„Es ist fünf nach zwölf“

Pleitewelle durch Corona: Hamburgs Innenstadt stirbt

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Äußerst dunkle Zeiten für den Einzelhandel in der Hamburger City: Die Umsätze während der Coronavirus-Krise sind so gering, dass viele Shops kurz vor der Insolvenz stehen – einige mussten bereits dicht machen.

  • Geschäften in der Hamburger City droht die Insolvenz.
  • Einige Shops mussten wegen der Coronavirus-Krise bereits schließen.
  • Anders sieht es in umliegenden Stadtteilen aus.

Hamburg – Rund um Mönckebergstraße, Jungfernstieg und Gänsemarkt merkt man gerade nicht viel von der aktuellen Krise, die der Hamburger Einzelhandel durchmachen muss – das Frühlingswetter treibt die Menschen wieder raus. Durch die teilweisen Ladenöffnungen seit dem 20. April sind die Straßen nicht mehr ganz so leergefegt wie noch zu Beginn der Coronavirus-Sars-CoV2-Pandemie. Doch der Schein trügt: Viele Kassen bleiben leer, Tag für Tag. Eine massive Insolvenzwelle bedroht die Geschäfte in der Hamburger Innenstadt.

Coronavirus in Hamburg: Geschäften in der Innenstadt droht die Pleite

„Die Situation für die Geschäfte in der Innenstadt ist dramatisch“, erklärt City-Managerin Brigitte Engler gegenüber dem Hamburger Abendblatt. „Wir sprechen von Einbußen bis zu 80 bis 90 Prozent.“. Die ersten Folgen der Coronavirus-Krise machten sich schon bemerkbar: Bereits vier oder fünf Geschäfte hätten schon Insolvenz angemeldet, so Engler gegenüber der Mopo. Weitere könnten schon bald folgen – vor allem Boutiquen oder kleinere Shops bekämen die Auswirkungen als erstes zu spüren, denn sie seien „abhängig davon, dass die Flagship-Stores öffnen“.

City-Managerin Brigitte Engler bezeichnet die Situation für den Einzelhandel in der Hamburger Innenstadt als „dramatisch“. Vielen Geschäften droht Insolvenz. (24hamburg.de-Montage)

Hamburger sind während Coronavirus-Krise nicht in Shoppinglaune

Die fehlende Kaufkraft der Kunden während der Coronavirus-Krise geht auch mit einer fehlenden Shoppinglaune einher. Für viele Hamburger wird das Einkaufen zum schnell abzuhakenden To-Do. Das kann vor allem die ECE-Projektmanagement GmbH bestätigen, die mehrere Shoppingcenter in Hamburg betreibt, dazu zählen die Europa Passage oder die Hamburger Meile. Die Kunden würden weniger bummeln und zielgerichteter einkaufen, bestätigte ECE-Sprecher Lukas Nemela gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Die ECE verzeichne ebenfalls deutlich weniger Besucherzahlen – trotz Hygienemaßnahmen wie beispielsweise Desinfektionsspendern oder keimfreien Oberflächenbeschichtungen.

Die seit dem 22. April geltende Maskenpflicht in Hamburg sei für viele Menschen ein weiteres Hindernis, einkaufen zu gehen – das vermutet Brigitte Nolte, Geschäftsführerin vom Handelsverband Nord: „Für die Kunden ist der Einkauf dadurch mit noch mehr Einschränkungen verbunden“.

Hinzu kommen weitere Einschränkungen durch die 800 Quadratmeter-Regelung. Das Angebot in den Geschäften sei begrenzt und dadurch auch weniger attraktiv – die Kunden wären unzufrieden, so Engler. „Es ist fünf nach zwölf, und ich weiß nicht, ob wir die Uhr noch zurückdrehen können.“.

Weniger stark betroffen von der Coronavirus-Krise seien nach Umfrage des Hamburger Abendblatts die Hamburger Stadtteile. In Ottensen beispielsweise gebe es mehr Stammkunden, die auch den persönlichen Austausch mit den Verkäufern suchen.

Auch Gastronomie in Hamburg stark von Coronavirus-Krise betroffen

Die Gastronomie leidet wie der Einzelhandel ähnlich stark unter der Coronavirus-Pandemie. Deutsche Gastronomen und deren Zulieferer bangen weiterhin um ihre Existenz und rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze im Gastrogewerbe sind bedroht – 24hamburg.de berichtete. Den Hamburger Koch Tim Mälzer trifft das besonders stark – bei Markus Lanz flossen sogar Tränen angesichts der katastrophalen Lage, welche die Gastronomie überwinden muss. Mälzer will jetzt handeln und ergriff in den Tagesthemen ergriff er das Wort für tausenden deutsche Gastronomen. Zu seinen Forderungen an die Politik gehören beispielsweise eine Mehrwertsteuersenkung, Mietminderungen und Rettungsfonds.

Vielleicht könnte sich die Situation für Hamburger Restaurants aber schon bald bessern: Wie der NDR bekannt gab, dürfen Restaurants in der Hansestadt schon am 13. Mai wieder öffnen.

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