Ansteckungsgefahr

Hamburg: Schule auf Veddel bricht traurigen Coronavirus-Rekord

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  • Johanna Ristau
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Ties Rabe zitiert Statistiken, laut denen Schulen als sicherer Ort deklariert werden. Der Hamburger Schulsenator hält die Bildungseinrichtungen nicht für Infektionstreiber. Doch dann werden an dieser Hamburger Schule Coronavirus-Rekordzahlen von fast 100 Infizierten festgestellt.

  • Coronavirus-Fälle unter Jugendlichen: Ansteckungsrisiko in der Familie viermal höher als in der Schule.
  • Schulsenator legt neue Studie vor – und erntet Zweifel.
  • Hamburger* Schule in Veddel knackt deutschen Rekord.

Update vom Samstag, 21. November 2021, 10 Uhr: Hamburg – Autsch! Ties Rabe wird offenbar von der Realität überholt: Erklärt der Schulsenator am Donnerstag, 19. November 2020, auf einer Pressekonferenz noch, dass sich neun von zehn Schülern und Lehrern außerhalb der Schule mit dem Coronavirus* infiziert haben und Schulen somit nicht als Infektionstreiber gesehen werden sollten, werden schon am nächsten Tag knapp 100 Infektionen an einer Hamburger Schule gezählt. Deutschlands größter Corona-Ausbruch an einer Schule wird jetzt ausgerechnet in Hamburg registriert.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen
Vorwahl:040

Wie das „Hamburger Abendblatt“ hinter Bezahlschranke berichtet, wurden am Mittwoch, 18. November 2020, 465 Lehrer und Schüler der Stadtteilschule in Veddel auf das Coronavirus getestet. 65 davon waren positiv. Schon im Vorfeld hatten sich 29 Lehrer und Schüler an der Schule infiziert. Demnach zählt die Schule jetzt 94 Infektionen insgesamt und knackt daamit den deutschen Corona-Rekord an Schulen.

Coronavirus: Schulen offenbar sicher – trotzdem bunkert Rabe tausende Schutzmasken

Erstmeldung vom 20. November 2020, 14:30 Uhr: Hamburg – Die Coronavirus-Zahlen schnellen rasant in die Höhe – und oft gilt die Schule dabei als großer Treiber für die Pandemie. Doch offenbar stecken sich Kinder und Jugendliche dort viel seltener an als gedacht. Das zeigt eine neue Studie aus Hamburg, die Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag vorgestellt hat.

Ties Rabe dürfte nach dem Mega-Corona-Ausbruch in einer Hamburger Schule mehr als überrascht sein. (24hamburg.de-Montage)

Demnach infizierten sich 78 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die zwischen den Sommer- und Herbstferien positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, nicht in der Schule, sondern außerhalb, also bei Freunden oder in der Familie. Damit ist das Ansteckungsrisiko im privaten Umfeld viermal so hoch gewesen wie beim Schulbesuch, wie der NDR berichtete.

Coronavirus an Schulen: Behörde überprüfte 372 Fälle in acht Wochen

Für die Studie verfolgte die Schulbehörde acht Wochen lang jeden Covid-19-Fall an den Bildungseinrichtungen der Hansestadt Hamburg. Zwischen August und Oktober waren dort insgesamt 372 Mädchen und Jungen an dem Coronavirus erkrankt. Die genaue Prüfung ergab: In 292 Fällen steckten sich die Schüler aber vermutlich außerhalb der Schule an. Denn sehr häufig tauchten dort in den jeweiligen Jahrgängen nur einzelne Infektionen auf, zu denen keine weiteren hinzukamen. Daraus schlussfolgerte Rabe in einer Mitteilung: „Man muss ganz nüchtern sagen: In diesen Fällen kann man sich eigentlich gar nicht in der Schule infiziert haben. Dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Einzelfall.“

Stellte die neue Corona-Studie vor: Bildungssenator Ties Rabe (SPD).

Kritik an Studie: Opposition kritisiert „Schönwetterzahlen“

In der Hamburger Bürgerschaft stieß die Studie allerdings auch parteiübergreifend auf Kritik. So warnte die Linke-Fraktion in einer Mitteilung vor „Schönwetterzahlen“, die kaum Aussagekraft hätten. Die Erhebung der Zahlen sei zu einem Zeitpunkt im Spätsommer gemacht worden, als das Hamburger Infektionsgeschehen wegen der Temperaturen noch niedrig gewesen sei.

Ähnliches warf die CDU-Fraktion der rot-grünen Landesregierung vor: Mittlerweile seien die Infektionswege auch an den Schulen kaum noch nachvollziehbar, weil die Krankheitsfälle erst nach den Herbstferien und somit nach Abschluss der Untersuchung in die Höhe geschnellt seien, kritisierte die Bildungsexpertin der Union, Birgit Stöver.

Rabe zeigte durchaus Verständnis für die Kritik. Der Schulsenator bezeichnete in seiner Mitteilung die Erhebung selber nur als einen „ersten Aufschlag“. Derzeit würden hinter den Ergebnissen noch viele Fragezeichen stehen, die in den kommenden Wochen von Gesundheitsexperten eingehend untersucht werden müssten. Unklar sei zum Beispiel, warum sich Schüler unter zwölf Jahren nur halb so häufig angesteckt hätten als ältere. Und auch die Frage, warum sich das Virus nicht unter Schülern und Lehrern stärker ausgebreitet habe, müsse noch viel tiefgehender erforscht werden, hieß es.

Trotz Studie: Senator Rabe verteilt 350.000 Schutzmasken an Lehrer

Bis alle Fragen geklärt sind, setzt Rabe weiter auf umfassenden Gesundheitsschutz an allen Hamburger Schulen. Ungeachtet der Studienergebnisse sollen alle 35.000 Beschäftigte mit FFP-2-Schutzmasken ausgestattet werden. 350.000 Masken sind bereits an 472 Einrichtungen verteilt worden. Pro Mitarbeiter sollen dann ab kommender Woche zwei bis drei Profi-Masken zur Verfügung stehen. Hamburgs Pädagogen leisteten einen verantwortungsvollen Dienst an der Allgemeinheit und verdienten deswegen einen „besonderen Schutz“, betonte Rabe. Eine Tragepflicht für die FFP-2-Masken besteht den Angaben zufolge aber nicht.

Ob es über das Tragen von Schutzmasken noch weitere Gesundheitsmaßnahmen an Hamburgs Schulen geben wird, entscheidet sich derweil in der kommenden Woche am 25. November. Dann treffen sich die Länderchefs wieder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem erneuten Coronavirus-Gipfel. Dort will Rabe dann auch die Hamburger Studie vorstellen.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa & Andreas Arnold/dpa

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