Ergänzung zur Covid-19-Impfung?

Corona in Hamburg: Uni-Klinik nutzt Trumps Antikörper-Medikament

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Die Bundesregierung hat ein neues Antikörper-Medikament gekauft. In einem Pilotprojekt soll es in Hamburg getestet werden. Der Erfolg gilt als umstritten.

  • Die Bundesregierung hat 200.000 Dosen von einem neuen Antikörper-Präparat gekauft.
  • Als eine der ersten Kliniken in Deutschland wird das UKE Hamburg das Corona-Medikament erproben.
  • Die Hoffnung: Produkt des US-Herstellers könnte schwere Krankheitsverläufe vielleicht abmildern.

Hamburg – Zumindest für einen ist es die Wunderwaffe im Kampf gegen das Coronavirus: Donald Trump. Als der Ex-US-Präsident im vergangenen Oktober schwer an Covid-19 erkrankt war, verabreichten ihm die Ärzte ein neues, nicht zugelassenes Antikörper-Medikament der US-Pharmahersteller Eli Lilly und Regeneron. Nach seiner vergleichsweise raschen Genesung pries Trump den Medikamenten-Cocktail als absolutes „Heil- und Wundermittel“ im Kampf gegen die Pandemie. Experten waren damals skeptisch, trotzdem soll das US-Produkt jetzt großflächiger zum Einsatz kommen – auch in der Hansestadt Hamburg.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister: Peter Tschentscher (SPD)

Als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland wird das Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf (UKE) das neue Antikörper-Medikament an Patienten erproben. Das bestätigte die Leiterin der UKE-Infektiologie, Marylyn Addo. Mit dem Präparat wolle man Erwachsene behandeln, die ein Risiko für schwere Verläufe hätten, sagte die Professorin dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Es sei geplant, mit dem Testversuch in der kommenden Woche zu starten. Wie viele Dosen zum Einsatz kämen, sei aber noch unklar.

Corona in Hamburg: Bund stellt dem UKE die Dosen des Antikörper-Medikaments zur Verfügung

Das Medikament wird zentral von der Bundesregierung beschafft und dann an ausgesuchte Forschungseinrichtungen verteilt. Für insgesamt 400 Millionen Euro kaufte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) insgesamt 200.000 Dosen des Antikörper-Präparats. Die Gabe könne Risikopatienten in der Frühphase einer Ansteckung helfen, dass ein schwerer Verlauf verhindert würde, teilte ein Behördensprecher mit. Für Intensivpatienten, die bereits beatmet werden müssen, ist das Mittel nicht geeignet, hieß es.

Testet ein neues Corona-Medikament: UKE-Chef-Virologin Marylyn Addo.

Ohnehin stehen hinter dem Projekt noch viele Fragezeichen. Bislang ist das Präparat in Europa noch nicht zugelassen. Deutschland ist in der Europäischen Union (EU) das erste Land, das einen Feldversuch wagt. Das UKE in Hamburg wird deshalb die Verabreichung wissenschaftlich begleiten.

Nach Herstellerangaben soll das Medikament die Viruslast im Körper reduzieren und so die Symptome rascher abklingen lassen. Dabei sollen Antikörper verhindern, dass das Virus in die Zelle eintreten kann. Diese Antikörper werden im Labor hergestellt. Regeneron setzt dabei auf sogenannten monoklonale Antikörper. Das bedeutet: Alle Antikörper sind gleich und das Virus soll an einem fest definierten Ziel angegriffen werden. Im Unterschied dazu bildet der menschliche Körper nach einer Impfung einen Mix an Antikörpern, die das Virus an verschiedenen Stellen außer Gefecht setzen können.

Humbug oder Wundermittel? Das sagen die Experten

Alles nur Humbug, so wie Lutschbonbons oder Lakritz gegen Corona? Oder doch ein ersehntes Wundermittel? Addo dämpft zunächst die Erwartungen an das neue Medikament. Erste Daten seien vielversprechend, sagte die Hamburger Chef-Virologin dem NDR. Aber in Expertenkreisen gehe man nicht davon aus, dass das Allheilmittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefunden worden sei. Während immer mehr Corona-Symptome bekannt werden, sei es am Ende vielleicht ein weiterer Baustein, der bei der Behandlung bestimmter Covid-Patienten hilfreich sein könnte. „Aber das müssen wir noch genauer erarbeiten“, so Addo.

Zwar waren viele Experten nach Trumps Genesung noch skeptisch geblieben, doch mittlerweile beurteilen immer mehr Fachleute die Entwicklung deutlich positiver. So begrüßten Experten von SPD und Grünen den Ankauf der Dosen durch Bundesgesundheitsminister Spahn. „Die Studienlage entwickelt sich in die Richtung, dass sich der Krankheitsverlauf damit positiv beeinflussen lässt“, sagte etwa SPD-Politiker Karl Lauterbach. Auch sein Fachkollege von den Grünen, Janosch Dohmen, sieht das Medikament bereits als „sinnvolle Ergänzung“. Es könne helfen, bis genügend Menschen geimpft seien. „Wenn beispielsweise in Pflegeheimen ein Ausbruch entdeckt wird, könnten durch einen raschen Einsatz Behandlungen auf der Intensivstation vermieden werden“, sagte er.

Solche Vorfälle hatte es jüngst mehrfach in Hamburg gegeben. Für Aufsehen hatte unter anderem ein Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim in Hamburg-Winterhude gesorgt. So waren ein Drittel aller Bewohner am Ende mit dem tödlichen Virus infiziert, zehn Menschen starben. Auch vor diesem Hintergrund sprechen die Fachleute mit Blick auf das neue Antikörper-Medikament von einem wichtigen Baustein. Denn am Ende hilft nur eine Impfung. Doch die schreitet wie überall in Deutschland derzeit auch in Hamburg noch sehr schleppend an. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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