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Corona-Zahlen: Sinkt Inzidenzwert in Hamburg nur, weil zu wenig getestet wird?

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Von: Kevin Goonewardena

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Binnen nur vier Wochen hat die Corona-Inzidenz in Hamburg zwei Drittel des Werts eingebüßt. Das ist erfreulich, aber spiegelt es auch den tatsächlichen Fall wider?

Hamburg – Vor wenigen Wochen überstieg der Inzidenzwert in der Hansestadt Hamburg die Marke von 2000. Am 30. Januar 2022 lag der Wert, der angibt wie viele Neuinfektionen mit Covid19 auf 100.000 Einwohner anfallen, bei 2186,5. Es schien so, als würde dieser Wert und damit die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus weiter unaufhörlich steigen.

Doch weit gefehlt: Am Freitag, 25. Februar 2022 lag der Inzidenzwert in Hamburg bei  747,7, büßte somit fast zwei Drittel innerhalb von nur vier Wochen ein. Was ist passiert?

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:rund 1,9 Millionen
Stadtoberhaupt:Erster Bürgermeister Peter Tschentscher

Hamburg: Corona-Inzidenzwert um zwei Drittel gefallen – Zahl der PCR-Test allerdings ebenfalls gesunken

Es ist nicht etwa so, dass in Hamburg weniger Menschen Corona-positiv wären. Aber ein wesentlicher Grund für den Rückgang des Inzidenzwerts in Hamburg ist der Umstand, dass in der Hansestadt schlicht und einfach weniger getestet wird. Das belegen Zahlen, die die Gesundheitsbehörde von Senatorin Melanie Leonhard in ihrem wöchentlichen Briefing mitteilte. So waren etwa in der vierten Kalenderwoche Ende Januar 2021 noch 22.800 PCR-Tests in Hamburg durchgeführt worden, in der siebten Kalenderwoche waren es nur noch 15.400 – und damit ein Drittel weniger.

Die Positivrate allerdings sank nur um rund sechs Prozent von 38,4 Prozent (vierte Kalenderwoche) auf 32,9 Prozent (siebte Kalenderwoche). Sie stagnierte so gar zwischen der sechste und siebten Woche des Jahres, wie die Hamburger Morgenpost herausfilterte. Allerdings wurden in dem Zeitraum 3000 Tests weniger durchgeführt – die Inzidenz sank also weiter, doch der Anteil der positiven Tests blieb gleich hoch.

Auf einem Smartphone ist die aktuelle Inzidenz-Karte für Deutschland abgebildet.
Deutschland schwörte lange auf die Inzidenz – dabei hat sie schon längst kaum noch Aussagekraft. Erst spät wurde auch die Zahl derer, die in Kliniken wegen Covid19 behandelt werden wichtig. Beide Raten sind nun rückläufig. © Felix Schlikis/imago

Auch könnte das Testverhalten einiger Menschen eine Rolle spielen. Dann nämlich, wenn diese ihre positiven Schnelltestergebnisse nicht durch einen PCR-Test abgleichen. In dem Fall würden die Positivfälle auch keinen Eingang in die Statistik finden. Weder, was die Inzidenzwerte in Hamburg angeht, noch sonstwo.

Politik hielt lange an Inzidenzwert fest, erst spät andere Faktoren wichtig – Hamburgs Bürgermeister Peter Tchentscher pocht auf Inzidenzwert

Für politische Entscheidungen war die Inzidenzwert lange Zeit maßgebend. Die Politik klammerte sich an den Inzidenz, auch noch nachdem im Herbst 2021 die Hospitalisierungsrate als wichtiger Gradmesser der Lage hin zu kam. Dennoch wurde der Inzidenzwert weiterhin stets zur Bewertung der Corona-Pandemie herangezogen und hatte damit Einfluss auf die Beschlüsse von Maßnahmen. Auch was die Corona-Maßnahmen in Hamburg angeht. Erst in den in den letzten Wochen wurde für die Politik die Zahl derer, die aufgrund von Corona-Infektionen in Kliniken behandelt werden mussten, wichtiger.

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Diese Zahlen sind ebenso rückläufig. Der deutlich gesunkene Inzidenzwert suggeriert aber eine stärkere Rückläufigkeit als tatsächlich gegeben, da die Anzahl der durchgeführten Tests von dem reinen Wert nicht abgebildet wird. Den Vorschlag nach einem neuen Coronawarnsystems durch Bayern Ministerpräsident Markus Söder teilte unter anderem auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) eine Absage. Er will in Hamburg an dem Gradmesser Corona-Inzidenz weiterhin festhalten. *24hamburg.de ist ein Angebote von IPPEN.MEDIA.

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