Covid-19-Sars-Pandemie

Coronavirus: Hamburger Virologin Addo rechnet mit Covid-19-Impfstoff frühestens in zweiter Jahreshälfte

Marylyn Addo, Leiterin Sektion Infektiologie am Hamburger UKE, gibt bei einer Pressekonferenz Auskunft über den aktuellen Stand der Covid-19-Impfstoff-Forschung.
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Marylyn Addo, Leiterin Sektion Infektiologie am Hamburger UKE, gibt bei einer Pressekonferenz Auskunft über den aktuellen Stand der Covid-19-Impfstoff-Forschung.

Einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus wird es nach Einschätzung der Virologin Addo vom UKE frühestens in der zweiten Jahreshälfte geben. Auch wenn das aus Sicht der Ärztin ein hohes Tempo ist – für die aktuelle Corona-Welle nützten diese Mittel nichts.

  • Hamburger UKE-Impfstoff-Expertin Marylin Addo mit düsterer Coronavirus-Prognose
  • So bald kein Heilmittel im Kampf gegen die aktuelle globale Covid-19-Sars-Pandemie
  • Coronavirus-Patienten aus Italien und Frankreich kommen nach Hamburg-Harburg

Hamburg/Eppendorf – Trotz des für Mediziner hohen Entwicklungstempos rechnet die Virologin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus (Covid-19-Sars). „Es sind sehr viele verschiedene Impfstoffansätze in der Entwicklung“, sagt die Leiterin der Infektiologie des UKE am Ende März 2020 in Hamburg.

Die schnellsten Impfstoff-Entwicklungen seien bereits an Menschen getestet worden. „Das hat es noch nie gegeben, dass von der Entwicklung eines Virus bis zur Impfung des ersten Menschen zur Sicherheitstestung nur mehrere Monate vergangen sind.“

Hamburger-UKE-Virologin: „Kein Impfstoff für aktuelle Coronavirus-Welle“

Schnell sei natürlich im Auge der Gesellschaft relativ. „Aber für uns ist das schnell“, sagt Addo – und räumt ein, dass keiner der Impfstoffe für die aktuelle Coronavirus-Welle Relevanz haben werde.

Selbst die bereits jetzt weit gediehenen Impfstoffe stünden frühestens in der zweiten Jahreshälfte breiter zur Verfügung. Addo betont: „Impfstoffe sind Produkte, die wir Gesunden verabreichen, und wir müssen dafür sorgen, dass diese sicher sind.“

Addo: Wirksames Anti-Coronavirus-Medikament fehlt

Es gebe noch kein zugelassenes Medikament für diese Erkrankung, sagt Addo. Aber es gebe viele Substanzen, die in irgendeiner Form bei anderen oder ähnlichen Krankheiten Wirkung gezeigt hätten und zugelassen seien.

„Die müssen wir jetzt auf Wirksamkeit strukturiert prüfen, um dann zu wissen, wen können wir wie wann am besten behandeln“, sagt Addo. Derartige klinische Studien liefen nun an vielen Universitätskliniken und Zentren an, auch am UKE.

UKE-Expertin: „Covid-19-Antikörpertest in sehr frühem Stadion“

Die sogenannten Antikörpertests, mit denen etwa auch eine unbemerkt überstandene Coronavirus-Infektion nachgewiesen werden soll, seien noch in der Entwicklung, sagt Addo.

„Diese Entwicklung ist noch in einem sehr frühen Stadium.“ Das Problem sei, dass bislang nicht sicher sei, dass die Tests tatsächlich das neuartige Coronavirus und nicht etwa ein altes Coronavirus erfassen.

Coronavirus-Massentests sinnlos, PCR-Tests besser

Im Gegensatz dazu können sogenannte PCR-Tests sehr präzise eine akute Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachweisen. Massentests hält Addo gleichwohl für nicht sinnvoll. Sie verstehe, wenn die Menschen in Sorge seien. „Für die allgemeine Gesellschaft ist ein negativer Test aber nicht aussagekräftig“, sagt Addo. Denn schon am nächsten Tag könne sich der Getestete angesteckt haben und positiv sein.

Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich nach Hamburg

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) bestätigte Anfragen aus Italien und Frankreich zur Übernahme schwer kranker Covid-19-Patienten durch Hamburger Kliniken.

Sie spricht von zehn italienischen Patienten für das Asklepios-Klinikum Harburg und zunächst zwei französischen Patienten für das UKE. Das sei jedoch abhängig von den Kapazitäten der Krankenhäuser gerade mit Blick auf die im April erwartete Corona-Welle in der Hansestadt. Addo betont, es handele sich zunächst nur um eine Anfrage: „Es ist kein Patient hier, es ist noch keine Logistik eingeleitet worden.“

Neben der dramatischen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat die Coronavirus-Pandemie weitreichende Folgen für das Leben in der Hansestadt HamburgWirtschafts- und Freizeit-Institutionen sind geschlossen, Großveranstaltungen wie etwa der traditionell Hamburger Hafengeburtstag abgesagt, um die Covid-19-Sars-Ausbreitung zu stoppen – wie 24hamburg.de berichtet.

dpa/lno

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