Maskenpflicht verschärft

Hamburger Gericht kippt Maskenpflicht-Urteil auf Spielplätzen

  • Jens Kiffmeier
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Ein Hamburger Vater klagt gegen die Maskenpflicht auf Spielplätzen – und bekommt offenbar Recht. Was bedeutet das Urteil für andere Eltern?

Update vom Samstag, 13. März 2021, 11.45 Uhr: Hamburg – Offenbar hat das Hamburger Verwaltungsgericht, nach der Maskenpflicht für Jogger, auch die Maskenpflicht auf Spielplätzen gekippt. Wie Spiegel Online berichtet, liege ein entsprechendes aber noch nicht veröffentlichtes Urteil vor, nachdem ein Vater gegen die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf Spielplätzen geklagt hatte. Damit hätte das Gericht erneut eine Corona-Regel der Stadt aufgehoben. Die Voraussetzung für die Aufhebung der Pflicht ist, dass sich zusammen mit dem Vater nur ein weiterer Haushalt auf dem Spielplatz aufhält. Das Urteil gilt erst einmal nur für den Kläger. Andere können sich jedoch auf das Urteil berufen. Dadurch wird die Durchsetzung für Hamburg Polizei deutlich erschwert.

Maskenpflicht auf Spielplätzen: Die Regeln für Eltern

Erstmeldung vom 25. Februar 2021, 16:23 Uhr:

Hamburg – Der Corona-Alltag verlangt Familien viel ab: Schule dicht. Kita dicht. Kinder zuhause. Doch dort wartet die eigene Arbeit im Homeoffice. Das führt zu Stress und Reizbarkeit bei allen Beteiligten. Oft hilft da nur eins: Raus ins Freie. Ab auf den Spielplatz. Alle austoben. Doch so einfach ist es nicht. Denn ab dem kommenden Samstag müssen dabei in der Hansestadt Hamburg neue Regeln beachtet werden.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister: Peter Tschentscher (SPD)

So hat der Hamburger Senat wegen des weiterhin hohen Infektionsgeschehens in der Stadt die Maskenpflicht noch einmal strenger gefasst. Bis auf Weiteres betrifft das auch Eltern von kleinen Kindern: Denn fortan müssen sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn die Spielflächen bevölkert sind. Spätestens am Freitag soll die Verordnung angepasst werden, wie Senatssprecher Marcel Schweitzer ankündigte. Ab Samstag, 27. Februar, gelten dann die neuen Regeln.

Corona-Regeln: Senat setzt in Hamburg auf Null-Toleranz-Kurs

Doch was genau ist zu beachten? Überall dort, wo ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, und überall dort, wo es eng ist, müssen zwingend Masken getragen werden. Das hat nicht nur Auswirkungen für Jogger, Radfahrer oder Spaziergänger, sondern auch für Eltern auf Spielplätzen. In einer Liste legt der Senat die genauen Orte und Hotspots für die neuen Regelungen fest. Ab Freitag ist sie im Internet abrufbar. Vorab wurden schon einmal Bereiche wie die Landungsbrücken oder der Jungfernstieg genannt.

Achtung Polizeikontrolle: Hamburg setzt auf strenge Maskenpflicht auf Spielplätzen. (24hamburg.de-Montage)

Inwieweit auch konkret Spielplätze benannt werden, bleibt abzuwarten. Hier ist vor allem wohl auch Eigenverantwortung der Eltern gefragt. Ein Blick in die Runde verrät für gewöhnlich, ob viel los ist oder nicht. Wenn ja, heißt es eben: Maske auf. Es gebe „keine generelle Maskenpflicht“, stellte auch der Senatssprecher auf Twitter klar. An stark besuchten Orten wie Grünanlagen oder Spielplätze werde es eben eine verschärfte Regelung geben, und zwar in der Zeit von 10.00 bis 18.00 Uhr, so die Planung.

Also alles doch nicht so schlimm? Auf die leichte Schulter sollten Eltern die Verordnung jedenfalls nicht nehmen. Die Polizei, so kündigte der Senat an, werde verstärkt ein Auge auf die potenziellen Hotspots haben – und bei Zuwiderhandlung auch durchgreifen. Im schlimmsten Fall droht dann ein empfindliches Bußgeld.

Corona: Wetter treibt die Hamburger ins Freie und Inzidenz nach oben

Bereits am Donnerstag warb die Landesregierung noch einmal eindringlich um Verständnis für ihr Vorgehen. Trotz des harten Lockdowns ist das Infektionsgeschehen zuletzt nicht unter Kontrolle gebracht worden. So entwickeln sich die Corona-Zahlen seit Tagen wieder aufwärts, weswegen Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) die oftmals geforderten Lockerungen ablehnte. Natürlich wünsche sich jeder mehr Flexibilität, sagte sie. Aber solange die Zahlen nicht stabil seien, könne es keine Erleichterungen bei den Corona-Regeln geben. Eine Ausnahme macht der Senat nur bei den Schulen.

Zuletzt hatte das Wetter Eltern und Kinder massenhaft ins Freie getrieben. Erst lockte der Schnee zum Rodeln oder Schneemannbauen. Dann sorgte das frühlingshafte Wetter für viel Bewegung an der freien Luft. Dabei war es in den Parks und auf den Spielplätzen zu großen Menschenansammlungen gekommen, weshalb die Polizei sogar Grünflächen absperren musste. Auch vor diesem Hintergrund verteidigte Leonhard die verschärften Maskenregeln. Die Pandemie-Müdigkeit ließe die Menschen unvorsichtig werden. Deshalb müsse man einen Schutz vor Ansteckungen organisieren, hieß es.

Experten sind sich allerdings uneins, ob eine Maskenpflicht im Freien notwendig ist. Während der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit etwa die Maßnahme des Senats begrüßte, zeigte sich sein Kollege Andreas Podbielski skeptischer. Aus Sicht des Leiters des Medizinischen Instituts für Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universität Rostock ist eine Ansteckungsgefahr draußen eher gering, da der Wind die Aerosole verstreue, sagte er der „Hamburger Morgenpost“. Aber egal. Die Eltern sollten auf Nummer Sicher gehen. Also: Maske auf, wenn es eng wird. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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