Hamburger Klinik schlampt

Drei Patienten tot: Coronavirus-Ausbruch in Harburger Asklepios-Klinik

  • Carolina Baldin
    vonCarolina Baldin
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Weil ein Pflegeheim es möglicherweise versäumt hat, die Asklepios-Klinik in Harburg umfassend über einen Corona-Verdachtsfall zu informieren, musste das Hamburger Krankenhaus jetzt zwei Stationen schließen. Fünf Klinikmitarbeiter wurden infiziert. Zudem befinden sich derzeit 48 Pfleger und Ärzte in Quarantäne.

  • Drei Patienten sind in dem Krankenhaus in Hamburg an dem neuartigen Coronavirus gestorben.
  • Der Erreger soll bereits Anfang April in die Klinik eingeschleppt worden sein.
  • Asklepios-Klinik in Harburg erhebt schwere Vorwürfe.

Hamburg/Harburg In den Hamburger Krankenhäusern häufen sich die Fälle von Coronavirus-Patienten. Auch im Asklepios-Klinikum Harburg ist es jetzt zu einem Ausbruch des neuartigen Coronavirus-Sars-Cov-2 gekommen. Das medizinische Personal hatte sich bei Patienten angesteckt, da die entsprechenden Stationen offenbar nicht rechtzeitig über einen Covid-19-Verdachtsfall aufgeklärt wurden. Das bestätigten der Klinikkonzern und die Gesundheitsbehörde auf Anfrage des Hamburger Abendblattes.

Corona: Zwei Patienten aus Pflegeheim in Hamburg-Wilhelmsburg sollen Erreger in Asklepios-Klinik verbreitet haben

Am 1. und 2. April soll das AK Harburg zwei Patienten aus dem Wilhelmsburger Pflegeheim „Am Inselpark“ aufgenommen haben. Einer von ihnen klagte über urologische Beschwerden. Er wurde daraufhin stationär in der Urologie behandelt - teilweise ohne entsprechende Schutzausrüstung. Das Klinikpersonal wusste nicht, dass er an Covid-19 erkrankt war.

Dass es in dem Seniorenzentrum einen positiv getesteten Fall von Coronavirus gab, wurde am 31. März bestätigt. Dennoch erfolgte ein Coronavirus-Sars-Cov-2-Test an einem der Männer erst am Morgen vor der Fahrt ins AK Harburg. Zwar meldete das Gesundheitsamt am selben Tag an das Robert-Koch-Institut (RKI) einen möglichen Ausbruch in dem Pflegeheim, ein Ergebnis lag dem Klinikum bis dato dennoch nicht vor.

Die Asklepios-Klinik in Hamburg-Harburg hat mit einem Corona-Ausbruch zu kämpfen. (Archivbild)

AK Harburg erfuhr erst wenige Tage nach Einlieferung von der Corona-Erkrankung

Laut spiegel.de sei das Hamburger Krankenhaus erst am 6. April 2020 über den positiven Test informiert worden sein. Der Urologie-Patient befand sich demnach vier Tage auf Station und wurde ohne entsprechende Sicherheitsmaßnahmen von dem Klinikpersonal behandelt. Am 9. April mussten zwei Stationen der Asklepios-Klinik in Harburg schließen: wegen Corona.

Drei Todesopfer nach Coronavirus-Ausbruch im Asklepios-Klinikum Hamburg-Harburg

Nach Bekanntwerden der Erkrankung habe man alle Kontaktpersonen der Patienten in der Klinik auf das Coronavirus getestet, erklärt das AK Harburg. Trotz der eingeleiteten Schritte hatten sich bereits ein Arzt und vier Pflegekräfte mit Corona infiziert. Zudem sind drei Patienten des Krankenhauses, bei denen das neuartige Coronavirus daraufhin festgestellt wurde, inzwischen verstorben. Darunter eine Frau Jahrgang 1970. Neben den drei Todesopfern wurde ein vierter Patient ebenfalls positiv auf Covid-19 getestet. Auch er wurde auf eine entsprechende Spezialstation verlegt.

„Wir waren sehr erbost darüber, dass wir erst mit großer Verspätung von einer möglichen Covid-19-Infektion erfahren haben. Die Infektionskette hätte gar nicht erst entstehen müssen, wenn wir einen Hinweis auf einen Corona-Verdacht gleich bei Einlieferung bekommen hätten“, erklärte Asklepios-Sprecher Rune Hoffmann.

Corona-Ausbruch in Hamburger Klinik hätte verhindert werden können

Nachdem am 28. April bereits ein Covid-19-Ausbruch am Universitätsklinikum Hamburg (UKE) bekannt wurde, hätte die Ausbreitung des Erregers im AK Harburg verhindert werden können. Schlussendlich scheiterte es an der Kommunikation zwischen Pflegeheim und Krankenhaus.

Im Normalfall dient bei Verlegungen von Pflegeheim-Patienten ein sogenannter Überleitungsbogen der Kommunikation zwischen dem jeweiligen Krankenhaus und der zuständigen Pflegeeinrichtung, so Hamburgs Gesundheitsbehörde. Dadurch kann dem Krankenhaus mitgeteilt werden, in welchem Zustand sich der Patient befindet und ob es in dem Heim Auffälligkeiten gibt - etwa eine Coronavirus-Infektion.

Corona-Infektion war bekannt: Pflegeheim wehrt sich gegen Vorwürfe

Gegenüber dem Spiegel betonte der Heimträger KerVita, dass eine Mitarbeiterin der Pflegeeinrichtung den Rettungssanitätern einen Verdacht auf Covid-19 mitgeteilt hatte. Die vom Klinikum „dargestellten Infektionswege stellen eine nicht belegte Behauptung dar“, wird der Träger des Heimes weiter zitiert.

Tatsächlich hatte das Seniorenzentrum bereits am 2. April zwei Corona-Fälle in seiner Einrichtung bekanntgemacht. Dennoch sei keine Information an die Klinik ergangen. Ob schlussendlich ein Zusammenhang zwischen dem Pflegeheim-Patienten und den Todesfällen besteht, lässt sich nicht klären. „Ob sich ein Patient im Klinikum Harburg infiziert hat, ist aufgrund der langen Inkubationszeit nicht nachweisbar“, sagte der Asklepios-Sprecher.

Gesundheitsbehörde in Hamburg verschärft Klinik-Vorgaben während Corona

Klar ist: Fälle wie diese sollten verhindert werden. Dementsprechend müssen laut der Gesundheitsbehörde seit dem 20. April Seniorenheime in Hamburg den Kliniken vor einem Krankentransport mitteilen, ob es in ihrer Einrichtung Corona-Infektionen gibt. Zudem müssen seit dem 29. April alle Patienten bei Klinik-Aufnahme auf das Coronavirus getestet werden.

Rubriklistenbild: © Asklepios Kliniken/Martin Foddanu Photography/obs/picture alliance

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