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Coronavirus in Hamburg: Diese Frau vermisst ihre Familie – ein Gartenzaun ist die Lösung

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Coronavirus bedeutet auch gleichzeitig „Social Distancing". Viele Menschen leiden besonders stark unter der Einschränkung der sozialen Kontakte - Bewohner von Pflegeheimen zum Beispiel. Sie dürfen Angehörige seit Anfang März nicht mehr sehen. Für diese Seniorin aus Hamburg ist ein Gartenzaun die rettende Lösung.

  • Eine Seniorin aus Hamburg-Eimsbüttel vermisst ihre Familie während der Sars-Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise sehr.
  • Der Gartenzaun ihres Pflegeheims ist für sie eine rettende Lösung.
  • Diese weitere rührende Coronavirus-Liebesgeschichte aus Norddeutschland sollten Sie kennen.

Hamburg – „Am meisten vermisse ich meine Tochter und meinen Enkel“, sagt Elsbeth Gregor und blickt sehnsüchtig über den Gartenzaun zu Jonathan hinüber. Vor sechs Wochen hat die 87-Jährige ihren siebenjährigen Enkel zuletzt in den Arm genommen. Seitdem sind die Türen des Seniorenzentrums St. Markus - Martha Stiftung in Hamburg-Eimsbüttel für Besucher geschlossen. Gerade in Pflegeheimen besteht ein großes Infektionsrisiko mit dem Coronavirus. Dank dieser Möglichkeit kann Elsbeth Gregor ihre Familie nun aber trotzdem regelmäßig sehen.

Liebe am Gartenzaun: So hilft ein Hamburger Pflegeheim Senioren durch die Coronavirus-Krise

Um den Bewohnern die Trennung von ihren Liebsten etwas zu erleichtern, hat Leiter Wolfgang Janzen die Begegnung am Gartenzaun ermöglicht. Seitdem können sich dort die Senioren und ihre Angehörigen mit genügend Abstand für einen kurzen Plausch treffen.„Wir wollen unseren Bewohnern auch während der Corona-Krise das Leben so angenehm wie möglich machen“, sagt Janzen.

Manche Bewohner nutzten - auch mit Hilfe der Pfleger - Telefon und Videochats, um den Kontakt zu ihren Familien aufrechtzuerhalten. „Aber diese Art der Kommunikation kann eine persönliche Begegnung nicht ersetzen. Diese Krise ist eine enorme Belastung für uns alle - die Bewohner, die Pfleger und die Angehörigen“, meint Janzen.

Elsbeth Gregor, ihre Tochter Katharina Gregor und Enkel Jonathan sitzen am Gartenzaun des Seniorenzentrums St. Markus in Hamburg-Eimsbüttel und unterhalten sich durch den Zaun.

Coronavirus-Krise belastet Hamburger Seniorin emotional sehr

Dem kann Katharina Gregor, Tochter von Elsbeth Gregor, nur zustimmen. „Meiner Mutter geht es seit Beginn der Krise sehr schlecht. Sie ist traurig, depressiv und weint sehr viel“, sagt die 41-Jährige. Für ihre Mutter seien die Einschränkungen wegen Corona Freiheitsberaubung. Bis zur Schließung des Heims sei ihre Mutter noch regelmäßig vor die Tür gegangen, konnte sich so ein klein wenig Selbstbestimmtheit erhalten. „Dass sie jetzt das Heim nicht mehr verlassen kann, belastet sie sehr“, sagt Katharina Gregor.

Auch die körperliche Nähe fehle ihrer Mutter während der Coronavirus-Krise sehr. „Mit Worten in den Arm nehmen und einen weinenden Menschen trösten, reicht einfach nicht“, sagt die 41-Jährige. Da komme die Berührung nicht direkt in den Zellen an. Trotzdem freut sich die 87-Jährige über die Pflaumen und Walnüsse, die ihr ihre Tochter mitgebracht hat und die mit Hilfe eines Stocks über den Zaun gereicht werden. Wenigstens ein paar Worte können Mutter, Tochter und Enkel so miteinander wechseln.

Liebe in Coronavirus-Zeiten: Für dieses deutsch-dänische Paar gab es ein Happy End

Eine weitere rührende Geschichte, die sich während der Coronavirus-Pandemie in Norddeutschland ereignet hat, geht seit etwa Mitte März durch das Netz. Der 89-jährige Nordfriese Karsten Tüchsen Hansen und seine Partnerin Inga Rasmussen konnten sich lange Zeit aufgrund der Coronavirus-Kontaktbeschränkungen nicht sehen.

Seit dem 14. März fuhr der Senior mit seinem E-Bike von Süderlügum zu den nachmittäglichen Verabredungen an der deutsch-dänischen Grenze. Inga Rasmussen kam mit ihrem Auto an den Grenzübergang, der auf halber Strecke zwischen den Wohnorten der beiden liegt. Direkt an der rot-weißen Absperrung saßen sie auf mitgebrachten Stühlen, tranken Kaffee und Punsch.

Dann kam die gute Nachricht: Es heiße, Dänemark öffne seine Grenzen für die, die sich liebten, sagte Hansen bei seinem täglichen Treffen mit Rasmussen am gesperrten Grenzübergang bei Aventoft. Als sie von der neuen Regelung hörten, hätten sie dies nicht glauben können und seien zu einem nicht gesperrten Grenzübergang in der Nähe gefahren, erzählt Hansen. Dort habe man ihnen gesagt, dass er nach Dänemark rüberfahren, aber Rasmussen nicht zu ihm nach Deutschland kommen dürfe. Eine Regelung, die Hansen nicht versteht. „Eigentlich muss Deutschland doch mitgehen“ findet er.

Rasmussen und Hansen gehen daher weiterhin auf Nummer sicher mit ihren Treffen in Aventoft. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagt Hansen. „Die Liebe ist stärker als alles andere.“

Happy End für Karsten Tüchsen Hansen und Inga Rasmussen: Endlich konnten sie sich durch die Corona-Lockerungen in die Arme fallen. (Montage)

dpa/lml

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/ picture alliance/ dpa

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