Thai Oase, Roschinsky‘s, Zwick

Kultigen Kiez-Kneipen droht Coronavirus-Desaster

  • Carolina Baldin
    vonCarolina Baldin
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Aufgrund des Coronavirus-Sars-CoV-2 droht in Hamburg die Ära der kultigen Kiez-Kneipen auf der Reeperbahn in St. Pauli zu enden. Stehen die Thai Oase, das Roschinsky's sowie das Zwick tatsächlich vor dem Aus?

  • Fast zwei Monate mussten die Bars und Kneipen auf dem Hamburger Kiez ihre Türen für Besucher geschlossen halten.
  • Seit dem 13. Mai kehrt auf der weltberühmten Reeperbahn allmählich wieder Leben ein - unter strengen Auflagen.
  • Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus machen die Kiez-Kneipen jeden Tag Verluste.

Hamburg/Reeperbahn – Rund acht Wochen war der Kiez in Hamburg wie ausgestorben. Die Ausgangsbeschränkungen im Kamp gegen das Coronavirus haben vor allem die zahlreichen Kneipen und Bars auf der Reeperbahn in St. Pauli an der Elbe getroffen. Jetzt füllt sich die Partymeile zaghaft mit ersten Besuchern. Doch aufgrund der strengen Auflagen machen viele Lokale Verluste.

StadtteilSankt Pauli
OrtHamburg
BezirkHamburg-Mitte
Fläche2,6 km²
Einwohner 22.097 (Stand: 31. Dezember 2019)

Coronavirus: Hamburger Kiez-Kneipen leiden unter den Auflagen zur Eindämmung der Pandemie

Aufgrund der Coronavirus-Krise stehen vor allem Bars und Kneipen in Hamburg kurz vor dem Aus. Obwohl Gaststätten und Restaurants unter Auflagen wiedereröffnen dürfen, lohnt es sich für viele Inhaber nicht.

Auch Dan, der Betreiber der legendären Karaoke-Bar Thai Oase, äußert sich gegenüber RTL Nord kritisch: „Weil wir so eine kleine Bar haben, darf keiner vorne an der Bar sitzen. Tanzflächen dürfen nicht besetzt werden, laute Musik können wir auch nicht machen.“

Wie viele andere Bars ist auch die Thai Oase von der Coronavirus-Krise stark betroffen. „Wir haben echt Probleme, wir haben keine einzige Einnahme. Wenn das nicht gelockert wird, sind wir irgendwann nicht mehr da“, so Dan.

Coronavirus-Einsatz der Hamburger Polizei im Zwick

In der Nacht zum Sonntag wurde das Zwick, welches auch eine Lokalität auf dem Kiez hat, in Pöseldorf geräumt. Laut dem Hamburger Abendblatt meldeten Anwohner dort eine wilde Party mit zahlreichen Gästen. Insgesamt konnte die Polizei Hamburg dort die Personalien von 89 Besuchern feststellen. Die Gäste sollen dicht an dicht gestanden haben. „Es gab deutlich engen Körperkontakt und niemand trug einen Mundschutz“, so Polizeisprecher Florian Abbenseth.

Laut Bild soll es sich um die Geburtstagsfeier des Zwick-Wirts Uli Salm gehandelt haben. „Der Zustrom [der Gäste] sei schwer zu kontrollieren“, so der Promi-Wirt gegenüber der Bild. Die Kneipe muss nun mit 5.000 Euro Bußgeld rechnen und wird vorerst wieder schließen.

Hamburger Kneipe „Roschinsky‘s“ ruft auf St. Pauli um Hilfe

Unter normalen Umständen können in der Tanzbar Roschinsky‘s bis zu 200 Leute gleichzeitig feiern. Wegen des Coronavirus-Sars-CoV-2 sind aktuell nur noch 41 Gäste erlaubt. Auch vor der Tür sieht es nicht besser aus. Hier dürfen sich maximal 10 Besucher zur selben Zeit aufhalten.

Hamburger Kiez-Kneipen auf der Reeperbahn droht das Coronavirus-Aus. (Archivbild)

Ein echtes Problem für die kultige Kiez-Kneipe, erklärt Barbara Wetzer, Pressebeauftragte des Roschinsky‘s, gegenüber der Mopo: „Um die Hygieneauflagen, die Kontaktdatenaufnahme und alle anderen Auflagen gewissenhaft gewährleisten zu können, brauchen wir unter der Woche mehr Personal als vor der Krise. Dagegen stehen aber weniger Gäste, da der Kiez zurzeit wenig belebt ist und die Tatsache, dass wir nur noch ein Fünftel unserer eigentlichen Gästeanzahl in das Roschinsky‘s lassen können.“

Trotz Wiedereröffnung betragen die Umsatzeinbußen derzeit rund 66 Prozent. „Wir verlieren bei jedem Öffnen Geld“, so Barbara Wetzer.

Überlebenskampf der Kiez-Kneipen in Hamburg: So wollen sie durch die Coronavirus-Krise kommen

Um dem Coronavirus-Desaster auf St. Pauli zu entgehen, schlagen die Betreiber des Roschinsky's nun vor, dass neue Möglichkeiten zur Außengastronomie in Betracht gezogen werden sollten. So könnte man den Hamburger Berg und die Große Freiheit nachts zur Fußgängerzone erklären. Bedeutet: Mehr Platz für Außenbestuhlung und dementsprechend mehr Gäste.

Weitere Vorschl��ge, um die zahlreichen Kiez-Kneipen vor dem Untergang zu retten: Das Kurzarbeitergeld soll trotz Öffnung weitergezahlt und die Mehrwertsteuer für Getränke von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden. Ebenso sollten die Betreiber Kosten für eventuelle Umbauten erstattet bekommen.

Quelle: 24hamburg.de

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa/picturealliance

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