Angekratztes Image

Coronavirus Hamburg: Peter Tschentscher als Impf-Versager?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
    schließen

Bei der Corona-Impfung ist einiges schiefgelaufen. Kritik an Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher wird immer lauter. Sein Image als Krisenmanager wankt. 

  • Bei der Impfquote erzielt Hamburg das fünftschlechteste Ergebnis.
  • Die Kritik an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) als Krisenmanager wächst.
  • Andere Nord-Bundesländer sind deutlich besser aufgestellt.

Hamburg – Das Ergebnis lässt aufhorchen: Hamburg liegt bei der Quote der Corona-Impfungen im Ländervergleich weiter im unteren Drittel. Nachdem die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft bereits Ende November auf mögliche Engpässe hingewiesen hatte, wird nun die Kritik an der Arbeit von Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) immer lauter: Zur Eindämmung der Pandemie läge die einzige Lösung in einer schnellen Impfung der Bevölkerung, sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering. „Hier muss Hamburg aber noch deutlich an Tempo zulegen, bisher hat der rot-grüne Senat hier eine bescheidene Bilanz“, fügte der Unionspolitiker hinzu.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Zuvor hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Auswertung zur deutschlandweiten Corona-Impfquote veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der Corona-Schutzimpfungen in der Hansestadt Hamburg zwar zuletzt allein an einem Tag um knapp 17 Prozent gestiegen. So wurden bisher insgesamt 7079 Impfungen verabreicht, davon 1178 allein am vergangenen Mittwoch. Doch das reicht nicht. Denn pro 1000 Einwohner sind das nur 3,8 Impfungen – das bundesweit fünftschlechteste Ergebnis. Zum Vergleich: Die beiden anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen kommen auf 6,6 beziehungsweise 5,6 Impfungen pro 1000 Einwohner.

Corona-Impfungen: Hinter Hamburgs Ländergrenze sieht es deutlich besser aus

Besonders bitter für die Hamburger ist auch: Direkt hinter der Landesgrenze sieht die Situation viel besser aus. So liegt etwa Mecklenburg-Vorpommern mit 13,5 unangefochten auf Platz Nummer eins im Länderranking. Schleswig-Holstein steht ebenfalls gut da. Seit Dezember sind in dem Küstenland bis Mittwoch 20.078 Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, was Platz vier bedeutet. Nur bei Schlusslicht Niedersachsen stellt sich die Situation mit 2,8 deutlich schlechter dar. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 5,0.

Leere im Hamburger Impfzentrum: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) steht in der Kritik. (24hamburg.de-Montage)

Für Hamburg bedeutet das einen harten Rückschritt in den Bemühungen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Eigentlich galt der Stadtstadt bislang als eine Art Vorzeigemodell für andere Bundesländer. Zwar stieg das Corona-Infektionsgeschehen zuletzt auch in der Hansestadt wieder stark an. Doch im Vergleich schaffte es der Senat, die Zahl der Neuinfektionen geringer als andernorts zu halten.

Diese Entwicklung wurde bislang auch Bürgermeister Tschentscher zugeschrieben. So vertrat er während der gesamten Pandemie einen strikten Kurs. „Die Pandemie wird in den Metropolen entschieden“, hatte er bereits zu Beginn der Corona-Krise gesagt. Experimente waren unter der Führung des ehemaligen Laborarztes nicht zu machen. Sein Motto: Keine vorschnellen Lockerungen. Stets übernahm er für Hamburg sämtliche auf den Corona-Gipfeln gefällte Beschlüsse und verschärfte diese teilweise sogar. Selbst im Sommer hielt er an strengeren Regeln fest. Während damals angesichts eines zwischenzeitlich stark gesunkenen Infektionsgeschehens großzügig wurden und Partys mit bis zu einhundert Leuten erlaubten, durften sich in Hamburg weiterhin nur 25 Personen gleichzeitig treffen. Diese harte Linie brachte dem SPD-Mann sogar ein dickes Lob von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein.

Hamburg in der Corona-Krise: Tschentschers Ruf als Merkels Musterschüler ist dahin

Doch nun leidet Tschentschers Ruf als guter Krisenmanager zum ersten Mal. Bereits vor wenigen Tagen kassierte der Sozialdemokrat bei einem Auftritt in der ZDF-Talk-Sendung von Moderator Markus Lanz eine harsche Kritik an dem Corona-Kurs. Und auch die Opposition sieht sich mehr und mehr bestätigt. So hatte CDU-Gesundheitsexperte Stephan Gamm bereits Ende November darauf hingewiesen, dass die Impf-Kapazitäten in Hamburg zu gering seien. So können in der Hansestadt im zentralen Impfzentrum in den Messehallen theoretisch bis zu 7000 Personen täglich geimpft werden. Das sei, so rechnete Gamm vor, für eine 1,85-Millionen-Metropole aber zu wenig.

Kommt nun das böse Erwachen? Vollständig zurückgewiesen wird die Kritik von Tschentscher jedenfalls nicht. So räumte er bereits ein, dass Hamburg beim Thema Impfen stark hinterherhinke. Er erklärte diese Entwicklung aber damit, dass Hamburg bei der Impfstoffverteilung nur mit etwa 1,85 Millionen Einwohnern berücksichtigt worden sein wurde“. Dabei werde jedoch außer Acht gelassen, dass das Hamburger Gesundheitswesen die gesamte Metropolregion mit rund fünf Millionen Menschen versorge. Es gebe also „einen sehr hohen Bedarf an Impfungen für das medizinische Personal“, der bei der Verteilung nicht berücksichtigt worden sei.

Tatsächlich erfolgten laut RKI die mit 3561 meisten Impfungen in Hamburg derzeit aus beruflichen Gründen, also etwa bei Ärzten, medizinischem und Pflegepersonal. 2415 Menschen wurden aufgrund ihres hohen Alters geimpft. Derzeit sind erst einmal alle über 80-jährigen Hamburgerinnen und Hamburger aufgerufen, sich impfen zu lassen.

Für viele andere Hamburger heißt es erst einmal: Abwarten. Doch es gibt einen kleinen Trost: Am Freitag wurde Hamburg mit zusätzlichen Impfdosen versorgt. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhard/dpa/picture-alliance & Christian Charisius/dpa/picture-alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare