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Corona-Balkon-Konzerte: Hamburg erlaubt Singen für Oma und Opa

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Von: Jens Kiffmeier

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Corona-Verschärfungen sind in aller Munde. Doch für Pflegeheime erlässt der Hamburger Senat jetzt eine Ausnahme: Balkon-Konzerte für die Großeltern sind erlaubt.

Hamburg - Gemeinsames Singen in der Öffentlichkeit ist wegen der Corona-Ansteckungsgefahr derzeit kaum möglich. Doch in Hamburg soll es nun eine kleine Ausnahme geben: So sollen Pflegeeinrichtungen in der Hansestadt für ihre Bewohner sogenannte Balkon-Konzerte und andere kleine Darbietungen im Freien organisieren dürfen, wie der Senat in einer neuen Allgemeinverfügung festgelegt hat. Damit soll den älteren Menschen in der Vorweihnachtszeit ein „Mindestmaß an sozialer und kultureller Teilhabe“ ermöglicht werden, hieß es.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Berühmt geworden sind die Balkon-Konzerte zu Beginn der Corona-Pandemie. Ihren Anfang nahmen sie in Italien. Als dort in den Städten bereits im März dieses Jahres eine komplette Ausgangssperre verhängt worden war und die Menschen ihre Wohnungen nur noch zum Einkaufen verlassen durften, begannen viele Musiker damit, auf ihren Balkonen kleine Konzerte für ihre Nachbarn zu spielen. Später wurde die Idee auch in Deutschland übernommen. Mittlerweile gibt es sogar kleine Künstleragenturen, die Musiker für Corona-gerechte Veranstaltungen vermitteln. Wie die Konzerte nun in den Pflegeeinrichtungen organisiert werden, bleibt dem jeweiligen Haus überlassen. Für die Veranstaltungen würden weiterhin die strengen Kontakt- und Hygienevorschriften gelten, stellte der Senat in seiner Verfügung klar.

Hamburg erlaubt Balkon-Konzerte: Ausnahme bei strikten Corona-Regeln – für Pflegeheime

Mit Blick auf die Corona-Ansteckungsgefahr zählen Senioren und Pflegebedürftige zu der Hochrisikogruppe. Unter anderem ist der Besucherverkehr deshalb stark reglementiert. So dürfen Pflegebedürftige jede Woche insgesamt mindestens drei Stunden lang maximal zwei Besucher gleichzeitig empfangen. Dadurch leben allerdings viele ältere Menschen in starker Isolation, da auch innerhalb der Heime das Veranstaltungs- und Freizeitprogramm auf ein Mindestmaß reduziert worden ist.  

Ein Mann spielt Gitarre und singt am offenen Fenster.
Mit Gitarre und Gesang: Während des Corona-Lockdowns sind Balkonkonzerte beliebt geworden. (24hamburg-Montage) © Maria Jose Lopez/dpa/picture-alliance

Trotz der strengen Vorschriften ist es in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder zu Corona-Ausbrüchen in Pflegeeinrichtungen der Stadt gekommen. Laut der Gesundheitsbehörde waren Mitte November 350 Heimbewohner und 170 Mitarbeiter infiziert. Betroffen waren Häuser in Rahlstedt, Wandsbek, Heimfeld und Marienthal.  

Insgesamt verzeichnet Hamburg beim Infektionsgeschehen wieder einen starken Zuwachs. So stieg am Mittwoch die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen von 116,8 auf 117,2. Vor einer Woche hatte der wichtige Inzidenzwert noch bei 93,8 gelegen. Den Angaben zufolge haben sich seit Ausbruch der Pandemie insgesamt 27.700 Hamburger mit dem Virus infiziert.

Wegen der negativen Entwicklung bei der Zahl der Neuinfektionen fährt der Senat grundsätzlich einen strikten Kurs. In Hamburg gelten seit Anfang November scharfe Kontaktbeschränkungen und eine strenge Maskenpflicht. Eigentlich sollte es aber zu Weihnachten und Silvester eine Lockerung der Corona-Regeln geben. Statt fünf Personen aus zwei Haushalten sollen sich zehn Personen aus vier Haushalten für eine private Feier treffen dürfen. 

Corona-Regeln: Ministerpräsidenten beraten mit Kanzlerin Merkel

Doch in den kommenden Tagen könnte diese Lockerung wieder aufgehoben werden. Die Ministerpräsidenten der Länder wollen noch einmal bei einem Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Verschärfung des bisher geltenden Maßnahmepakets ausloten. Einige Länder wie Sachsen oder Niedersachsen sind bereits vorgeprescht und haben einen härteren Lockdown als bislang geplant angekündigt. 

Ob sich Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher dieser Linie anschließt, soll am kommenden Dienstag im Hamburger Senat beraten werden. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir hier nicht großzügiger werden können, sondern strenger werden müssen“, sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer. Ungeachtet dessen dürfen sich wohl aber einige Bewohner in Hamburgs Pflegeeinrichtungen über ein paar musikalische Lichtblicke freuen.

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