Kritik am Impfplan

Fahrt zum Corona-Impfzentrum: Tschentscher soll für Taxifahrten blechen

  • Jens Kiffmeier
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Hamburg hat ein zentrales Impfzentrum in den Messehallen. Für Ältere kann der Weg schwierig sein. Die CDU fordert vom Senat nun die Übernahme der Fahrtkosten.

  • Hamburg will 7000 Menschen am Tag in den Messehallen gegen das Coronavirus impfen.
  • Doch die Hansestadt hinkt bei der Impfquote stark hinterher.
  • Die Kritik an dem Impfplan des Senats wird immer lauter.

Hamburg – Die Kritik am Hamburger Impfplan reißt nicht ab: Nachdem Hamburg mit Blick auf die Impfquote im direkten Vergleich weit hinter anderen Bundesländern hinterherhinkt, hat die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft der Hansestadt jetzt deutliche Nachbesserungen am Senatskonzept eingefordert. Ein einziges zentrales Impfzentrum für die gesamte Stadt reiche einfach nicht aus, kritisierte Unionsfraktionschef Dennis Thering. Die rot-grüne Landesregierung von Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) habe hier dringend noch viele „Hausaufgaben zu machen“ und „viel zu tun“, so Thering.

Stadt in Deutschland: Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie betreibt Hamburg seit Ende Dezember ein zentrales Impfzentrum in den Messehallen. Theoretisch können hier täglich bis zu 7000 Menschen gegen das hochansteckende Virus geimpft werden. Daneben gibt es mobile Impfteams, die aber ausschließlich für die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen unterwegs sind. Alle anderen Hamburger werden nach und nach in der zentralen Einrichtung in Hamburgs City versorgt – so lautet zumindest der Plan.

Kritik am Corona-Impfkonzept: CDU fordert Taxifahrten für ältere Menschen

Doch aus Sicht der Hamburger Opposition hat dieses Konzept Lücken. „Hamburg hat sich bedauerlicherweise dafür entschieden, neben einigen mobilen Impfteams, lediglich ein zentrales Impfzentrum in den Messehallen einzurichten“, kritisierte Unionspolitiker Thering. Insbesondere für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen bedeute dies aber eine Zumutung. Die Anreise quer durch die Stadt sei für viele Personengruppen beschwerlich, zumal sie aus Gründen der Ansteckungsgefahr die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs meiden würden und nicht automatisch alle Senioren über ein eigenes Auto verfügten.

Sein Impfplan steht in der Kritik: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Vor diesem Hintergrund fordert die CDU den Hamburger Senat auf, schnelle und praktische Lösungen auf den Weg zubringen. Konkret schlug Thering vor, dass die Kosten für Taxifahrten zum zentralen Impfzentrum von der Stadt übernommen werden sollten. Andere Bundesländer hätten hierzu bereits entsprechende Initiativen angekündigt. „Hamburg sollte diesem Beispiel unbedingt folgen“, so Thering. Außerdem sollte der Senat dafür sorgen, dass in der Stadt kurzfristig weitere dezentrale Impfzentren eingerichtet würden, um die Anfahrtswege für alle zu verkürzen. So könnten etwa die mobilen Impfteams, wenn die Versorgung in den Alten- und Pflegeheimen abgeschlossen seien, für Einsätze in den Außenbezirken umgebaut werden.

Thering warnte die Landesregierung eindringlich davor, die Lage zu unterschätzen. „Impfen ist der Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung des Coronavirus“, sagte er. Daher sei es wichtig, die Impfbereitschaft der Bevölkerung hoch zu halten. Kapazitätsengpässe und eine schlechte Versorgungsinfrastruktur würden zu Unmut führen und seien für die Erreichung des Impfziels kontraproduktiv.

Kritik am Corona-Plan wächst: Hamburg liegt hinter anderen Bundesländern zurück

Tatsächlich haben sich in Hamburg in den vergangenen Tagen und Wochen massive Probleme bei der zügigen Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoff offenbart. Wie auf 24hamburg.de berichtet, hinkt Hamburg den meisten Bundesländern diesbezüglich weit hinterher. Bis zum vergangenen Freitag waren in der Hansestadt erst 9888 Impfungen durchgeführt worden, was einer Quote (Impfungen pro 100.000 Einwohnern) von 5,4 entspricht. Damit liegt Hamburg unter dem Bundesdurchschnitt von 6,4 und im Ranking der Bundesländer auf einem der hinteren Plätze – weshalb auch schon der Chef des Universitätsklinikums via Twitter eine harsche Kritik an der Arbeit des Hamburger Senats verlautbaren ließ: „Hamburg muss besser werden“, teilte Professor Burkhard Göke mit.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) räumte bereits Probleme beim Thema Impfen ein. Er führt sie aber ausdrücklich auf die schlechte bundesweite Verteilung des Impfstoffes zurück. Sobald Hamburg weitere Impfdosen erhalten habe, könne man ohne Probleme die Quote steigern, betonte er. Die Impfkapazitäten seien absoluten ausreichend und könnten bei entsprechender Lieferung voll ausgelastet werden, sagte etwa Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) der Hamburger Morgenpost.

Zu den aktuellen CDU-Vorschlägen hielt sich der Senat jedoch vorerst bedeckt. Forderungen nach kostenlosen Taxifahrten hatte es bereits auch schon mal Anfang Dezember gegeben. Damals hatte die Landesregierung das Vorhaben abgelehnt. Ob es angesichts der neuen Situation ein Umdenken gibt, blieb am Montag zunächst unklar. Sicher ist allerdings, dass höchstwahrscheinlich das Taxigewerbe die Initiative begrüßt. Die Branche, die in Hamburg durch neue Sammeltaxi-Fahrdienste wie Moia stark unter Druck steht, leidet sehr unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Durch die vielen Kontakt- und Reisebeschränkungen fallen im Lockdown viele Fahrten weg. Eine Art Shuttledienst zum Impfzentrum wäre zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer, um die massiven Einnahmeverluste aufzufangen. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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