Coronavirus-Sars-CoV-2

Experte skeptisch: Coronavirus-Schnelltest von Roche nur Augenwischerei?

  • Christian Domke Seidel
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Der Coronavirus-Schnelltest des Pharmaunternehmens Roche soll in 15 Minuten ein Ergebnis liefern. Noch im September soll er verfügbar sein. Doch Experten sind skeptisch. 

  • Coronavirus-Schnelltest von Roche soll in 15 Minuten ein Ergebnis liefern.
  • Experte zweifelt an Wirksamkeit im Kampf gegen das Coronavirus-Sars-CoV-2*.
  • Hamburg* könnte Engpass bei Test-Kits bevorstehen.

Hamburg – Der Pharmakonzern Roche hat einen Coronavirus-Schnelltest entwickelt. In nur 15 Minuten beantwortet dieser, ob eine Person mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2 infiziert ist. Das könnte zu neuen Freiheiten wie Großveranstaltungen oder sicheren Altenheimbesuchen führen. Doch erste Experten melden Zweifel an der Alltagstauglichkeit an.

UnternehmenHoffmann-La Roche
CEOSeverin Schwan (März 2008-)
ZentralBasel, Schweiz
Mitarbeiterzahl97.735 (2019)
RechtsformAktiengesellschaft
GründerFritz Hoffmann-La Roche

Coronavirus-Schnelltest von Roche: Ergebnis in 15 Minuten – echte Hilfe oder Augenwischerei?

Wer sich in Hamburg auf das Coronavirus-Sars-CoV-2 testen lassen will oder muss, braucht Geduld. Vor den Testzentren müssen Patienten mitunter stundenlang warten. Auch kann es zwei Tage dauern, bis das Ergebnis vorliegt. Ein Zeitraum, den Testpersonen in Quarantäne verbringen müssten. Doch auf Hamburg kommt ein weiteres Problem zu – die Grippesaison. Symptome, die denen einer Coronavirus-Sars-CoV-2-Infektion sehr ähneln, werden sich häufen. Aus Sicherheitsgründen müssen diese Menschen getestet werden.

Der Coronavirus-Schnelltest von Roche könnte die langen Wartezeiten vor Testzentren verkürzen. (24hamburg.de-Montage)

Ein Engpass bei den Test-Kapazitäten drohe allerdings nicht, glaubt die Gesundheitsbehörde. Wie der „NDR“ berichtet, könnten die Labore der Stadt rund 19.000 Tests pro Tag auswerten. Mit etwa 9.600 Tests pro Tag würde nur etwas mehr als die Hälfte davon ausgeschöpft. Weitere Laborkapazitäten zu bekommen, sei kein Problem. Lediglich die Test-Kits könnten ausgehen. Denn die seien aufgrund der hohen Nachfrage Mangelware.

Schon im September 2020 soll der Coronavirus-Schnelltest von Roche auf den Markt kommen

Der Pharmakonzern Roche aus der Schweiz könnte hier Abhilfe schaffen. Das Unternehmen hat einen Coronavirus-Schnelltest angekündigt. Er soll noch im September 2020 auf den Markt kommen. In nur 15 Minuten kann er auswerten, ob eine Person mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2 infiziert ist oder nicht. 40 Millionen Einheiten davon könne der Konzern pro Monat produzieren.

Doch auch beim Coronavirus-Schnelltest von Roche gibt es ein paar Probleme. Das erste ist, dass für den Test eine Probe aus dem Nasenrachenraum entnommen werden muss. Ein Handgriff, der nicht ganz einfach ist und nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden kann. Ein Schnelltest für den Hausgebrauch ist es also nicht. Denn die Qualität der entnommenen Probe ist für die Genauigkeit des Ergebnisses entscheidend.

Coronavirus-Sars-CoV-2: Bei vier von hundert Personen wird Infektion nicht erkannt

Beim Coronavirus-Schnelltest von Roche wird die entnommene Probe auf einen Teststreifen aufgetragen. Sind „Antigene in ausreichender Konzentration vorhanden“, wie Roche schreibt, falle der Test positiv aus. Das könnte ein Problem werden. Denn es gibt Menschen, die mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2 infiziert sind, aber kaum Symptome aufweisen. Sie haben eine geringe Konzentration an Antigenen. Ob der Test diese erkennt, ist fraglich.

Die Probenentnahme für den Coronavirus-Test darf nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden.

Mit einer Sicherheit von 96 Prozent erkennt der Test, ob Erkrankte tatsächlich krank sind, gibt Roche an. Das ist die sogenannte Sensitivität. Das bedeutet, dass vier von hundert Infizierten nicht entdeckt werden. Im Vergleich zum bisher verwendeten PCR-Test ist das allerdings eine Verbesserung. Dessen Sensitivität liegt bei 95 Prozent.

Medizinisches Fachpersonal auch für Coronavirus-Schnelltest von Roche erforderlich

Dazu käme, dass laut deutschem Infektionsschutzgesetz nur Ärzte und Ärztinnen eine Infektion nachweisen dürften, erklärt Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin im Marienhospital in Stuttgart, gegenüber der Zeitung „Innsalzach24“. Schnelltests könnten nie so präzise sein wie PCR-Tests, glaubt er. Und schiebt nach: „In der Patientendiagnostik und bei Reiserückkehrern haben die Antigen-Tests aber nichts verloren.“

Dabei sind genau das die Bereiche, in denen die Coronavirus-Schnelltests von Roche helfen sollen. Also zum Beispiel vor einem Krankenhaus oder einem Altenheim. Jeder Besucher könnte per Schnelltest auf das Coronavirus-Sars-CoV-2 getestet und dann nach 15 Minuten eingelassen werden. Es würde die Sicherheit der Risikopatienten drastisch erhöhen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass infizierte Menschen nicht als solche erkannt werden, sei zu hoch, glaubt Orth. Der Schnelltest könnte vor allem helfen, gesunde Menschen regelmäßig zu testen. Beispielsweise in Schulen.

Lockerung der Coronavirus-Maßnahmen in Hamburg: Fischmarkt öffnet

Wie in ganz Deutschland hoffen auch in Hamburg die Menschen auf eine Lockerung der Maßnahmen gegen das Coronavirus-Sars-CoV-2. Und in der Hansestadt tut sich was. So darf am Sonntag, 6. September 2020, der Hamburger Fischmarkt nach Monaten des Lockdowns wieder offen*. In anderen Bereichen mussten die Maßnahmen allerdings verschärft werden. So kriegen Maskenmuffel im öffentlichen Personennahverkehr jetzt Bußgelder* aufgebrummt. Auch an eine Rückkehr ins Fußballstadion ist noch nicht zu denken. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa/picture alliance

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