Nach 200 Jahren

Hamburger traurig: Kult-Zirkus Quaiser vor dem Corona-Aus

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Zweihundert Jahre überstand dieser Hamburger Kult-Zirkus jede Krise. Doch das Coronavirus-Sars-CoV-2 könnte jetzt das Ende bedeuten.  

  • Kinderzirkus Quaiser wegen Coronavirus-Sars-CoV-2* vor dem Aus.
  • Hamburger* Kult-Zirkus darf nur ein Spar-Programm veranstalten.
  • Auftritte an Schulen verboten, Kinderprojekte verboten.

Hamburg – Die Auftragsbücher sind voll und das Programm beliebt. Doch trotzdem steht der Hamburger Kinderzirkus Quaiser vor dem Aus. Schuld daran hat das Coronavirus-Sars-CoV-2. Die Shows dürfen nicht mehr so veranstaltet werden, dass sie sich lohnen würden. Die Auftritte in Schulen und Kindergärten sind ganz verboten.

Park in HamburgPlanten un Blomen
AdresseMarseiller Str., 20335 Hamburg
Eröffnung1930
OrtsteilHamburg-Mitte

Hamburger Zirkus vor Coronavirus-Aus: Trotz Bühne in Planten un Blomen – zu wenig Besucher erlaubt

Seit mehr als vierzig Jahren darf der Kinderzirkus Quaiser im Hamburger Park Planten un Blomen auftreten. Das Zelt ist dort Kult und bei Familien in der Hansestadt sehr beliebt. Doch als die Coronavirus-Krise kam, mussten erst einmal alle Vorstellungen abgesagt werden. Ab März 2020 hatte das zehnköpfige Familienunternehmen keine Einnahmen mehr. Nur dank der Coronavirus-Soforthilfe konnte der Zirkus überhaupt überlegen.

Leere Manege, leere Ränge. Clowns und Artisten haben nur noch wenige Möglichkeiten aufzutreten. (24hamburg.de-Montage)

Mitte Juli 2020 durfte der Kinderzirkus Quaiser dann doch noch auftreten. Aber die Hygienemaßnahmen machen das Geschäft unrentabel. Ihr eigenes Zelt darf die Familie nicht mehr aufbauen. 500 Gäste finden darin Platz. Stattdessen spielen auf einer kleinen Freilichtbühne in Planten un Blomen. Vor nur neunzig Gästen.

Auftritte an Schulen abgesagt: Hygienemaßnahmen können Kult-Zirkus Quaiser in Pleite treiben

Als die Show wieder begann, zeigte sich Sonja Quaiser, die Leiterin des Zirkus, noch begeistert: „Dass wir wieder auftreten dürfen, bedeutet ganz viel für uns. Für unsere Seele, unseren Kopf, unsere Kinder, die wieder arbeiten dürfen.“

Zirkus-Artisten bei einer Generalprobe (Symbolbild). Wann die Manege wieder endgültig geöffnet werden kann ist unklar.

Für den Zirkus ist die Ferienzeit in Hamburg wichtig. Zwei Vorstellungen geben sie jeden Tag – bei freiem Eintritt. Finanziert wird die Show dann vom Bezirksamt Mitte. Und von freiwilligen Spenden der Gäste. „Zirkus ist ein wichtiges Kulturgut. Und gerade jetzt in der Coronavirus-Krise freuen wir uns, dass der Zirkus Quaiser hier ist und wir ihn mit einer Spende unterstützen können“, erklärt ein Gast gegenüber der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP).

Auftragsbücher voll, doch Coronavirus-Sars-CoV-2 macht Auftritte unmöglich: Kult-Zirkus Quaiser vor Aus

Doch die Freude über die improvisierte Wiedereröffnung verflog beim Kinderzirkus Quaiser in Hamburg schnell. Sonja Quaiser klingt mittlerweile sogar verzweifelt: „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir haben überhaupt keine Perspektive. Was sollen wir machen?“

Und das, obwohl die kultigen Clowns und Akrobaten gut gebucht seien: „Unsere Auftragsbücher sind voll bis 2022. Aber leider sind wir aufs Abstellgleis gestellt worden.“ Wegen der strengen Hygieneauflagen sind die Auftritte schlichtweg verboten. Auch an Shows in Schulen und Kindergärten, sonst eines der wichtigsten, finanziellen Standbeine, ist natürlich nicht zu denken: „Wir wissen nicht, wann wir wieder an die Schulen dürfen.“

Aus nach 200 Jahren: Coronavirus-Krise könnte Ende für Zirkus Quaiser bedeuten

Die Familie Quaiser verdient einen Großteil seines Geldes mit dem sogenannten „Projektcircus“. Dabei dürfen Kinder eine Woche lang Manegen-Luft schnuppern und eine eigene Show für Eltern und Familien auf die Beine stellen. Ein Geschäftsmodell, das ebenfalls dem Coronavirus-Sars-CoV-2 zum Opfer fiel.

Selbst die Freilichtbühne in Planten un Blomen ist keine dauerhafte Lösung. Am Sonntag, 9. August 2020, endet das Engagement des Kinderzirkus Quaiser im Park. Dann müssen sie alles abbauen und wieder nach Hause. Weiterführende Aufträge, die sie auch durchführen dürften, hat das Familienunternehmen aber keine mehr. Es ist nicht das einzige Hamburger Institution, die wegen des Coronavirus-Sars-CoV-2 in finanzielle Schieflage gerät. Auch der Hamburger Fischmarkt muss um seine Existenz kämpfen* und hofft auf Lockerungen. Auch die Kreuzfahrt-Industrie hat mit einem sanften Neustart* begonnen. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/Quetzalli Blanco/NOTIMEX/dpa/picture alliance

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