Kürzung in Finkenwerder

Coronavirus trifft Luftfahrtbranche: Airbus muss Flugzeugproduktion um ein Drittel reduzieren

Airbus-Beschäftigte arbeiten im Airbus-Werk in Finkenwerder in der Endmontage für die Airbus A320-Familie.
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Blick in die Airbus-Fabrik Hamburg-Finkenwerder

Die Coronavirus-Pandemie trifft die Luftfahrtbranche enorm. Airlines sparen an allen Ecken – das hat Folgen auch für die großen Flugzeugbauer in Hamburg.

  • Der europäische Flugzeughersteller Airbus senkt die geplanten Produktionszahlen drastisch.
  • Die Coronavirus-Pandemie trifft die Luftfahrtbranche besonders hart.
  • Auch das Werk in Hamburg ist von den Kürzungen betroffen.

Toulouse/Hamburg - Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus fährt die Produktion der Passagierflugzeuge wegen der Coronavirus-Pandemie um rund ein Drittel zurück. Damit reagiere der Konzern auf die heftigen Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf die Kunden, teilte der europäische Rivale des US-Konzerns Boeing am Mittwochabend in Toulouse mit. Die Auswirkungen der Pandemie seien beispiellos, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury. Die Fluggesellschaften seien von der Krise schwer getroffen.

Airbus-Werk in Hamburg: Coronavirus beeinflusst Produktion in Finkenwerder

Daher sollen vom jüngsten Langstreckenjet-Modell Airbus A350 vorerst monatlich nur noch sechs neue Maschinen die Werkshallen verlassen. Die Produktion des modernisierten Großraumjets A330neo wird auf zwei Maschinen pro Monat gekappt.

Von den Mittelstreckenjets der Modellfamilie A320 und A320neo sollen monatlich nur noch 40 Exemplare gebaut werden. Hier hatte die Airbus-Führung die Produktion von 2021 an eigentlich auf 63 Maschinen ausweiten wollen und für die folgenden Jahre weitere Steigerungen angestrebt. Noch vor wenigen Wochen hatte Guillaume Faury gesagt, die Produktion in dem Segment sei bis 2025 ausgebucht.

Diese Entscheidung trifft auch das zweitgrößte Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder. Hier läuft normalerweise fast die Hälfte aller A320-Maschinen vom Band. Laut NDR wurden bereits fertig gestellte Flugzeuge, die aber aktuell keine Abnehmer finden auf dem Rostocker Flughafen geparkt. Welche Konsequenzen diese Entwicklung für die 14.000 Mitarbeitende hat, sei nach Informationen des NDRs noch unklar.

Coronavirus-Krise trifft Airbus: Keine finanzielle Notlage

Airbus versucht nun das Geld zusammenzuhalten und spricht nach eigenen Angaben mit den Arbeitnehmervertretern darüber, wie die Folgen der Produktionskürzung sozial abgefedert werden können. Zudem peilt das Management längerfristige Kostensenkungen an.

Von staatlichen Finanzhilfen will Airbus im Gegensatz zu seinem strauchelnden US-Rivalen Boeing derzeit nichts wissen. „Wir haben nicht nach Staatshilfe für Airbus gefragt“, sagte Guillaume Faury. Mit Blick auf den Boeing-Konzern, mit dem sich Airbus seit Jahren über staatliche Subventionen auf beiden Seiten gestritten hatte, stellte er klar, dass man auch künftig gleiche Wettbewerbsbedingungen für beide Hersteller wolle. Boeing hatte wegen des mehr als einjährigen Flugverbots für seinen Mittelstreckenjet 737 Max schon vor der Coronavirus-Pandemie in einer schweren Krise gesteckt.

Im März hielt sich Airbus trotz der Krise noch vergleichsweise gut. So lieferte der Konzern trotz Unterbrechungen der Produktion insgesamt 36 Verkehrsflugzeuge aus. Zugleich holte er netto 21 Neubestellungen herein. Stornierungen sind dabei bereits herausgerechnet. Im ersten Quartal kam der Airbus damit auf 122 Auslieferungen und 290 Nettobestellungen.

Daneben hilft Airbus den europäischen Staaten die Coronavirus-Krise zu bekämpfen. Vor wenigen Tagen tätigte das Unternehmen einen Versorgungsflug, um vier Millionen Atemschutzmasken nach Toulouse und Hamburg zu liefern.

Seinen im Februar verkündeten Plan, im laufenden Jahr 880 Verkehrsflugzeuge auszuliefern und den operativen Gewinn zu steigern, hatte der Vorstand allerdings schon im März gestrichen. Damit der Konzern die Krise übersteht, sollen die Aktionäre auf die Dividende für 2019 verzichten. Außerdem hat sich Airbus im März eine zusätzliche Kreditlinie von mehr als 15 Milliarden Euro gesichert.

Coronavirus trifft Luftfahrtbranche: Airbus ist abhängig von Fluggesellschaften

Denn der weltweite Flugverkehr ist infolge der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen Beschränkungen heftig eingebrochen. Die Fluggesellschaften, die die Auftragsbücher von Airbus und Boeing gefüllt haben, stecken in der womöglich schwersten Krise ihrer Geschichte. Bei der Lufthansa und ihren Tochtergesellschaften etwa stehen rund 700 der 763 Flugzeuge am Boden. Erst am Dienstag beschloss der Kranich-Konzern, seine Flotte um rund zehn Prozent zu verkleinern.

Vielen Fluggesellschaften droht ohne staatliche Hilfe die Pleite. Der Weltluftfahrtverband IATA rief die Regierungen in aller Welt bereits auf, den betroffenen Unternehmen mit Finanzspritzen, Bürgschaften und anderen Erleichterungen zu helfen. Auch die Lufthansa spricht mit dem Bund über milliardenschwere Beihilfen.

dpa

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