„Keine schnelle Besserung zu erwarten“

Trotz Corona-Impfungen: Fickenscher sieht Lockdown bis Ostern

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Trotz des Impfstarts in Hamburg und Deutschland rechnet Infektions-Experte Helmut Fickenscher für Deutschland mit einem harten Lockdown bis Ostern.

  • Infektionsmediziner Helmut Fickenscher erwartet trotz Impfstarts keine schnellen Besserungen der Corona-Lage.
  • Der Experte rechnet daher mit keinen großen Lockerungen der Corona-Maßnahmen vor Ostern.
  • Fickenscher: Erfolg hängt von Durchimpfung der Bevölkerung ab.

Hamburg – Der Infektionsmediziner Helmut Fickenscher sieht den Impfstart gegen das Coronavirus positiv und alternativlos: Es sei „das Beste, was wir derzeit machen können.“ Gleichzeitig warnt der Forscher vor überschwänglicher Vorfreude: Schnelle Besserungen seien trotz des Impfstarts am Sonntag in Hamburg und Deutschland nicht in Sicht. Die Epidemie sei dadurch vorerst nicht zu beeinflussen. Fickenscher: „Dies liegt daran, dass wir einfach viel zu viele Leute zu impfen haben und noch längere Zeit nicht genügend Impfstoff zu Verfügung haben werden.“ Vor Ostern erwartet der Experte deshalb keine großen Lockerungen im Alltag.

Stadt in Deutschland: Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Fickenscher ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten. Seiner Meinung nach sei es extrem sinnvoll, alte Menschen in Heimen mit hoher Priorität zu impfen und zugleich das Pflegepersonal mit: „Denn der Eintrag in die Altersheime kommt ja gewöhnlich von außen.“ Als Erste im Norden sollen am Sonntag Bewohner von Pflegeheimen geimpft werden – so auch in Hamburg.

Corona in Hamburg: Das ist der Impfplan

Ob das Eindämmen des Coronavirus im Jahr 2021 gelingen wird, hängt laut Fickenscher von mehreren Faktoren ab. Ein Faktor sei das Impfen. Unklar sei, wann Impfstoffe im ausreichenden Maßstab vorhanden sein werden. In Hamburg etwa sollen täglich bis zu 7000 Menschen geimpft werden. Bis Anfang Januar sollen dann knapp 30.000 Impfungen vollzogen worden sein. Bis zum Jahreswechsel soll die Stadt Hamburg über rund 29 500 Impfdosen verfügen. Wöchentlich sollen danach 14 625 Einheiten dazukommen. Die Corona-Lage ist in der Hansestadt nach wie vor angespannt. Trotz strenger Auflagen – die auch an Weihnachten gelten – sind die Infektionszahlen hoch.

Der Infektionsmediziner Helmut Fickenscher hält Impfungen für alternativlos – warnt aber vor Trugschlüssen. (24hamburg.de-Montage)

„Je mehr Impfstoffe auf den Markt kommen und zugelassen werden, desto mehr Chancen gibt es für eine schnellere und breitere Anwendung“, sagte der Fickenscher. Und gerade die unterschiedlichen Vektorimpfstoffe, also genbasierte Impfstoffe, und auch die neuen Lebend-Impfstoffe nach dem Vorbild der Ebola-Vakzine hätten das Potenzial, in wesentlich größerem Umfang auch in Arztpraxen fürs Impfen verwendet werden zu können. Der jetzt zugelassene erste Impfstoff von Biontech/Pfizer sei wegen der Lagerung bei minus 70 Grad für die Anwendung in Arztpraxen kaum geeignet. Und diese würden dann nach sechs Monaten die Impf-Aufgabe übernehmen, so der Plan.

Trotz Corona-Impfungen in Hamburg: Keine Lockerungen in Sicht?

Eine glückliche Corona-Entwicklung 2021 hängt laut Fickenscher davon ab, ob die weitgehende Durchimpfung der Bevölkerung – seien es nun 60 oder 80 Prozent – in dieser Größenordnung gelingt. „Der kritische Punkt ist, dass diese Durchimpfung vor dem kommenden Winter abgeschlossen ist, bis in den Bereich Oktober. Dann hätten wir gute Chancen, dass die Pandemie uns im kommenden Winter 2021/22 im Großen und Ganzen in Ruhe lässt. Das wäre das ganz wesentliche Ziel. Ob es realistisch ist, bleibt derzeit noch offen. Das kann man noch nicht richtig beurteilen.“

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Vor Ostern rechnet Fickenscher, der auch die Landesregierung in Schleswig-Holstein berät, nicht mit deutlichen Lockerungen der Corona-Auflagen. „Vielleicht können einige Branchen vorher schon wieder öffnen.“ Aber eine relevante Lockerung im Alltag erwarte er erst, wenn es deutlich wärmer wird. „Daher wünsche ich mir zu Weihnachten, dass der Frühling warm und frühzeitig beginnt.“

Im Sommer erwarte er – wie in diesem Jahr – eine eher entspannte Corona-Situation. Es bleibe aber die Unwägbarkeit, dass sich Virusvarianten verbreiten, „die uns vielleicht das Leben noch schwerer machen. Derzeit gibt es aber diesbezüglich keine echten Fakten.“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Ariel Schalit/dpa & Bodo Marks/dpa

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