Harter Lockdown

Corona-Krise in Hamburg: Hamburg zieht die Notbremse

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Corona-Zahlen sind drei Tage lang über der 100er-Marke. Dritte Welle rollt wie ein Tsunami über Hamburg hinweg. Der Corona-Lockdown ist zurück – mit Ausnahmen.

Update von Freitag, 19. März 2021, 11:17 Uhr: Hamburg – Jetzt ist es beschlossen: Nach drei Tagen in Folge mit einer Inzidenz über 100 zieht der Hamburger Senat die Notbremse. Ab dem morgigen Samstag, 20. März 2021, gilt wieder der harte Lockdown. Das kündigte Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) an. Lockerungen für den Einzelhandel, Wildparks, Sportvereine und Museen wie die Deichtorhallen sind damit wieder vom Tisch. Hier gibt es aktuelle Informationen über alle Hintergründe und die konkreten Regeln.

Corona-Krise: Tschentscher zieht Notbremse und verschärft Lockdown

Hamburg – Den Hamburgern droht der nächste Lockdown: Nachdem die Corona-Zahlen – trotz kostenloser Schnelltests – wieder rasant in die Höhe geschossen sind, wird der Senat möglicherweise in den kommenden Tagen die ersten Lockerungen zurücknehmen. Sprich: Die Corona-Maßnahmen werden wieder verschärft. „Die Lage ist ernst“, sagte eine Sprecherin von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Bei anhaltend hohen Inzidenzwerten werde der Senat „die Notbremse ziehen“, hieß es.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Am Mittwoch übersprang die Inzidenz in der Hansestadt Hamburg erstmals wieder die 100er-Grenze. So wurden insgesamt 393 Neuinfektionen gemeldet. Das waren 184 mehr als am Dienstag und 190 mehr als am Mittwoch vor einer Woche. Die Inzidenz, also die Zahl neuer Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, machte damit einen Sprung von zehn Punkten und liegt jetzt bei genau 100,9.

Corona-Zahlen: Bei hohem Inzidenzwert gilt in Hamburg wieder ein harter Lockdown

Sollten die Hamburger Corona-Zahlen nicht sinken und an drei Tagen hintereinander über der 100er-Marke bleiben, greift automatisch die sogenannte Notbremse und strenge Lockdown-Regeln werden wieder in Kraft gesetzt. Daran werde auch nicht gerüttelt, hatte die Senatssprecherin schon einen Tag zuvor gewarnt.

Will Lockdown-Lockerungen für den Handel zurückdrehen: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Die Notbremse ist ein Instrument, auf das sich die Ministerpräsidenten der Länder beim vergangenen Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geeinigt hatten. Nachdem der Ruf nach Lockerungen für Einzelhandel, Friseure oder Fitnessstudios immer lauter geworden war, hatten Bund und Länder nach einem Fünf-Stufenplan Erleichterungen von den strengen Lockdown-Regeln auf den Weg gebracht.

Zugleich hatten sie aber eine Sicherheitsleine eingezogen, wonach die Regeln sofort wieder verschärft werden, sobald die Zahlen wieder die 100er-Marke knacken – was nun in Hamburg der Fall ist. Für die Hansestadt bedeutet das konkret: Ab Samstag könnten wieder die Regeln vom 7. März gelten.

Corona-Lockdown: Bald könnten in Hamburg wieder die scharfen Kontaktverbote gelten

Statt mit fünf Personen sind danach dann wieder nur noch Treffen mit einer Person außerhalb des eigenen Hausstandes erlaubt, Kinder bis 14 Jahre nicht mitgerechnet. Der Einzelhandel, Kosmetikstudios, Museen und Galerien sowie Sportanlagen müssten dann wieder dicht machen.

Friseure und Blumenläden dürften offen bleiben. Ausgenommen werden auch Kitas und Schulen. Am Montag erst waren die Bildungseinrichtungen für einen Großteil der Schüler von der Notbetreuung zurück in den erweiterten Regelbetrieb gekehrt. Daran werde man trotz steigender Zahlen auch festhalten, betonte die Senatssprecherin. Die flankierenden Hygiene- und Schnelltestkonzepte rechtfertigten dieses Vorgehen.

Corona-Gipfel: Merkel schlägt Lockdown-Verlängerung um vier Wochen vor

Die genauen Ursachen für den Anstieg der Corona-Zahlen sind unklar. Grundsätzlich hätten die Hamburger zu viele Kontakte, darauf „deute einiges hin“, hatte die Senatssprecherin bereits am Dienstag betont. Und auch Tschentscher selber hatte in den kommenden Wochen die beschlossenen Lockerungen stets kritisch bewertet und sie nach eigener Aussage nur mitgetragen, um eine bundeseinheitliche Linie im Kampf gegen die Pandemie zu gewährleisten.

Bei der erneuten Ausbreitung des Virus ist Hamburg allerdings keine Ausnahme. Deutschlandweit steigen die Fallzahlen wieder an. Corona-Hotspots sind dabei Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Besonders die Ausbreitung der hochaggressiven britischen Virusvariante besorgt die Experten. Laut Virologe Christian Drosten macht sie bereits einen Anteil von drei Vierteln aller positiven Fälle aus. Dies sei keine gute Entwicklung, sagte er im NDR. „Wir werden kurz nach Ostern eine Situation haben, wie um Weihnachten herum.“

Am kommenden Dienstag müssen die Bundesländer nun wieder darüber beraten, welche Konsequenzen aus der Entwicklung gezogen werden sollen. Dann steht der nächste Corona-Gipfel mit Kanzlerin Merkel an. Bereits im Vorfeld wird über eine erneute Lockdown-Verlängerung diskutiert*. Nach einem Medienbericht schweben Merkel weitere vier Wochen vor. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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