Nicht nachhaltig genug

Hamburger Virologe: Lockdown auf lange Sicht nicht zielführend

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Lockdown geht mindestens bis 31. Januar 2021. Doch der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit plädiert für eine andere Strategie.

  • Der Lockdown light wird bis 10. Januar 2021 verlängert.
  • So lange bleiben Restaurants und Freizeiteinrichtungen geschlossen.
  • Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hält das für wenig sinnvoll.

Hamburg – Am Donnerstag haben die Ministerpräsidenten der Länder zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossen, den seit November bestehenden Lockdown light bis zum 10. Januar 2021 zu verlängern. Damit soll sichergestellt werden, dass das Infektionsgeschehen weiter abflacht. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sieht in dem Lockdown nicht die Lösung für den Umgang mit dem Coronavirus.

Virologe:Jonas Schmidt-Chanasit
Geboren:25. März 1979 (Alter 41 Jahre), Berlin-Pankow, Berlin
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main
Bücher:Zika Virus

Hamburger Virologe: Jonas Schmidt-Chanasit hält Lockdown für zu wenig nachhaltig

Der Virologe glaubt nicht, dass der Lockdown nachhaltig dabei helfen wird, das Coronavirus einzudämmen. „Damit verschiebt sich das Problem nur um einige Wochen“, sagte Schmidt-Chanasit im Interview mit der Deutschen Presse Agentur (dpa). Das habe man auch im Sommer gesehen. Nach dem Lockdown im April waren die Infektionszinszahlen zunächst kontinuierlich gesunken, bevor sie zum Sommer wieder rasant anstiegen. Trotz intensiver Nachverfolgung durch die Gesundheitsämter.

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hält den Lockdown nicht für Zielführend (24hamburg.de-Montage)

Hamburger Virolge Schmidt-Chanasit fordert langfristige Strategien

Der gebürtige Berliner Virologe fordert deshalb eine langfristige Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus. Er würde es begrüßen die breite Bevölkerung durch verschiedene Angebote mehr miteinzubeziehen. Gegenüber der Deutschen Presse Agentur sagte er: „Mitwirkung gelingt nicht nur durch Appelle, sondern auch durch Angebote“. Der Virologe könne sich vorstellen, dass die Aufklärung über die Regeln in Zukunft persönlich stattfindet, in dem Vertrauenspersonen von Tür zu Tür gingen. So könne man insbesondere die Bevölkerungsschichten erreichen, bei denen man bisher eher weniger Gehör gefunden hat. Zum Beispiel bei Jugendlichen.

Corona in Hamburg: Lockdown light verlängert – Infektionszahlen sinken

Im Oktober (Kalenderwoche 43) wurde die kritische Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erstmalig überschritten. Danach war die Zahl weiter gestiegen. Diese Woche hatte Hamburg das erste Mal wieder unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gelegen. Dieser positive Trend konnte sich heute allerdings nicht fortsetzen.

Innerhalb eines Tages haben sich in der Hansestadt nach Angaben der Behörde 496 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Das sind 190 mehr als gestern und 244 mehr als vor einer Woche. Inzwischen liegt der Wert wieder leicht über 100. (103,8 Stand: 4.12.).

Corona in Hamburg: Bürgermeister Tschentscher hielt Verlängerung des Lockdowns für notwendig

Peter Tschentscher hatte sich nach der Verlängerung des Lockdowns zu den Auswirkungen auf die Hansestadt Hamburg geäußert. Trotz der sinkenden Zahlen in den vergangenen Tagen in Hamburg, sei eine Verlängerung des Lockdowns bis 10. Januar notwendig gewesen. Man könne immerhin nicht sicher sein, dass die Infektionszahlen auch nach den Lockerungen über Weihnachten und Silvester weiter sinken, sagte der Hamburger Bürgermeister in einem Statement.

Über Weihnachten und Silvester werden sich zehn Personen aus vier Haushalten treffen dürfen. Aktuell sind lediglich fünf Personen aus zwei Haushalten erlaubt. Ausgenommen Kinder unter 14 Jahren. „Wir müssen jetzt unbedingt stabil werden, möglichst niedrige Infektionszahlen haben“, hatte der Bürgermeister am Donnerstag gesagt. Erst im neuen Jahr, am 4. Januar 2021 wollen die Länderchefs zusammen mit Angela Merkel über das weitere Vorgehen beraten.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa & Daniel Bockwoldt/dpa

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