kurzem mit Nasenbohren verglichen hatte, sei einfach und habe sich in Pilotversuchen an den Schulen als brauchbar herausgestellt.

Die Massentests sind Teil eines strengen Hygienekonzeptes, mit dem der Hamburger Senat die Schulöffnungen trotz des gestiegenen Infektionsgeschehens möglich machen will. Während Jugendmediziner die Öffnungsschritte zuletzt begrüßten, warnen auch andere Stimmen vor vorschnellen Lockerungen. Sie sehen Schulen und Kitas durchaus als Pandemietreiber. Am Montagnachmittag wollten die Ministerpräsidenten noch einmal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen bei ihrem Corona-Gipfel* beraten.

Coronavirus: Hamburgs Schulen offen – Gefahren für Kinder?

Erstmeldung von Montag, 15. März 2021, 13:56 Uhr: Hamburg – Trotz hoher Corona-Infektionszahlen kehrt seit Montag, 15. März 2021, in Hamburg für viele Familien der Schul- und Kita-Alltag zurück. Doch die Kritik an der Entscheidung wächst. So appellierte SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach jetzt an die Länder, die Bildungseinrichtungen umgehend wieder dichtzumachen.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

„Alle Schulen, auch die Grundschulen, sollten mindestens bis Ostern wieder geschlossen werden“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. Er begründete die Forderung damit, dass die Infektionszahlen wieder stark anstiegen und sich die gefährlicheren Virusmutationen „insbesondere auch bei den Jüngeren rasant ausbreiten“. In einigen Bundesländern holten deshalb offenbar Eltern ihre Kinder bereits per Attest aus den Schulen* heraus.

Schule und Kita in Hamburg: So läuft der Präsenzunterricht trotz steigender Corona-Zahlen

Ungeachtet dessen hält Hamburg aber vorerst an seinem Öffnungsbeschluss fest. Nach drei Monaten Homeschooling, was manche Eltern an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte, wurde der Präsenzunterricht für einen Teil der Schüler am Montag, 15. März 2021, wieder hochgefahren. Zuvor waren bereits alle anderen Bundesländer zu einem normalisierten Schul- und Kitabetrieb zurückgekehrt. Wegen der März-Ferien, die erst am Freitag in der Hansestadt endeten, zog Hamburg nun als letztes Land nach. Auch die Kitas wechselten von der Notbetreuung wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb.

Schnell noch einen Corona-Test: In Hamburg starten die Schulen wieder in den Regelbetrieb. (24hamburg.de-Montage)

Die Rückkehr der Schüler erfolgt in Hamburg aber stufenweise. Zunächst einmal können die Grundschüler und die Jugendlichen in den Abschlussklassen der weiterführenden Schulen wieder in den Klassenräumen unterrichtet werden. Allerdings werden die Klassen halbiert und es findet ein Wechselunterricht statt. Das heißt, dass ein Teil der Schüler in der Schule sitzt und der andere Teil daheim vor dem Computer. Die Gruppen werden dann tage- oder wochenweise durchgetauscht.

Nach Angaben der Schulbehörde erleben dadurch rund 60 Prozent der Hamburger Schüler wieder einen Schulalltag. Flankiert werden soll der Neustart durch ein umfangreiches Hygienekonzept. Neben den bekannten Abstands-, Masken- und Belüftungsregeln werden neuerdings auch Schnelltests eingeführt. Rund vier Millionen Testkits hat die Stadt bereits angeschafft.

Schulbetrieb trotz Corona: Senator setzt auf Hygieneregeln und massenhaft Schnelltests

Demnach sollen die Schulbeschäftigten fortan zweimal pro Woche auf eine mögliche Infektion überprüft werden. In den kommenden Wochen sollen die Tests dann auch auf die Schüler ausgeweitet werden. Die Handhabung sei so einfach wie Nasebohren, hatte Schulsenator Ties Rabe (SPD) bei der Vorstellung des Schul-Öffnungkonzeptes versprochen. Von den Tests hängt einiges ab. Sollte sich das Konzept bewähren und das Infektionsgeschehen so kontrollierbar werden, dann sollen ab Ostern auch die übrigen 40 Prozent der Schüler wieder in den Schulalltag integriert werden.

Auf die Lockerungen im Schul-Lockdown hatten sich die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim vergangenen Corona-Gipfel geeinigt. Zuvor hatten Sozialverbände, Kinderärzte, aber auch Bildungs- und Gesundheitspolitiker vor den negativen Auswirkungen eines Dauer-Lockdowns auf die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gewarnt. Auch Senator Rabe hatte im 24hamburg.de-Interview deutlich gemacht, wie wichtig der soziale Austausch für Heranwachsende sei und den Neustart als vertretbar bezeichnet.

Gesundheitspolitiker Lauterbach, der auch immer wieder von Corona-Leugnern angefeindet wird, sieht aber das Testkonzept noch nicht als ausgereift an. Es sei noch nicht flächendeckend erprobt, warnte er. Es sei wichtig, Lehrer und Schulpersonal erst einmal mit der richtigen Anwendung der Tests zu trainieren, sagte der Sozialdemokrat. Erst wenn das alles reibungslos laufe und es tatsächlich ausreichend Testkapazitäten gebe, könne man nach Ostern über weitgehende Schulöffnungen nachdenken. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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