Ende der Pandemie-Beschränkungen in Sicht?

Coronavirus: UKE-Arzt empfiehlt Lockerung der Maßnahmen in wenigen Wochen

Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin, Prof. Dr. Stefan Kluge, beantwortet während einer Pressekonferenz am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) die Fragen der Journalisten.
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Dr. Stefan Kluge beantwortet Pressefragen
  • Nicolai Hackbart
    vonNicolai Hackbart
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In einer Pressekonferenz des Hamburger Universitätsklinikums hat sich der Leiter der Intensivmedizin über die Zukunft der Coronavirus-Maßnahmen geäußert.

  • Die Coronavirus-Maßnahmen sorgen in Hamburg für weitreichende Einschränkungen.
  • In einer Pressekonferenz äußert sich ein UKE-Arzt über mögliche Lockerungen der behördlichen Anordnung.
  • Niedersachsens Ministerpräsident Weil hat gleichzeitig mahnende Worte.

Hamburg/Eppendorf – In einer Pressekonferenz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben am Mittwoch drei Experten die aktuellen Fragen zum Coronavirus beantwortet. In der dreißigminütigen Videokonferenz, die unter anderem vom NDR übertragen wurde, haben die Ärzte neben der aktuellen Patientenanzahl und Fortschritten in der Medikamentenforschung auch über ein mögliches Ende der strengen staatlichen Maßnahmen gesprochen.

Coronavirus in Hamburg: UKE-Arzt spricht vorsichtig von einer Lockerung der strengen Maßnahmen

Zuerst hat die Virologin Marylyn Addo über die aktuelle Patienten-Situation aufgeklärt. „Die Corona-Lage in Hamburg ist derzeit stabil, kontrolliert und ruhig. Das ist auch mein Eindruck aus anderen Unikliniken in der Nation.“ 26 Patienten davon seien in intensivmedizinischer Behandlung und benötigten eine Beatmungstherapie. Weiterhin könne sich der Großteil der Infizierten zu Hause kurieren, so Marylyn Addo.

Völlige Entwarnung wollen die UKE-Ärzte jedoch nicht geben. „Wir sehen bei diesen Daten, dass wir immer noch einen Zuwachs haben von circa 300 Intensivpatienten pro Tag in Deutschland“, sagte Stefan Kluge, Leiter der Intensivmedizin, dem NDR. Es sei zwar sogar noch so viel Platz, dass auch Patienten aus dem Ausland aufgenommen werden können. Dennoch wisse der Arzt nach aktuellem Stand noch nicht, wann die große Welle an Erkrankten kommen wird.

Das UKE befindet sich aktuell selbst in der Kritik, weil es erst kürzlich eine erhöhte Anzahl an Coronavirus-Fällen gemeldet hat.

Eine Lockerung der Maßnahmen kann sich Stefan Kluge trotzdem schon in kurzer Zeit vorstellen. „Ich glaube, wir sind uns einig, dass die Kontaktsperre nicht monatelang aufrechterhalten werden kann.“ Kluge fordert deshalb die Ausarbeitung einer Exit-Strategie. „Wir müssen wahrscheinlich schon bald zu einer schrittweisen Reduktion kommen.“

UKE-Arzt: Unter diesen Voraussetzung könnte eine Lockerung der Coronavirus-Maßnahmen stattfinden

Stefan Kluge: „Eine Aufhebung ist abhängig von der Zahl der Neuinfektionen und der Zahl der stationären und intensivpflichtigen Aufnahmen. Das müssen wir uns jeden Tag anschauen.“ Außerdem gehe es in seiner Forderung nach einer Exit-Strategie nicht um eine schnelle und vollständige Aufhebung der Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus. Viel mehr müsse jedes Bundesland selbstständig entscheiden, zu welchem Zeitpunkt und für welche Personengruppen, die Beschränkungen gelockert werden.

Kluge könne sich zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern eine Öffnung der Schulen vorstellen, während im besonders stark betroffenen Süden Deutschlands weiterhin keine Lockerungen in Sicht sind. „So etwas muss klug überlegt werden.“ Die Maßnahmen müssten „sehr dosiert" sein. Dann könnten die ersten Lockerungen noch im April stattfinden, so der Intensivmediziner des UKE.

Niedersachsens Ministerpräsident fordert einheitliches Vorgehen bei Coronavirus-Maßnahmen

Im Gegensatz dazu hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im heutigen Morgenmagazin von ARD und ZDF seine Bedenken geäußert, dass jedes Bundesland eigene Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen vollziehen soll. Es wäre hilfreich, wenn die Länder „im gleichen Schritt in die gleiche Richtung gehen, dass da keine Verwirrung entsteht“. Trotz der unterschiedlichen Lage in den einzelnen Bundesländern, solle es laut Stephan Weil zumindest nicht das Ziel sein, dass jedes Bundesland einen eigenen Weg einschlägt, was zum Beispiel Schulöffnungen betrifft.

Während Minister und Ärzte über mögliche Maßnahmen in der Zukunft reden, ist ein bekannter YouTube-Star bereits zur Tat geschritten. Mit diesem neuen Projekt hat Fynn Kliemann dem Coronavirus den Kampf angesagt.

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