Knallharter Lockdown?

Corona-Super-Bekämpfer? Hamburgs Tschentscher ist Merkels bester Mann

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Bund und Länder erwägen eine Verschärfung des Corona-Lockdowns noch vor Weihnachten. Hamburg fährt schon lange einen strikten Kurs, das weiß auch Merkel.

  • Peter Tschentscher hält an strengen Corona-Regeln fest.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in Hamburgs Ersten Bürgermeister wichtigen Unterstützer.
  • Hamburger zeigen Disziplin bei der Einhaltung der Maßnahmen.

Hamburg – Bei der Eindämmung der Corona-Pandemie konnte die Hansestadt Hamburg zuletzt ein paar Achtungserfolge erzielen. Seit Beginn des Teil-Lockdowns Anfang November ist die Zahl der Neuinfektionen schneller gesunken als in vielen anderen Bundesländern. Das hat nun sogar Angela Merkel (CDU) registriert. In den vergangenen CDU-Päsidiumssitzungen soll die Bundeskanzlerin laut Teilnehmerangaben wiederholt lobende Worte für die Bemühungen von Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gefunden haben. Im Gegensatz zur Lage in Sachsen, Thüringen und Brandenburg sei die Entwicklung im Norden durchaus erfreulich, wird die Regierungschefin in Medienberichten zitiert.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Vorwahl:040

Zwar bewegt sich auch in Hamburg die Zahl der Neuinfektionen nach wie vor auf einem hohen Niveau. Aber im direkten Vergleich steht die Hansestadt immer noch halbwegs gut da. So weist die Metropole im Norden unter den zehn größten Städten Deutschlands den niedrigsten Inzidenzwert auf. Seit dem Beginn des „Lockdown lights“ Anfang November konnte Hamburg den Richtwert zeitweise immerhin um mehr als 20 Prozent senken. Niedrigere Werte konnten bei den Bundesländern zuletzt nur Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern aufweisen.

Strenge Corona-Regeln: Merkel und Tschentscher liegen auf gemeinsamer Linie

Für diese Entwicklung sprechen zwei Gründe: strenge Landespolitiker und einsichtige Bürger. „Die Pandemie wird in den Metropolen entschieden“, hatte Tschentscher bereits zu Beginn der Corona-Krise gesagt. Seit dem gab er stets einen defensiven Kurs vor. Experimente waren unter der Führung von Tschentscher, einem ehemaligen Laborarzt, bislang nicht zu machen. Damit liegt er voll auf der Linie von Merkel. Seit Wochen mahnt die Kanzlerin gebetsmühlenartig Disziplin bei der Einhaltung der Regeln an – und wehrt sich gegen vorschnelle Lockerungsversprechen einiger anderer Länderchefs an die Deutschen.

Marschiert gerne voran: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (Fotomontage: 24hamburg.de)

Im SPD-Mann Tschentscher hat die CDU-Bundeskanzlerin einen wichtigen Unterstützer gefunden bei ihren Bemühungen, das Land mit strengen Regeln durch die Krise zu führen. Immer übernahm Hamburg sämtliche Beschlüsse, die die Regierungschefin mühsam mit den Ministerpräsidenten bei den diversen Corona-Gipfeln ausgehandelt hatte. Teilweise ging Tschentscher sogar über die bundesweiten Regelungen hinaus. So hatte der Hamburger Bürgermeister auch im Sommer daran festgehalten, dass sich nur 25 Personen gleichzeitig treffen dürfen. Andere Bundesländer waren angesichts der damals niedrigen Infektionszahlen großzügiger – und erlaubten Partys mit bis zu einhundert Leuten.

Trotz positiven Trends: Tschentscher ist kein Freund schneller Lockerungen

Dass der SPD-Politiker kein Freund von vorschnellen Lockerungen ist, zeigt sich aber auch im aktuellen Lockdown. Nachdem in der vergangenen Woche in Hamburg der Inzidenzwert zeitweise von 133 auf 101 gesunken war, wurde in der Hansestadt umgehend der Ruf nach weniger Corona-Beschränkungen zu den Feiertagen laut. Doch der Senat erstickte die Debatte im Keim.

Zusätzliche Erleichterungen bei den Kontaktbeschränkungen werde es nicht geben, ließ Tschentscher verlautbaren. Das Risiko, dass die Zahl der Neuninfektionen im Januar 2021 dann wieder sprunghaft ansteigen würde, sei zu groß. Selbst eine weitere Verschärfung vor Weihnachten schließt der Regierungschef nicht mehr aus.

Am Dienstag wurde bereits über ein weiteres Bund-Länder-Treffen im Kanzleramt spekuliert. Der Hamburger Senat zeigte sich grundsätzlich offen für eine vorgezogene Beratungsrunde. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man noch vor Weihnachten über neue Corona-Regeln mit der Kanzlerin verhandeln müsste, sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer. Dann soll besprochen werden, ob eventuell auch die Läden in Deutschland wieder geschlossen werden müssen.

Vorteil für Tschentscher: Hamburger zeigen viel Disziplin

In seinem Kabinett erhält der Hamburger Bürgermeister große Unterstützung für den rigiden Kurs: „Wir wissen, was wir den Hamburgern und Hamburgerinnen zumuten, aber weil wir eben sehr vorsichtig vorgehen, stehen wir verhältnismäßig gut da“, sagte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) kürzlich der Mopo.

Ein anderer Grund, warum der Norden vergleichsweise gut abschneidet im Ländervergleich, ist aber auch: Die Hamburger selbst halten sich grundsätzlich an die erlassenen Corona-Beschränkungen. Zwar nahm die Stadt bereits wegen diverser Verstöße gegen die Auflagen rund 1,2 Millionen Euro mit Bußgeldern ein. Aber laut Angaben der Polizei befolgt der Großteil der Hamburger Bevölkerung die Kontaktbeschränkungen und die Maskenpflicht. Insofern kann sich Tschentscher auch bei seinen Wählern bedanken, dass er neuerdings in der Gunst der Kanzlerin steht.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture-alliance

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