Abwrackprämie „absurd“

Hamburgs Greta Thunberg schießt gegen deutsche Autokonzerne Daimler, BMW und VW

  • Yannick Hanke
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Klimaaktivistin Luisa Neubauer spricht im „Spiegel“-Podcast „Stimmenfang“ über Proteste in Zeiten von Coronavirus-Sars-Cov-2 und kritisiert die Abwrackprämie.

  • Luisa Neubauer: Klimaschutzaktivistin im Gespräch mit dem „Spiegel".
  • Hamburgerin fordert mehr Aktivität der Menschen.
  • „Fridays for Future“: Demonstration auf Hamburger Rathausmarkt.

HamburgLuisa Neubauer ist eines der prominentesten Gesichter der „Fridays for Future“-Bewegung. Ihr Wort hat Gewicht, ob in Interviews, auf Demonstrationen oder in TV-Talkshows. Denken sich auch die Macher des Politik-Podcasts „Stimmenfang“ des „Spiegels". In diesem ist die Hamburgerin zu Gast und hat viel zu erzählen.

Luisa Neubauer: Unternehmen müssen klimaneutraler werden

Neubauer sagt, dass ohne Demonstrationen auf der Straße der Bewegung natürlich ein wichtiges Mittel abhandengekommen sei. Vor allem jetzt, wo es genügend Gründe gäbe, um zu demonstrieren: „Absurder als die Abwrackprämie kann es ja nicht kommen", nennt die 24-Jährige nur ein Beispiel – sie richtet dich dabei an die deutsche Autoindustrie, insbesondere die Abgasschummler rund um Daimler, BMW* und VW.

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Ich kann es nicht fassen, dass wir das wirklich durchgezogen haben. Danke danke danke, an alle, die den globalen Klimastreik zu dem gemacht haben, was er war. Danke an alle, die online bei unseren Streams dabei waren, an alle, die auf Social Media mit uns über das Klima gesprochen haben, die Schilder gebastelt haben, die auch außerhalb Berlins Plätze gefüllt haben, die mit uns zusammen einen Tag dem Klima gewidmet haben, in einer Zeit von der man angenommen hatte sie ließe neben Corona keine anderen Themen zu. Aber es geht, der massenhafte Protest trotz Kontaktverbot, es geht das Themensetzen in einer monothematischen Zeit. Das geht, wenn Menschen anfangen sich zusammen tun, sich selbst als unersetzbarer Teil des Großen und Ganzen zu verstehen, wenn Menschen sich als treibende Kraft verstehen und aufstehen wenn andere weggucken - und mögen die Umstände noch so widrig sein. Ja, es ist gerade schwierig - für alle. Es sind schwierige Zeiten, die Sorgen sind groß. Umso wunderbarer und magischer, was wir gestern erschaffen haben. Leute, lasst uns diese Energie weitertragen durch dieses merkwürdige Jahr, lasst uns Räume schaffen für die Klimawissenschaft und unseren Forderungen nach mehr Klimaschutz, Räume schaffen für gesellschaftlichen Widerstand, Räume schaffen für gerechte und nachhaltige Krisenbewältigung, Räume für das Miteinander, für Visionen, Räume in denen Begeisterung und Entrüstung produktiv verarbeitet werden können. Und wisst ihr, der nächste (Digital)streik wird kommen. Die Klimakrise hält schließlich nicht an, wir also auch nicht. Wir werden dieses Jahr vorleben, wie es geht, zwei Krisen gleichzeitig ernst zu nehmen. Denn das ist was wir machen: wir lassen uns nicht unterkriegen, komme was wolle. Es gibt sie nämlich, diese klimagerechte Zukunft. Soweit. Love. . . #Fridaysforfuture #Klimastreik #FightEveryCrisis

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Auch kritisiert die Klimaschutzaktivistin die Bundesregierung. Diese würde Unternehmen und Konzerne mit Steuergeldern, aber ohne ökologische Verpflichtungen retten. Dies könne nicht sein. Vielmehr müsse es darum gehen, staatliche Hilfen an klare Pläne von Unternehmen zu knüpfen. Diese sollen Konzepte vorlegen, wie sie zukünftig klimaneutral arbeiten können.

Hamburger Klimaschutzaktivistin zu Gast beim „Spiegel“

Durch die neueste „Stimmfang“-Folge führt Matthias Kirsch, Podcast-Redakteur von „Spiegel Online“. Er begrüßt die Hamburgerin direkt mit einer Frage. „Frau Neubauer, hat die Corona-Pandemie die Klima-Bewegung im Ganzen, und die FridaysForFuture-Bewegung im Konkreten, jetzt zum Erliegen gebracht?“, möchte Kirsch wissen.

„Dass die Bewegung weniger sichtbar ist, heißt nicht, dass sie nicht da ist. Das ist ein Trugschluss. Was natürlich aber passiert, ist, dass eine öffentliche Debatte ein Stück weit zum Erliegen gekommen ist oder zumindest deutlich entschleunigt wurde“, lautet die Antwort Neubauers.

Ob sie nicht Angst habe, dass Dinge in der politischen Wahrnehmung aktuell herunterfallen, möchte Kirsch als Nächstes wissen. Doch Angst sei ein zu großes Wort dafür, erklärt das Grünen-Mitglied. „Ich finde in Zeiten von Corona ist irgendwie der Angstbegriff, noch einmal anders aufgeladen. Aber natürlich ist es besorgniserregend, aus zweierlei Gründen", fährt Neubauer fort.

Coronavirus-Sars-Cov-2: Pandemie braucht „ganz viele Kapazitäten“ auf

„Das eine ist natürlich, dass die Corona-Frage eben ganz, ganz viele Kapazitäten gerade aufbraucht, die sonst für andere Politikfelder und vor allem für andere Ungerechtigkeiten da wären, und jetzt insbesondere für die ökologische Ungerechtigkeit. Das heißt, es ist eine Ressourcenfrage und die wird sehr einseitig gerade entschieden“, erläutert die aus Altona stammende Klimaschutzaktivistin.

„Das andere ist aber, dass ein relativ allgemeingültiger Schluss zu sein scheint, dass wir jetzt mit Corona andere Sachen machen. Das sei aber auch okay, weil wir auch gerade irgendwie dem Klima in Anführungszeichen einen Gefallen tun, weil die Emissionen sinken. Und das wäre aber auch gar nicht so schlimm, würden wir die ganze Klimaschutzpolitik so ein bisschen nach hinten schieben“, erklärt Neubauer.

„Friday for Future“: Neubauer sieht Bewegung gewappnet

Im Folgenden möchte Kirsch genauer auf die „Fridays for Future“-Bewegung schauen und stellt diesen in den Kontext von Coronavirus-Sars-Cov-2. Darauf angesprochen, ob man nach der Pandemie da weitermachen könne, wo man aufgehört hat, sagt die 24-Jährige, dass es nicht auf den Zeitpunkt ankomme.

„Wie schaffen wir es, diese beiden Krisen zu integrieren in einer Art und Weise, dass wir ihnen beiden gerecht werden können“, sei vielmehr die Frage, die Neubauer umtreibe. „Und es reicht eben nicht anzunehmen, irgendwann ist Corona vorbei und dann kümmern wir uns um die Klimakrise. Die wartet, wie gesagt, nicht und das heißt, es geht darum, dass wir jetzt uns diesen beiden Krisen annehmen und diesen beiden gerecht werden - so gut wir das können“, fordert sie.

„Fight Every Crisis“: Demonstrieren sei „kein Selbstzweck“

In diesem Zusammenhang spricht Kirsch von „Fight Every Crisis“, einem Motto der „Fridays for Future“-Bewegung. „Wie funktioniert dieses ´Fight Every Crisis´ denn ohne Demonstrieren auf den Straßen?“, möchte Kirsch von Neubauer wissen. „Die Tatsache, dass wir nicht demonstrieren können, ist natürlich, na ja, unpraktisch für uns als Bewegung, weil das unsere Hauptaktionsform ist", heißt es zunächst einmal.

Neubauer weiter: „Das Demonstrieren ist ja aber kein Selbstzweck. Wir demonstrieren ja nicht, weil wir sonst keine Hobbys haben, sondern weil wir damit politische Forderungen artikulieren und politischen Willen provozieren wollen oder herausfordern wollen“, stellt sie unmissverständlich klar.

Luisa Neubauer: Kritik an Abwrackprämie, Vorfreude auf Oma

Im weiteren Verlauf des Gesprächs kommen die beiden auch auf die Abwrackprämie zu sprechen. Hierzu hat Neubauer eine klare Meinung: [W]ir mussten tatsächlich vor dem Kanzleramt gegen eine Abwrackprämie demonstrieren - absurder kann es ja nicht kommen. Als ob es irgendwo gute Gründe gäbe, so ein Instrument zu verteidigen, es sei denn, um die Lobby glücklich zu machen“.

Abschließend wird der Hamburgerin die Frage gestellt, ob sie sich schon auf etwas freue, wenn die Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise vorbei ist. „Ich glaube, meine Großmutter in den Arm zu nehmen, das vermisse ich sehr. Diese selbstverständliche Nähe, das ist schon etwas, worauf ich mich wieder freue. Und Demonstrieren natürlich in großen Runden“, lässt die studierte Geographin wissen.

Demo auf Hamburger Rathausmarkt: Neubauer in Aktion

Eine Demonstration in kleinerem Rahmen war zumindest am Freitag, den 15. Mai 2020, wieder möglich. Die „Fridays for Futures“-Bewegung demonstrierte auf dem Hamburger Rathausmarkt für eine Verkehrswende und den Ausbau der Fahrradwege in der Hansestadt. Darüber weiß der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zu berichten.

Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer spricht während einer Freitags-Demonstration auf dem Hamburger Rathausmarkt

Auch Luisa Neubauer wohnte dem Protest von Schülern und Studenten bei, die allesamt mit Nasen-Mund-Schutz ausgerüstet waren und die Abstandsregel beachteten. Die Hamburgerin sagt: „Wir demonstrieren zu einer Zeit, die entscheidender nicht sein könnte für uns. Noch nie war die Ungleichheit zwischen denen, die Entscheidungen fällen, und denen, über die entschieden wird, in Friedenszeiten in Deutschland größer“, benennt sie die demokratische Relevanz der Demonstration.

Quelle: 24hamburg.de

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Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa/picture alliance

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