"Hamburger Goldkehlchen" mit Muttertags-Flashmob

Hamburger ignorant: Coronavirus-Regeln werden massiv missachtet – skurriles Mahnmal gegen Pandemie

Zwei in rot-weißes Flatterband gehüllte Schaufensterpuppen stehen vor einem Schiff am Hamburger Jungfernstieg.
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Die auf dem Jungfernstieg platzierten, in rot-weißes Flatterband gehüllten Schaufensterpuppen sind Teil einer Kunst-Aktion von Dennis Josef Maseg. (Screenshot)
  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Seit nunmehr zwei Monaten hat das Coronavirus-Sars-Cov-2 den Alltag fest im Griff. Bundes-, aber natürlich auch weltweit sehen sich die Menschen mit Einschränkungen und Verboten konfrontiert. So auch in Hamburg, wo die Coronavirus-Regelungen am Wochenende größtenteils ignoriert wurden. Ein skurrile Aktion mit 111 rot-weißen Puppen an den Hotspots der Hansestadt sorgt für zusätzlichen Wirbel. Positiv hingegen fallen „Die Hamburger Goldkehlchen“ auf.

Hamburg - Die Zahl der Hamburger, die mit dem Coronavirus-Sars-Cov-2 infiziert ist, sinkt weiter. Wie die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) mitteilt, waren es am Sonntag, den 10. Mai 2020, noch 640 Infizierte aus der Hansestadt. Zum Vergleich: eine Woche zuvor belief sich die Zahl noch auf 970 Menschen. Sinkende Zahlen bedeuten aber auch, dass sich die Menschen ein Stück weit Normalität zurückholen wollen.

Coronavirus: Hamburger gegen Regeln, aber für Spaß

Dies äußert sich ganz unterschiedlich. Nach einer wochenlangen, dem Coronavirus-Sars-Cov-2 geschuldeten Zwangspause konnte erstmals wieder ein Gottesdienst mit anwesender Gemeinde im Hamburger Michel statfinden. Bedingt durch das sonnige Wetter, hätten sich zudem laut Polizei besonders rund um die Alster viele unerlaubte Gruppenansammlungen gebildet.

Es seien vor allem junge Menschen, die die Regeln häufiger missachten, teilt ein Polizeisprecher mit. In vielen Parks hätten die Menschen plötzlich wieder in größeren Gruppen enger zusammengesessen. Darüber hinaus bildeten sich auf den Alsterkanälen Trauben aus mehreren, voll besetzten Booten. Auf Balkonen und in vielen Gärten kamen abends ganze Freundeskreise wieder zusammen.

Coronavirus-Mahnmal: Kunst-Aktion „It is like it is“ auf Jungfernstieg und Landungsbrücken

Für Aufsehen der ganz anderen Art sorgte ein skurriles Mahnmal. Insgesamt 111 Schaufensterpuppen, gehüllt in rot-weißes Flatterband, „bevölkerten“ am Sonntagabend den Jungfernstieg und die Landungsbrücken. Ein Mahmal für die Coronavirus-Sars-Cov-2-Pandemie und eine Aktion, die unter dem Titel „It is like it is“ läuft. Initiiert wurde diese vom Kunststudenten Dennis Josef Meseg, der das „Unfassbare fassbar“ möchte will.

Meseg macht darauf aufmerksam, wie schnell „ein winziges Virus, zwanzig Mal dünner als ein menschliches Haar, das schafft, wovon die Großen und Mächtigen dieser Welt so gerne träumen: Es beherrscht alle Gedanken. Ausnahmslos“, beschreibt der Künstler seine Aktion.

Künstler erinnert in Hamburg an „Gleichheit der Menschen“

Ihm zufolge mache das Coronavirus-Sars-Cov-2 alle gleich, „egal aus welcher Bevölkerungsschicht, egal ob Jung oder Alt, niemand kommt in diesen Tagen am Thema Corona vorbei“, schreibt Meseg. Die Menschen seien in ihrer Angst, die sie umgibt, vereint. Diese benennt Meseg konkret als „ihre[...] Verluste[...], ihre[...] Einsamkeit und Not“. Seine Intention: wie das rot-weiße Flatterband der Schaufensterpuppen, schleppen auch alle Menschen derzeit die gleichen Sorgen mit sich rum.

Der Künstler Dennis Josef Meseg macht mit seiner Aktion „It is like it is“ auf die Gleichheit der Menschen in Coronavirus-Zeiten aufmerksam. (Screenshot)

Sie seien „gleichgeschaltet und auf nie gekannte Art vereint“. Das rot-weiße Flatterband dokumentiert auch die unüberwindbare Trennung, die das momentan eingeschränkte Leben und die Beschneidung der Grundrechte/ Freiheitsrechte aller Menschen mit sich bringen“, ordnet der Künstler sein Mahnmal ein.

Zu Beginn des Jahres waren die Puppen noch mit lebensbejahenden bunten Kleidern in Schaufenstern ausgestellt, nun stehen sie im Rahmen von „It is like it is“ einförmig beieinander. Mit seiner Aktion tourt Meseg aktuell durch Deutschland. Neben Hamburg machte er bereits in Berlin, Bonn und Köln Halt. Als nächstes „besucht“ der Künstler den Ruhrpott und München.

Eimsbüttel: Muttertags-Flashmob von „Hamburger Goldkehlchen“

Doch damit noch nicht genug von einem ereignisreichen Sonntag in Hamburg. Denn ebenso wurde die Stadt an der Elbe Teil eines Muttertags-Flashmobs. „Die Hamburger Goldkehlchen“, ein Männerchor aus der Hansestadt, bescherte vor allem den Müttern der Grindelhochhäuser in Eimsbüttel eine große Freude.

Um kurz vor 16 Uhr wurde es vor den Grindelhochhäusern plötzlich sehr unruhig. Der Grund hierfür war schnell gefunden. Der Hamburger Männerchor, an diesem Sonntag 50 Mann stark, hatte ein Überraschungskonzert in petto. Alle Mitglieder präsentierten sich in kurze Hosen und weiße Shirts gekleidet und gaben ihre Sangeskünste zum Besten.

Muttertag in Coronavirus-Zeiten: Hamburger Männerchor mit „Dankeschön“

„Wir wollen mit dem Konzert alle Mamas überraschen und ihnen Danke sagen“, heißt es von Chor-Gründer Flemming Pinck. Und diese Überraschung konnte als geglückt bezeichnet werden. Zahlreiche Mieter und Mieterinnen genossen die Musik an ihren Fenstern und auf ihren Balkonen. Der Hamburger Männerchor, vor vier Jahren gegründet worden, wartete mit drei Stücken auf: „Moin, Moin, Hamburg“, „Truly Madly Deeply“ (Savage Garden) und dem Barry Manilow-Klassiker „Oh, Mandy“.

Letzteres wurde kurzerhand, wie könnte es anders sein, in „Oh, Mami" umgetextet. Die Muttertagsaktion war mit der Polizei abgesprochen, das Überraschungskonzert wurde von Behördenseite aus genehmigt. Von Vorfällen negativer Art konnte diese nicht berichten, im Gegenteil: Abstand wahren war das Motto der Goldkehlchen, womit sich die kultige Männertruppe mehr als vorbildlich verhielt.

Hamburger gehen viral: Große Sympathie für „Flashmob“

Der musikalische „Flashmob“ zog auch so einige Fußgänger und Radfahrer an, die es sich nicht nehmen ließen, das Dargebotene via Handykamera festzuhalten. Dementsprechend ging und geht der spezielle Auftritt des Männerchors auch viral, Kommentare wie „Vielen Dank, Jungs“, „Ihr seid der Hammer“ oder schlicht „Gänsehaut“ überhäufen sich.

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