Kultusministerkonferenz

Schule im Corona-Lockdown: Olaf Scholz‘ Frau übernimmt

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Aufgeschobene Prüfungen, Homeschooling-Pannen: Im Lockdown müssen die Kultusminister viele einstecken. An der Spitze: Britta Ernst, Ehefrau von Olaf Scholz. 

  • Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) übernimmt Vorsitz der Kultusministerkonferenz.
  • Ehefrau von Vizekanzler Olaf Scholz ruft digitale Transformation der Schulen als Schwerpunkt aus.
  • Insbesondere in Hamburg bereitet der digitale Unterricht massive Probleme.

Hamburg – Ausgefallene Server, fehlende Laptops und kaum Betreuung: Der Fernunterricht für Hamburgs Schüler läuft im Corona-Lockdown derzeit eher schleppend. Doch die Hoffnung vieler genervter Eltern richtet sich nun auf Britta Ernst (SPD). Die brandenburgische Bildungsministerin hat am Donnerstag offiziell den Vorsitz der Kultusministerkonferenz übernommen. Dabei erklärte die Ehefrau von Hamburgs ehemaligen Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die digitale Transformation zu ihrem Schwerpunktthema. „Die Corona-Pandemie hat weltweit derart einschneidend in unser aller Leben eingewirkt und damit vieles verändert, aber nicht alles“, ließ die KMK-Präsidentin zu Beginn ihrer Amtszeit verlautbaren.

Politikerin in Deutschland:Britta Ernst (SPD)
Ämter:Brandenburgische Bildungsministerin
Ehemann:Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)
Geboren:23. Februar 1961 in Hamburg

Ernst ist seit 1988 mit Scholz verheiratet. Das kinderlose Paar, das viel Wert auf Privatsphäre legt, kennt sich seit gemeinsamen Studententagen in Hamburg. In der Hansestadt ist Ernst aber nicht nur durch ihre Rolle als Ehefrau bekannt. Im Gegenteil: Während Mann Olaf über die Landespolitik hinaus Karriere als Bundesminister machte, erarbeitete sich die gelernte Sozialökonomin einen exzellenten Ruf in der Hamburger Rathauspolitik. Als Bezirks- und Bürgerschaftsabgeordnete schaffte sie es schnell auf den Posten der Vize-Fraktionschefin der SPD. 2006 wurde sie dann parlamentarische Geschäftsführerin.

Frau von Olaf Scholz: Für ihn machte Ernst einen Karriereumweg

Schule und Bildung war schon immer das Spezialthema von Britta Ernst. In Hamburg galt sie sehr früh als eine mögliche Schulsenatorin. Es war ausgerechnet ihr Mann, der ihren Karrieresprung verhinderte. Nach seiner erfolgreichen Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters 2009 war eine Berufung der eigenen Frau ins Kabinett ausgeschlossen. Das sei eine Frage des Anstands, sagte der heutige Bundesfinanzminister damals, der im September bei der kommenden Bundestagswahl als SPD-Kanzlerkandidat antritt.

Ist neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz: Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Britta Ernst machte ihren Weg trotzdem, aber mit Umwegen. Sie verließ Hamburg und ging ein paar Kilometer weiter in den Norden. In Kiel hatten sich die Qualitäten von Ernst herumgesprochen. Also holte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Hamburgerin 2014 als Bildungsministerin nach Schleswig-Holstein. Jedoch verlor die SPD 2017 die Landtagswahl – und Ernst vorerst ihren Posten. Doch nur wenige Monate ergab sich eine neue Perspektive: In Brandenburg wurde ebenfalls ein Kultusminister gesucht – und kurzerhand besetzte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) das Amt mit der Hamburgerin.

Es ist nun dieses Regierungsamt, das sie turnusmäßig nun auch den zwischen den Bundesländern wechselnden Vorsitz der KMK übernehmen lässt. Ernst tritt dabei die Nachfolge von ihrer rheinland-pfälzischen Kollegin Stefanie Hubig (SPD) an. Für Ernst ist es keine leichte Aufgabe. Alles steht im Zeichen des Corona-Krisenmanagements. Durch die Kontaktverbote und Abstandsregeln im Lockdown ist vielerorts kein Präsenzunterricht möglich. Doch der digitale Fernunterricht mit Videoübertragung funktioniert alles andere als reibungslos.

Digitaler Unterricht: In Hamburg steht Schulsenator unter Druck

Besonders in Hamburg, der alten Heimatstadt von Ernst, sind die Eltern auf den Barrikaden. Zwar sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) zu Beginn des Lockdowns, dass die Hansestadt bei der Digitalisierung von Schulen und Unterricht in den letzten Monaten „erheblich vorangekommen“ sei. Doch Eltern, Lehrer, Schüler und Oppositionspolitiker sehen das mittlerweile anders. So sorgten ausgefallene Server in den vergangenen Tagen dafür, dass viele Schüler vor schwarzen Bildschirmen saßen und massenhaft Unterricht ausfiel.

Die Oppositionsfraktionen von CDU und Linke werfen dem Schulsenator deswegen eine zu zögerliche Haltung bei der Krisenbewältigung vor. Rabe habe zu lange am Präsenzunterricht festgehalten und die Hamburger Schulen nicht schnell genug auf den Distanzunterricht vorbereitet, heißt es. Doch die neue KMK-Präsidentin nahm den Senator gegen die Kritik erst einmal in Schutz. Die Computerpannen seien ärgerlich, sagte sie in einem ARD-Interview. Aber was in den vergangenen fünf bis acht Jahren versäumt worden sei, könne man jetzt nicht in sechs Monaten aufholen, warb Ernst um Verständnis und fügte hinzu: „Ich gebe zu, wir wären gerne woanders.“

Dennoch wird Ernst in ihrer neuen Rolle in den kommenden Wochen schnelle Antworten finden müssen. Das erwarten frustrierte Kinder und Schüler – insbesondere da in der Lockdown-Zeit wieder viele Abschlussprüfungen anstehen. Keine Frage: Die sturmerprobte Frau aus dem Norden erwarten stürmische Zeiten in Berlin. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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